Aufsatz 
Bildung und Bedeutungswandel französischer Infinitive beim Übergang aus dem Lateinischen
Entstehung
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M.

currere und quaerere in die neben den im Altfranzösischen noch bevorzugten, auch jetzt noch nicht völlig ausgestorbenen Formen courre und querre(wovon quéête) häufigeren courir und quérir(neufranz. meist in den Comp. ac- con- en- re-quéêrir gebräuchlich), fodere(fouir), fugere(fuir), vertere(vertir in con- in- per-vertir), offerre und sufferre (offrir und souffrir), tradere(trahir), invadere(envahir), rapere(ravir), während fléchir auf flecticare, altfranzösisch flechier zurückzuführen scheint, endlich expandere(épanouir von prend-re, neben épandre), nach évanouir gebildet, afr. espanir Ausfall des d wie in prenons.

In die Conjugation auf ir endlich trat eine beschränkte Zahl lateinischer Infinitive auf-escere, und zwar mit allmählichem UÜbergang in die transitive Bedeutung über, wie nigrescere(noircir), exclarescere(Sclaircir), canescere(chancir), durescere(durcir), indures- cere(endurcir), evanescere((s')évanouir(Bildung durch das Perf. evanui beeinflusst).

Nach Analogie der zahlreichen lateinischen Infinitive auf-n-dere und r-dere wie findere (fendre), tendere(tendre), vendere(vendre), perdere(perdre) nahmen eine Anzahl von den der sogenannten lateinischen 2. Conjugation angehörigen Infinitiven die Endung ère an; so wurden respondere, tondere, mordere, ardèere zu respond(è)re(répondre). tond()re- mord(é)re, ard(è)re(ardre nur altfranzösisch); desgleichen trat für torq(u)ere tordu)(è)re (tordre), für lucère luc(é)re(luire), für nocère noc(é)re(nuire), für tacere tac(èé)re(taire), für placere plac(ère(plaire)., für ridere rid(èé)re(rire), für submonère endlich submon(è)re (Semondre) ein.

Allein auch der umgekehrte Vorgang. d. h. der UÜbergang von Infinitiven auf-Ere in solche auf-ère und damit in die französische Endung auf oir trat oft, meist wohl durch analogische Einwirkung veranlaſst. ein. So wurde nach dem Vorbild von habere(avoir) und debere(devoir) sapère zu sapère(savoir), cadère zu cadère(cheoir) und capère zu capère(-cevoir in den Comp. per- re- con--cevoir). pluere zu plovère(pleuvoir), so auch nach dem von valère(valoir) und calèere(chaloir, erhalten in chaland, nonchalant. il m'en chaut), aus fallére fallere(falloir neben faillir) Ebenso wurde aus der für die klassische Infinitivform velle eintretenden regelmäſsig gebildeten Infinitivform volére volère (vouloir) und endlich auch aus dem für posse eingetretenen potère potère(pouvoir), beide wegen ihres mit Verben wie habeère(habui) und sapère(sapui) gleichartigen Perf. auf-ui.

Während der UÜbergang der Infinitivendung-are in-er und-ire in ir im allgemeinen keine lautlichen Veränderungen des Stammes nach sich zog, so konnte zwar, vor dem nach Ausstofsung des è vor der Infinitivendung der sogenannten lateinischen 3. Conjugation an den letzten Stammconsonanten antretenden-re, wenn-d nach vorhergehendem n oder r,-tt oder v nach vorhergehendem Vokal, p nach vorhergehendem Consonanten, nachn den letzten Stammbuchstaben bildete, ausser der durch die allgemeinen Lautgesetze bedingten, eine Veränderung des Stammes unterbleiben und vendére zu vendre, tendére zu tendre, perdére zu perdre, quaerere zu querre, currere zu corre oder courre, mittere zu mettre, vivere zu vivre, rumpere zu rompre, vincere zu vaincre werden. In allen anderen Fällen aber muſsten sich mannigfache Lautveränderungen ergeben. War 2. B. n wie in pon(e)re oder nach Ausstoſsung des g in plan(ge)re, pin(ge)re, jun(ge)re, desgleichen r nach Ausstoſsung des g bezw. q wie in ter()re, sur()re und torq()re(für-ère), vnach 1 wie in sol(ve)re und'l nach einem Vokal wie in mol(é)re der Stammauslaut, so machte sich die Sprache den UÜbergang der nun gusammentreffenden Consonanten durch Ein- schiebung des euphonischen dA- leichter, und so entstanden die Infinitive pondre, plaindre,