Aufsatz 
Pytho's Gründung : ein nomischer Hymnos, aus dem homerischen Hymnos auf Apollon ausgeschieden und übersetzt / vom ... C. F. Creuzer
Entstehung
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IV

die alte sage. Wenn es schon an sich sehr wahrscheinlich ist, dass, wo wir den Hesiodus wohnhaft finden, auch die gattung von dichtkunst, zu der seine gedichte gehören, einheimisch gewesen sei, diese gegend aber überhaupt als der älteste sitz der poesie berühmt war; so hat man keinen grund anzunehmen, dort sei auch die heroische poesie geübt worden. Denn nichts weist darauf hin, und wie auch immer die sagen von Orpheus, Musäus, Eumolpus und audern dichtern dem Homer unbekannt gewesen sein mögen, so führen sie doch sämmt- lich nur auf didaktische poesie der alten Thracier. Es kommen aber noch andere gründe hinzu, welche die didaktische poesie als die älteste bezeichnen. Diese goldenen worte, welche vor 18 jahren G. Hermann niederschrieb*), lösten ein uraltes räthsel und verbreiteten ein unerwartetes licht über den ur- sprung der heroischen poesie sowohl, als über das wahre verhältuiss der home- rischen epen zu den übrigen dichtungen der hellenischen urzeit. Aber das wesen der letzteren blieb noch immer mit einem schillernden nebel bedeckt, welcher auch den schärfsten augen das deutliche erkennen und unterscheiden ihrer formen unmöglich machte. Um sich davon zu überzeugen, braucht man nur in unseren zahlreichen griechischen literaturgeschichten das unerlässliche kapitel über die vorhomerische poesie aufzuschlagen. So trefflich und besonnen dies mitunter, namentlich von Bernhardy und Müller, ausgeführt ist, so beruhen doch die darin entwickelten ansichten über die leistungen jener berühmten sän- gerschule, welche sich von Pierien aus über alle stämme der Hellenen verbrei- tete, aber besonders in Kreta und am Helikon blähte, fast nur auf schwan- kenden hypothesen und verwitterten traditionen, und nirgends taucht die ahnung auf, dass es für die erforschung jener pierischen art und kunst, deren schwacher und verwilderter sprössling die archaisirende poesie der Bukoliker ist, noch eine sehr schöne positive basis gebe. Und dennoch war schon seit dem jahre 1837 durch SoetbeersVersuch die urform der hesiodeischen

*²) Wiener jahrbücher v. 1831 B. LIV, S. 231 f. u. G. Hermanni opuscula VI. 1. S. 89 f.