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eine andere als eine versöhnende und Gnade spendende sein konnte. Indem bei diesen Verhältnissen eine Befreiung und Wiederhberstellung der Maria als Königin von der Elisabeth nicht thunlich schien, jene aber weit entfernt war, gleich einer Christina von Schfen— die in mehrfacher Hinsicht zwischen Elisabeth und Maria steht, aber ihr fehlt von jener die Charakterwürde und Entsagung, von dieser die Glaubenskraft und Weiblichkeit, ¹4²)— die Krone niederzulegen, wenigstens nicht in der frühern Zeit, ehe sich für Eli- sabeth so grosse Gefahren von Aussen aufthürmten; indem sie im Vollgefühl ihrer angestammten königli- chen Rechte äusserte: lieber wolle sie sterben, als der Krone entsagen, ¹⁸) so verlängerte sich ihre Haft und die Entscheidung von Jahr zu Jahr. Zwar sagte sie hie und da, dass der Ehrgeiz der Jugend nach einer hohen Stellung in England oder Schottland gewichen und dass sie sich nach Ruhe sehne, aber dies sind nur vorübergehende Aeusserungen; ja sie erlässt um diese Zeit an Elisabeth wie an das Parlament eine feierliche Erklärung über ihr Anrecht an den englischen Thron. 4⁴) Ihr Sohn selbst fürchtete durch ihre Befreiung für sich und seine Krone, und verwandte sich daher auch nicht ernstlich für sie, sondern schloss sich vielmehr an Elisabeth an. 3 1
Der Versuche, Maria zu befreien, wurden so manche gemacht, der Verschwörungen gegen das Leben der Elisabeth fanden so manche statt, dass am Ende 1587 eine Verbindung zum Schutze der letatern ge- schlossen und 24 königlichen Geheimräthen die Untersuchung gegen Alle übergeben wurde:„welche damit umgingen, das Reich anzugreifen, Empörungen zu erregen c gie Königin zu verletzen oder umzubrin-
en, und zwar durch oder für jemand, der Ansprüche auf den Thron mache. Derjenige, für welchen oder durch welchen dergleichen unternommen werde, gehe aller Ansprüche verlustig und werde selbst mit dem Tode bestraft.“ Maria, gegen welche dieses Gesetz gegeben, trat selbst dieser Verbindung bei. Nach Schiller ist sie auch frei von jeder Theilnahme und Empörung und weil sie deren mit Unrecht beschuldigt wurde, auch mit Unrecht hingerichtet. ⁴³)
Sollen wir aber in dieser so oft besprochenen Angelegenheit und in dieser für die Verurtheilung der Maria so höchst wichtigen Frage unser Urtheil aussprechen, so können wir keineswegs so weit gehn, als so manche in übertriebener Galanterie und Sentimentalität gethan haben, und die Briefe, Aktenstücke u. dgl. gegen Maria für untergeschoben erklären. Im Gegentheil stimmen wir hier v. Raumer ganz bei: dass sie vollkommen das Gepräge der Echtheit an sich tragen und dass, wenn man habe unterschieben und täuschen wollen, man die Farben viel stärker aufgetragen haben würde. Um hier die Umtriebe zu übergehen, in welche sich Maria mit Spanien eingelassen haben soll,(weshalb der spanische Gesandte aus London verwiesen wurde) weil sie nicht klar genug sind, genüge es zu erwähnen, dass sie unterm 20sten November 1570 zur Unterstützung der Rebellen 1500 Pfd. anwies; dass sie, als ihr Briefe von ihr gezeigt wurden, nach welchen sie an Northumberlands Empörung Theil hatte, weinend entgegnete: es könne viel- leicht von ihrem heftigen Haushofmeister etwas zugesetzt sein, und mit Worten durfe man es bei ihrem überreizten Zustande nicht so Henan nehmen; ⁴⁶) dass sie, wie einer ihrer Anhänger dem Papste und dem Könige von Spanien schrieb, 1585 äusserte:„lasst die Ausführung des grossen Anschlags und Plang vorwärts gehen“, u. s. w., so wie: dass Kurl Jemandem aufträgt: doch den Babington in London aufzu- suchen und ihm zwei Briefe Marias sicher zu übergeben. Zwar leugnet Anfangs Nau, gesteht aber, nach- dem ihm seine Briefe vorgelegt werden, und thut in seiner 1605 unter König Jakab— als die Gefahr, die Wahrheit zu sagen, vorüber war— herausgegebenen Rechtfertigungsschrift, in der er seine Anhänglichkeit an Maria oft und namentlich hervorhebt, die bedeutungsvolle Aeusserung: dass Elisabeth und ihre Mini- ster nie gewagt haben, ihn zum Gegentheil[zum Abfall von Marial] zu versuchen; dass ein Brief Babing- tons bei Maria eingelaufen sei, der einen schon fertigen Plan entwickelt habe, und dass die Verschwörung ergründet, und im Prozesse der Beweis geführt sei, theils durch Briefe, Chiffern, Vorstellungen, Anwei- sungen und andere Papiere, theils durch die eigenen Zeugnisse und Anerkenntnisse. Auch erklürt Nau, er sei bereit dem Könige von England noch andere, bisher geheim gehaltene Nachrichten, mitzutheilen. 4½) Zugleich hatte er nebst Kurl beim Prozesse der Maria offen und laut das bekräftigt, was er nachher schrift- lich ausgesagt,*⁸) und auch Babington, dessen Chiffern mit denen der Maria stimmten, die längere Ver- bindung mit ihr gestanden. 4⁹) Endlich ist auch nicht zu übersehen, dass Maria Stuart, die doch ihre königliche Ehre und ihren guten Ruf für so überaus wichtig hielt, die schreibt„das Leben kümmert mich nicht so als die Schande,“ 5⁰°) die verschiedenen Anschuldigungen, die früher wie jetzt gegen sie stattfan- den, nie bestimmt zurückwiess. Nur leugnet sie, dass sie gegen das Leben der Elisabeth und die Ruhe des Staats eine Verschwörung gestiftet, und gesteht nur, dass sie zu ihrer Befreiung mit fremden Fürsten
4²) Christina, Königin von Schweden und ihr Hof. Von Grauert B. 1. S. 565. 3 A. a. o. B. 28, S. 218.
44]) A. a. O. B. 41, S. 337 u. 344, B. 47, S. 399. Vergl. B. 28, S. 218 u. B. 37, S. 304. 4⁵) Vergl. S. 394, 410, 568 der Briefe. 4⁶) S. 264, 334, 393, 428 u. 470 der Briete. 4¹) A. a. O. B. 52 u. 53, S. 441— 460. 4s) A. a. 0. B. 54, S. 469. ⁴⁰⁹) A. a. 0. B. 55, S. 471.
50] A. a. O. B. 44, S. 362.


