aufs menschliche Rec
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die sich an das strenge Recht der Erbfolge hielten, und besonders der Katholiken, als nicht ebenbürtig und zur Regierung berechtigt, sondern nur durch einen Gewaltstreich und Machtspruch Heinrichs dazu gelangt, trotz der Füus een Stimmung des Parlaments und Volks, wie überhaupt der Protestanten für sie. Statt der reizenden Schönheit, ³³) irdischen Lebensfülle und der reichen Hoffnungsblüthen, die Marias Kindheit umdufteten, war ihrer Jugend vom Geschicke die Schule des Unglücks zugewandt, in der ihr Geist durch frühe Entsagung gekräftigt und qurch wissenschaftlichen, ja gelehrten, Unterricht gestärkt wurde, und in der sie, je trüber und enger die Aussenwelt vor ihr lagerte, desto mehr die Welt des In- nern zu erleuchten und zu erweitern suchte. Aus der stillen Einsamkeit und den Kerkermauern des To- wers bestieg sie den Thron, als das klare Widerspiel der Stuart, die von den Thronen in den Kerker, und vom Sonnenschein des Glücks in die Nacht des Unglücks hinabgeschleudert wurde. Schon von der sieb- zehnjährigen Jungfrau schreibt ihr Lehrer:„lhr Geist kennt keine weibliche Schwäehe, und männliche Kraft zeigt sie ei dem, worauf sie sich legt,“ und männliche Besonnenheit und Mässigung zeigte sie bald auf dem Throne, in ihrem religiösen wie in ihrem politischen Walten. Diese Eigenschaften aber bewirken, dass wir zwar der Königin Elisabeth unsere Bewunderung nicht versagen können und dass auch das eng- lische Volk mit Verehrung an ihr hing, dass sie aber als Weib durch Unmittelbarkeit der Hingebung an weibliche Gefühle nnd weibliche Leidenschaften keinesweges unsere Theilnahme so gewinnt, als die schot- tische Maria, die gerade dadurch, dass sie zu sehr Weib war, die Herzen ihres Volks von sich abwandte.
Elisabeths männlichem Geiste war die Abhängigkeit von einem Manne unerträglich, und sie wies daher die vielfachen Anträge, die ihr gemacht wurden, zurück, selbst die des mächtigen Philipp II. von Spanien und Karls IX. von Frankreich.„Denke ich daran, äussert sie gegen den französischen Gesandten, dass ich heirathen soll, so ist's, als risse mir einer das Herz aus dem Leibe, so weit bin ich meiner Na- tur nach davon entfernt und nur das Wohl meiner Unterthanen könnte mich dazu zwingen.“ ³⁶) Selbst bei aller Zuneigung, die sie gegen Robert Dudley Grafen von Leicester fühlte und äusserte, der wie Darnley sehr schön war und durch sein äusseres Wesen für sich einnahm, aber doch mehr Muth und Um- sicht besass, vergass sie nie ihre höhere Stellung und das Verhältniss der Königin gegen einen Untergebenen. Nicht minder zeigte sie gegen Essex, als dieser ihre Gunst mit Undank lohnte, sich als strenge Königin, und liess den Lauf der Gesetze gegen ihn ungehemmt.
Dasselbe Verfahren befolgte sie auch gegen ihre Schwester Maria, als diese sich aus der Gefangen- schaft der Schotten nach England flüchtete. Maria kam als Schwester, als Weib, mit dem Gefühle einer unumschränkten Königin zur Elisabeth, aber diese empfing sie als König und als Schiedsrichter zwischen den Schotten, deren Vertreter Murray an ihr Urtheil und ihren Richterspruch sich wandte, gegen Frank- reichs Einwirkung ²*), und ihrer Fürstin, und mit der Ueberzeugung: ⸗dass auch der Höchste den Gesetzen unterthan sei. Jene pochte auf ihr göttliches Recht und ihre angestammte Majestät als Königin, diese wies
5 hin, vor dem Alle gleich seien; jene ging mehr vom alten und französischen Ge-
sichtspunkte aus, diese vom neuen und englischen, jene vom katholischen, diese vom protestantischen Be- riffe jene stützte sich auf aristokratische, diese auf allgemein menschliche Grundsätze. Maria hatte ge-
Rofft, ohne Untersuchung gleich mit offenen Armen von Elisabeth aufgenommen zu werden, diese aber wird nicht sowohl von der Rücksicht auf die Schwester, als von der auf die Politik— besonders Schott- lands Lage, Murrays Stellung, Marias Hinneigung zu katholischen Mächten, wie des Protestantismus Ge- fahr im Falle ihrer Wiederherstellung ²⁸⁴)— geleitet, und verlangt vor Allem eine förmliche Untersu- chung, und lässt sie daher in sichern Gewahrsam bringen. Maria äusserte nach ihrer Ankunft in England, als sie schon den Verlust ihrer Freiheit fühlte:„Lieber möchte ich alle meine Anhänger gefangen sehn, als mich Murray unterwerfen— lieber gegen den Türken gehn, als mich nicht an ihm rächen.“ ³³⁴)— Maria will gar keln fernere Untersuchung.„Auf Anklagen meiner Unterthanen antworte ich nichts— sie müssten denn mit gebundenen Händen vor mir stehn. Sie und ich wir sind in Nichts Genossen, und ich wollte lieber sterben, als mich so herabwürdigen.“ ⁴⁴) Auch hat Maria nie den geringsten Beweis beigebracht, um ihre Unschuld am Morde des Gatten zu beglaubigen. Nur in Elisabeths Gegenwart, und nur mündlich will sie sich rechtfertigen, ⁴¹) was diese aber standhaft verweigert, theils um nicht den Schein zu gewinnen, als ergreife sie in dem Streite der Maria und ihres Volkes Parthei für jene, theils auch wohl, weil eine persönliche Unterredung den Rechtsgang stören mochte, da diese Annäherung kaum
³⁵) Ueber das Aeussere der beiden Königinnen vergl. v. Raumer neuere Geschichte Europas. II. B. S. 461.
3⁶) v. Raumer Beiträge u. s. w. B. 9, S. 48..
21) A. a. 0. B. 26, S. 201.
33) A. a. 0. B. 30, S. 239, S. 256 u. 257 über die anderweitigen Hindernisse des Vertrags mit Maria S. 259 und 203. 3.
2³⁹) A. a. 0. B. 27.
4⁰) A. a. 0. B. 26, S. 194, u. B. 25, S. 191.
4¹) A. a. 0. B. 28, S. 218..


