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ser Bluthochzeit, und ihrer drei königlichen Söhne die höchsten Blüthen getrieben hatte, und wo namentlich in üppiger Frivolität und leichtsinniger Galanterie jede tiefere Regung für weibliche Unschuld und weib- liche Tugend erstickt wurde. In der That eine gefährliche Schule für die reizbare Maria. Vermählt mit dem ältesten Sohne dieser Katharina, Franz II., glänzte sie selbst auf dem Throne Frankreiehs als Kö- nigin, und wenn auch ihr königlicher Stern hier Pald unterging, da ihr Gemahl nach einer einjährigen Regierung 1560 starb, so hoffte sie doch noch jenseit des Kanals reichlichen Ersatz zu finden, indem sie, vai dem Tode der katholischen Maria der Blutigen, als die Enkelin von Heinrichs VII. Tochter Margare- tha, die mit Jakob IV. von Schottland vermählt war, und als nächste Erbin Englands— der gewöhnlichen Erbfolge- ordnung gemäss— aueh die Wappen, Titel und Krone dieses Königreichs angenommen hatte, wiewohl im Vertrage von Edinburg, den das schottische Parlament in ihrer Abwesenheit nach dem Tode ihrer Mutter, der Regentin Maria Guise, 1560 geschlossen hatte, ausdrücklich ausgesprochen war: England und Schott- land gehörten von Rechtswegen der Elisabeth und Franz wie Maria därften in Zukunft weder Titel noch Wappen dieser Reiche führen. Maria Stuart verweigerte ausdrücklich und wiederholt die Bestätigung die- ses Vertrages.
In De9e Verwickelungen gerieth Maria Stuart als sie nach dem Tode ihres Gemahls, besonders auf Betrieb der auf ihren Einfluss neidischen Katharina von Medici, 1561 nach Schottland zurückkehrte. Den Stuarts war die Willkühreköniglicher Gewaltherrschaft eigen, daher die Kämpfe, in die alle vier Könige dieses Hauses nach ihrer Gelangung auf den englischen Thron, mit d- ständischen Rechten und der gesetzlichen Ordnung der Engländer geriethen, daher die Unaufriedenheit gegen Jacob I, die Revolution unter Karl I, der selbst hingerichtet wurde, die neue Aufregung unter Karl II, und endlich die Vertreibung der Stuarts unter Jacob II. Die stuartische Ansicht war festgewurzelt in Marias Gemüth und durch französischen Einfluss noch verstärkt, so dass sie sich nicht allein über jedes Gesetz des äussern Staatslebens, sondern auch über jede Regelung des sittlichen Wandels erhaben dünkte. Dadurch aber verstiess sie nicht allein gegen den grössern Lebensernst und die tiefere Sittlichkeit der Nordländer und namentlich der Schotten, die hierin den südlichern und leichtfertigen Franzosen schroff entgegenstehen, sondern jene machten auch ausdrücklich geltend: Adel und Volk von Schottland seien ein freies Volk, das Anfangs seine Könige wählte und ihnen einen Rath der Weisesten zur Seite setzte. Ja seit dem Bestehen eines Königthums glaubten die Adligen: dass es ihnen zustehe, die Ungebührlichkeiten ihrer Fürsten zu verbessern und alle Könige hätten dies anerkannt. ²³⁴)— Die Geschichten ergäben deut- lich, dass der Adel und die Einwohner Schottlands unter dem Bekenntnisse Christi gewohnt gewesen: ihre Fürsten zu ermahnen, einzusperren und für ihre Vergehen abzusetzen. Dazu kam der religiöse Ge- gensatz, denn Marias Katholicismus war in Frankreich zum kirchlichen Fanatismus gesteigert, während in Schottland 1559 durch Johann Knox die Reformation eingeführt war, die sich hier bald zu einem purita- nischen Ernste und einer religiösen Strenge gestaltete, und sich im Staatsleben so mit republikani- schen ldeen verband, wie wir es fast nirgends sehen. Der Geist religiöser Duldung, der überhaupt dem Jahrhunderte der Bluthochzeit fern war, hatte natürlich auch in Schottland keine Stätte, und der religiöse Partheigeist musste hier um so mehr um sich greifen, je gewaltthätiger Knox und seine Anhänger verfuh- ren, und je unrorejehtier Maria in den Versuchen war, die katholische Lehre wieder herzustelien.
Eine grosse Kluft bestand demnach zwischen Maria Stuart, die sich mehr nach Frankreich und zur katholischen Parthei hinneigt, die sogar im Falle eines kinderlosen Todes 1557 Schottland den Franzosen vermacht, und später in ihrer GefanFensehaft ihren Sohn Jakob dem Könige von Spanien und dem Papste übergeben will, und jenem sogar auch, im Fall Jakob nicht katholisch werde, ihr Reich als Erbe zu hin- terlassen gedenkt, ²⁶) und zwischen ihren Unterthanen, den Schotten, welche sich mehr an das glaubens- und geistesverwandte England, wo überdies die Volksfreiheit noch kräftigere Wurzeln geschlagen hatte, als dies im eignen Lande der Fall war, anschlossen. Der Sittenstrenge und der finstern Lebensansicht der puritanischen Schotten musste aber besonders die leichtfertige Maria durch die vielen Bälle und Maskeraden, Gelage und Hoffeste, wobei sie mit ihrer weiblichen Umgebung oft in männlicher Kleidung erschien, männ- liche Beschäftigungen trieb, als tägliches Reiten, Jagen, Falkensteigen u. s. w. und sich in ein allau nahes Verhältniss mit dem männlichen Geschlechte einliess, vielfachen Anstoss erregen. Der Hofzwang war ihr im Innersten zuwider, daher sie sich nach St. Andrews zurückzog, um da in einem Bürgerhause alsBür- gersfrau ohne Störung sich in ihrer Freiheit zu fühlen, und dem politischen und öffentlichen Leben, indem sie sogar ernsten Gesprächen auszuweichen suchte, feorn zu seine
Besonders als Weib nimmt Maria Stuart unsere Aufmerksamkeit und Theilnahme in Anspruch, denn weiblicher Leichtsinn des Herzens und weibliche Gefahren in der vielfachen Berührung mit dem äussern Leben, beide gesteigert durch ihre hohe Stellung, sind es vorzüglich, die den Sturm über sie herbeiführten,
2³) v. Raumer Beiträge zur neuern Geschichte aus dem brit. Mus. I, Br. 27. 209. 26) A. a. O. Br. 48. S. 414.
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