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Elisabeth aber, immer den Schein zu retten bemüht, sucht von sich das Gewicht auf den Zwang des Volks zu wälzen und durch erheuchelte Demuth für sich einzunehmen, mit der sie in die stille Einsam- keit ihrer Jugendtage zurückkehren will, weil sie fühle, dass sie nicht zum Regieren geschaffen sei. Der Herrscher Mluss hart sein können, und mein Herz ist weich.
IV, 10— 12. In ihrem Selbstgespräche gesteht sie: dass sie, weit entfernt eine freie Königin zu sein, nur als Sclavin dem Vollc huldige und nur aus diesem Grunde, nicht aus freiem Willen, Gerechtig- keit übe, so wie auch, dass sie nur durch Volksgunst sich auf dem angefochtenen Throne gegen innere und äussere Feinde behaupten könne. Maria Stuart sei der Inbegriff alles Unglücks, sei die Quelle ihrer Furcht und sie, die so stolz auf sie herabgesehen, müsse fallen.— Das hastig unterschriebene Urtheil übergiebt sie, ohne sich bestimmt zu erklären, dem Davison, ob er gleich ihr die Nachricht bringt, dass Talbot das aufgeregte Volk leicht beruhigt habe..
1 V. Der L o d.
V, 1— 6. Melwil, der alte Haushofmeister, so lange von seiner Gebieterin getrennt, kommt um ihr ein Stab zu sein auf dem Todeswege. Aus seiner Unterredung mit Kennedy lernen wir auch die ruhige königliche Fassung der Maria kennen, die, wähnend es sei der Morgen ihrer Rettung durch Mortimer, statt dessen nun das Todesgerüst zu ihren Füssen sieht, aber dennoch die ergebungsvolle Ruhe bewahrt, mit der sie auch als eine Königin und eine Heldin dem Tode entgegengeht. Um ihren unverschuldeten Tod, ihre Geisteskraft und Frömmigkeit bewegt sich nun vorzüglich das Ganze. Diese edle Hoheit, die Maria
überall offenbart, Den Menschen adelt,
Den tiefgesunkenen, das letzte Schicksal, 8
Die Krone fähl' ich wieder auf dem Haupt,
Den würd'gen Stolz in meiner edeln Seele,. ist verbunden mit der liebevollsten Herablassung gegen Untergebene und Diener, die sich bei ihrem Ab- schied in schöner und zarter Einfachheit offenbart.
V, 7. In der Beichte, die sie als eine glaubenstreue Katholikin dem Priester Melvil ablegt, gesteht sie ihre bisherigen Vergehungen, als: unversöhnlichen Hass gegen ihre Gegnerin, sündige Liebe, Gatten- mord und Ehelichung des Verführers, doch leugnet sie bestimmt und ausdrücklich das Verbrechen, für das sie mit dem Tode büssen müsse, denn nie habe sie durch Vorsatz oder That der Feindin nach dem Leben getrachtet. Melvil ertheilt ihr hierauf die Absolution mit den Worten:
Du fehltest nur aus weiblichen Gebrechen und auf Geheiss des Papstes und nach priesterlich königlichem Rechte das heilige Mahl unter beiderlei Ge- stalten. Die schöne Maria sagt hier allem Irdischen Lebewohl, indem die weltliche Liebe sich in göttliche, das menschliche Rachegefühl sich in himmlische Verzeihung verklärt.
V, 11— 15. Elisabeth in der heftigsten Unruhe und grössten Aufregung darüber, ob die Hinrichtung vollzogen sei oder nicht, zittert bei der Nachricht von der Abreise der Lords und dem Tode der Maria, fasst sich aber bald: Das Grab deckt meine Furcht, und wer darf sagen:
Ich hab's gethan! Es soll an Thränen mir
Nicht fehlen, die Gefallne zu beweinen.
Auf die Kunde Talbots, dass Kurl, auf dessen Zeugniss Maria hingerichtet, in wilder Verzweiflung wider- rufen habe, spielt auch jetat noch Elisabeth das Spiel der Heuchlerin, verbannt Burleigh aus ihrer Nähe, lässt den Staatssecretair auf Leben und Tod anklagen, wird aber selbst zuletzt von Allen verlassen und bleibt einsam-und allein zurück.*
Suchen wir uns nun näher den Grundgedanken oder die Idee zu veranschaulichen, welche diesem Drama Schillers zum Grunde liegt, so finden wir dieselbe in dem im Wesen des weiblichen Geschlechts begründeten tragischen Kampfe der Freiheit der Hingebung an die eigene Subjektivität und des Waltens der eigenen Gefühlsbestimmung in der Hinneigung zu Individuen oder zu individuellen Beziehungen, gegen die Beschränkung durch Herkommen, Sitte und Gewohnheit oder überhaupt durch äussere Form; oder in dem Gegensatze des Besondern und Einzelnen, des Gefühls und der subjektiven Mächte, namentlich der Liebe, gegen das Allgemeine und Universelle, den Verstand und die objektiven Lebensforderungen. Es ist dies ein
tegensatz, der im Laufe der Weltgeschichte wie im unmittelbaren Leben, in den verschiedensten Gestal- tungen uns entgegentritt. Schon in der Einfachheit des indischen Lebens und in den verschiedenen Kasten, die hier in strenger Sonderung neben einander stehn, finden wir: dass der Bramine, der am höchsten gestellt ist im Glauben des Volks und in der Meinung der Menge, auch am meisten beschränkt ist durch äussere Formen und bis ins Einzelnste gehende Vorsc riften, während dem Sudra, der am tief- sten steht und auf den die drei höhern Kasten der Wiedergebornen mit stolzer Verachtung herabblicken, und ihn selbst geringer achten als manche Thiere, Alles erlaubt ist, er nicht befleckt wird urch unheilige
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