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Frankreich gesellt sich auch die schönste Hoffnung für ihre baldige Befreiung. Auf die Ankunft der Eli- sabeth vorbereitet fühlt sie, dass es eine entscheidungsvolle Stunde ist, die ihr nur zum Verderben gerei- chen werde; denn das Gefühl bitterer Kränkung und schwerer Beleidigung steigt mit aller Heftigkeit in ihr empor und verdrängt jede Neigung der Versöhnung. Ach mir zum Fluche wird mein Flehn erhört, Eh mögen Feu'’r und Wasser sich in Liebe Begegnen und das Lamm den Tiger küssen.— IV, 4. Vor Elisabeth, welche, die abgöttische Verehrung ihres Volkes nicht ohne Absicht hervorhebend, sich mit Leicester naht, schaudert Maria zuerst zurück, doch endlich wirft sie sich der königlichen Schwe- ster zu Füssen„fahr hin ohnmächtiger Stolz der edlen Seele“ und bittet um ein edelmüthiges und schwe- sterliches Begegnen. Aber die Eiskälte, mit der Elisabeth Marias Bitten und Worte zurückweist, in der sie eine Tiefgchen te zu sehn erwartet hat, der Stolz und der Argwohn, mit dem sie die alten Wunden wieder aufreisst Lu der Papistin allen Glauben versagt, die Bitterkeit, mit der sie ihr ihre Fehler und Vergehungen vorhält, der Triumph, mit dem sie ihre Bitte um Freiheit mit Verzichtung auf die Krone entgegen nimmt, das Hohnlächeln endlich, mit dem Elisabeth, nachdem sie ihre persönliche, religiöse und politische Feindschaft bekundet, nun auch ihrer beleidigten Eitelkeit als Weib fröhnt und die Sohönheit der Feindin in den Staub tritt und schändet, bricht dieser endlich gewaltsam das Herz und mit edlem
Stolze entgegnet sie:
Ich habe menschlich, jugendlich gefehlt,
Die Macht verführte mich, ich hab es nicht Verheimlicht und verborgen, falschen Schein
Hab ieh verschmäht mit königlichem Freimuth.
Das ärgste weiss die Welt von mir und ich
Kann sagen, ich bin besser als mein Ruf.
Webh euch, wenn sie von euren Thaten einst u. s. w.
Elisabeth erntet in dieser Unterredung den Spott, den sie ihrer Gegnerin zugedacht.(IV, 5.)
III, 5— 7. Maria erkennt zwar, dass ihr Tod nun sicher ist, aber das Leben ist dem bitter gekränk- ten Weibe nicht so lieb, als diese Rache und dieser Triumph, noch dazu in Leicesters Gegenwart, nach jahrelanger Erniedrigung. Indessen will Mortimer, dessen Liebe für Maria nun zur höchsten Gluth gestei- gert ist, für sie Alles und selbst den martervollsten Tod wagen, und für ihre schleunige Rettung selbst seinen edlen Oheim mit eigener Hand niederstossen, denn Ablass sei schon ertheilt für alle began- genen wie für alle künftigen Vergehungen. So wird die unglückliche Königin durch ihre Schönheit in die grössten Gefahren geschleudert, indem ihr dieselbe dort leidenschaftlichen Hass, hier leidenschaftliche Liebe erzeugte, und mit Recht kann sie fragen: Bin ich geboren, nur die Wuth zu wecken? Aber durch den voreiligen Mordversuch eines der Verschwornen gegen Elisabeth wird Mortimers Rettungsplan vereitelt und Marias Gefahr beschleunigt und vergrössert.
IV. Die Trennung.
IV, 1— 4. Der Mordversuch eines Franzosen und durch PranFreich begünstigt, wo Politik und Reli- gion in schneidendem Gegensatze mit einander stehn, zerstört die Vermählung Englands und Frankreichs. Wie dieses in seinem geheimen Getriebe entlaryt ist, so wird Leicester in seiner Zweideutigkeit und Hin- terlist von Burleigh durchschaut, mit der er die Königin dem Triumphe ihrer Feindin preisgegeben. Um sich zu retten, giebt Leicester den Mortimer als einen Staatsverräther preis, den einzigen, der um seine Theilnahme und um sein Einverständniss mit Maria wusste. Mit Mortimer stirbt auch sein Geheimniss.
IV, 5 u. 6. Elisabeths Erbitterung über die erlittene Schmach wendet sich in ihrer ganzen Fülle ge- gen Maria und gegen Leicester, der ihrem Herzen stets am nächsten gewesen, aber nun, wie er ihre Schwäche erkannt habe, auch ihre Stärke fühlen solle.
Verstossen hab ich ihn aus meinem Herzen, Fort ist die Liebe; Rache füllt es ganz. 3
Aber ihre Schwäche, wie Leicesters Schlechtigkeit, tritt nur um so mehr hervor, da er sich nicht al- lein als schuldlos, sondern auch als den Wohlthäter der Elisabeth darzustellen weiss, und daher auch auf die schnelle Vollstreckung des Todesurtheils dringt, nach dessen Abfassung die Königin in der ersten Auf- reguns gleich frage, so dass die Hinrichtung sogleich als ein Akt der weißlichen Rache erscheint.
IV7, 7— 9. Das Yolk und Burleigh, im Namen des Landes und der Religion, fordern das Haupt der Stuart, und nur der edle Talbot, der Keiter der Königin in ihrer letzten Todesgefahr, bittet dringend dem Sturme der innern und äussern Aufregung nicht nachzugeben, sondern eine ruhigere Stunde abzuwarten, hinweisend auf die Gefahren und Schrecknisse, die für seine Königin daraus hervorgehen würden.
Nicht die Lebende hast du zu fürchten. Zittre vor . Der Todten.— Sie wird vom Grab erstehen u. s. w.


