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erzogen wirft er sich auf zum Märtyrer für die schöne und nach seinem Urtheile allein zum englischen Königsthrone berechtigte Maria. Religions- und Liebesfanatismus innig verbunden steigern sich in ihm zur höchsten Lndensehaft, in der er mit zwölf Jünglingen die Königin zu befreien gedenkt, da diese von ihren Richtern für des Todes schuldig erklärt und die Vollziehung des Todesurtheils vom Volke dringend verlangt wird...
. Nur die Königin säumt noch
Aus arger List, dass man sie nöthige
Nicht aus Gefühl der Menschlichkeit und Schonung..
I, 7. Lord Burleigh, das vollendete Muͤster eines englischen Staatsmannes und eines seinem Lande wie seiner Königin treu ergebenen Dieners, bringt das Urtheil der Richter, die aber Maria, weil sie nicht ihres Gleichen, und weil sie sonst dem königlichen Rechte zu viel vergeben würde, nicht anerkennt, denn nur Könige seien ihre Peers. Auch seien die Richter zum Theil feile Sclaven der königlichen Machtha- ber, die unter vier Regierungen den Glauben viermal geändert, Protestanten, Eiferer für Englands Wohl gegen eine papistische Königin von Schottland.
Es kann der Brite gegen den Schotten nicht Gerecht sein, ist ein uralt Wort. 1
Zu diesem neuen Gegensatze der beiden sich feindlichen Volksthümlichkeiten kommt noch die Ver- letzung der Rechtsformen, wie namentlich derjenigen: den Kläger dem Beklagten vorzustellen. Uebrigens weist Maria alle Anschuldigungen: den Saamen des Bürgerkriegs ausgestreut, Verschwörungen zum Um- sturze der Religion des Landes gestiftet zu haben u. s. w., weshalb sie gerade zum Tode verurtheilt war, mit Entschiedenheit zurück, und sagt von der Elisabeth:
Ermorden lassen kann sie mich, nicht richten, Sie geb' es auf, mit des Verbrechers Früchten . Den heilgen Schein der Tugend zu gewinnen,
— Und was sie ist, das wage sie zu scheinen.. 813591
I, 8. Die stolze königliche Haltung der Gefangenen, die Verletzung der Rechtsformen, die Rück- sicht auf die Besorgniss der Elisabeth, so wie auf ihren Ruf, wenn sie nicht vom königlichen Rechte der Begnadigung Gebrauch mache, und eine Königin, eine Blutsverwandte, dem Henker überliefere, denn
die Welt Glaubt nicht an die Gerechtigkeit des Weibes,
Sobald ein Weib das Opfer wird, die Nothwendigkeit endlich: dass Maria einer Elisabeth gegenüber, fallen muss, lässt den Burleigh aus der Seele seiner Königin den Wunsch aussprechen: dass man sich der verhassten Feindin auf eine heim- liche und stille Weise entledige und jener so den bösen Ruf erspare. Aber der treue biedere und edle Paulet weist ein solche Zumuthung mit dem ganzen und vollen Gewichte einer ehrenwerthen Gesinnung zurück.
II. Elisabet h.
II, 1. Wir haben in I die Maria äusserlich des königlichen Glanzes beraubt, in Armuth und Ge- fangenschaft, gesehen, aber in ihren Reden und ihrem Verhalten bewährte sie eine wahrhaft königliche Ge- sinnung und das volle Bewusstsein fürstlicher Hoheit. Ganz anders bei Elisabeth, wo Alles mehr das Gepräge des Scheins und des Aeussern hat. Gleich bei der Schilderung, die ur- von dem PTurniere bel der Bewerbun des Herzogs von Alençon gegeben wird, sehen wir ritterliche Galanterie, glänzendes Festgepränge und reichduftenden Weihrauch, der Englands Königen gespendet wird.
II, 2. Elisabeth hebt mit Bescheigenheit, die aber, weil sie sich derselben nur zu sehr bewusst ist, als erheuchelt erscheint, gleich hervor, wie gern sie in der Mitte ihres Volkes weilt,(III, 4) und hält es für ihren höchsten Ruhm: dass man dereinst auf ihrem Grabsteine lese:„hier ruht die jungfräuliche Königin,“ will aber den Wünschen ihres Volkes ihre jungfräuliche Freiheit opfern,(wiewohl sie meine wie ein Mann und wie ein König regiert zu haben,) und nicht allein der Gegenwart, sondern auch der Zukunft desselben sich weihen, denn:
8 Die Könige sind nur Sclaven ibres Standes, 8 Dem eignen Herzen dürfen sie nicht folgen, doch erklärt sie sich nicht bestimmt in Betreff der durch die Politik, nicht durch innere Zuneigung,(IV, 3) eingegebenen Vermählung, weist aber mit Nachdruck jede Verwendung Frankreichs für die glaubens- verwandte Maria, die Wittwe seines Königs, zurück. Maria dagegen folgte in der Wahl ihrer Gatten, da wo sie über sich selbst bestimmen konnte, nur dem eignen Herzen und der Leidenschaft(II, 9).
II, 3. Burleigh als Vertreter des englischen Volks und der Gesinnung desselben verlangt von Elisabeth die Bestätigung des Todesurtheils, damit der politischen Freiheit und dem neuen Lichte der Wahrheit nicht immer Gefahr drohe von Maria, die mit der Liebesfackel England entzünde und für die sich von Rheims aus, wo der Königsmord geschmiedet werde, immer neue fanatische Kämpfer erhöben.
Ihr Leben ist dein Tod, ihr Tod dein Leben.


