XXX
Ode 3.
Sei bedacht, im widrigen Geſchick den Gleichmut zu bewahren, ſowie einen Sinn, der auch im Glück ſich von übermütiger Freude fernhält, mein Dellius, da Du doch ſterben mußt, ob Du allzeit bekümmert dahinlebſt, oder im lauſchigen Graſe an feſtlichen Tagen hingelagert Dich mit echter Marke Falerners labſt. Wozu vereinen gern hohe Fichten, wozu weiße Pappeln den einladenden Schatten mit ihren Äſten? Was müht ſich das enteilende Waſſer, im ſchlängelnden Bache dahinzuzittern? Dorthin laß des Weines und der Salben Fülle und der allzu ſchnell welkenden Roſe liebliche Blumen bringen, ſolange die Umſtände, das Alter und der drei Schweſtern dunkle Fäden es vergönnen. Fort mußt Du aus den erkauften Triften, dem Palaſt und dem Landhaus, das der gelbe Tiber netzt, ja, fort mußt Du, und nach den hochgetürmten Schätzen greift dann der Erbe. Ob reich Du biſt, vom alten Inachus entſtammt, ob arm Du als der Erdenſöhne geringſter hinieden weilſt: Du biſt und bleibſt des unbarm⸗ herzigen Orkus Opfer. Wir alle treiben einer Stätte zu, unſer aller Los wird in der Urne geſchüttelt, es entſpringt ihr früher oder ſpäter und bringt uns zu ewiger Verbannung in Charons Nachen.
Ode 7.
Pompejus, der Du oft mit mir zur letzten Stunde entführt wardſt, als Brutus unſere Scharen führte, wer ſchenkte Dich als friedlichen Bürger den Göttern des Vaterlandes und Italiens Himmel wieder, Du erſter meiner Jugendfreunde, mit dem ich oft den zögernden Tag beim Saft der Reben kürzte, den Kranz im Haar, das von ſyriſcher Salbe glänzte? Mit Dir mußt' ich erleben Philippi und die ſchnelle Flucht, als ich— zu meiner Schande ſei's geſagt— den Schild dahintenließ, als der Heldenmut ſchwand, und die dräuenden Krieger mit dem Kinn den Boden ſchimpflich berührten. Doch mich entrückte, den Bebenden, durch die Feinde der ſchnelle Merkur in dichtem Gewölk: Dich riß des Krieges Woge wieder in brauſendem Strudel dahin. Drum bezahle Jupiter den gelobten Feſtesſchmaus und laß Deine Glieder, vom langen Kampfe ermüdet, unter meinem Lorbeer ruhen und ſchone nicht der Becher, die lang Deiner harren. Füll' bis zum Rande mit vergeſſenbringendem Maſſiker die blanken Pokale, gieße Salben aus der geräumigen Schale! Wer beeilt ſich, uns Kränze von tauendem Eppich zu fertigen oder von Myrten? Wen wird Venus zum König des Gelages erkieſen? Nicht anders in Wein will ich ſchwelgen wie der Edoner; eine Wonne iſt's mir, zu tollen, da ich den Freund wiederhabe!
Ode 9.
Nicht immer entſtrömen Regengüſſe den Wolken auf entſtellte Gefilde, nicht immer durchwüten das kaspiſche Meer die kräuſelnden Stürme, nicht alle Monde hindurch ſteht das träge Eis in Armeniens Fluren, mein lieber Valgius, nicht immer ächzen unter des Nordens Winden des Garganus Eichen, nicht immer ſtehen entblättert die Eſchen, nur Du läſſeſt in klagenden Weiſen nimmer den Myſtes im Tode ruhen, und Dein liebend Verlangen verläßt Dich nicht, wenn Hesperus aufſteigt und nicht, wenn er die eilende Sonne flieht: hat doch der Greis, der„3Z Menſchenalter ſah,“ nicht unabläſſig den teuren Antilochus beklagt, noch die Eltern, und die phrygiſchen Schweſtern den zarten Troilus immer beweint. Endlich laß ab von den weichlichen Klagen: lieber laß uns die neuen Trophäen des Auguſtus ſingen und den erſtarrten(felſigen) Niphates, und den mediſchen Fluß, der jetzt der beſiegten Völker Zahl vermehrt und in kleinern Strudeln dahinſtrömt, laß uns ſingen die Geloner, die in den Grenzen, die wir ihnen beſtimmt, auf verengtem Gefild ihre Roſſe tummeln.
Ode 10.
Glücklicher wirſt Du leben, Licinius, wenn Du nicht immer der hohen See zueilſt, noch wenn Du ſorglich vor Stürmen bebſt und zu nahe Dich hindrängſt zum tückiſchen(klippenreichen) Ufer. Wer die goldne Mittelſtraße wählt, um ſicher zu gehen, bleibt fern dem Staube der modernden Hütte, bleibt fern bei gemäßigtem Wunſche dem beneideten Fürſtenhofe. Häufiger wird die hohe Fichte von wütenden Stürmen gepeitſcht, und mit tieferem Falle ſtürzen ragende Türme nieder, und der Berge Gipfel trifft der zündende Strahl. Ein wohlbereitet Herz hofft im Unglück und fürchtet im Glück des


