DHoray Oden, Buch II.
Ode 1.
Die Bürgerfehde, die unter Konſul Metellus begann, des Krieges Urſachen mit ſeinen Fehlern und Wendungen, der Fortuna Spiel und die traurigen Bündniſſe der erſten Bürger und die Waffen, mit dem Blute befleckt, das noch nicht geſühnt iſt— ein großes Werk und gefährliches Wagnis— ſchilderſt Du und ſchreiteſt einher über Feuer, das unter trügeriſcher Aſche glimmt. So mag denn eine Weile der ernſten Tragödie Muſe der Bühne fernbleiben: dann, wenn Du die Staatsbegebenheiten geformt, wirſt Du das Rieſenwerk auf cekropiſchem Kothurn von neuem beginnen, mein Pollio, Du ausgezeichneter Schutz dem angſterfüllten Beklagten und der beratenden Kurie, dem im Triumphe über Dalmatien der Lorbeer unſterblichen Ruhm gebracht hat. Schon jetzt betäubſt Du durch der Hörner dräuenden Schall das Ohr; ſchon ſchmettert die Kriegsdrommete, ſchon ſchreckt der Waffen Blitzen die ſcheuenden Roſſe und der Reiſigen Blick. Mir dünkt, ich höre ſchon die großen Führer, von ehrenvollem Staube geſchwärzt und den ganzen Erdball bezwungen, nur nicht Catos unerſchütterlichen Sinn. Juno und jedweder Gott, der, den Afrern hold, ohnmächtig aus dem ungerüſteten Land hatte weichen müſſen, brachte die Enkel der Sieger den Manen des Jugurtha zum Opfer dar. Welches Gefilde, von latiniſchem Blute gedüngt, zeugt nicht mit ſeinen Grabhügeln von den ruchloſen Schlachten und Hesperiens krachendem Sturz, der hin bis zu den Medern tönte? Wo iſt die Tiefe, wo ſind die Flüſſe, die den jammerreichen Krieg nicht kennen? wo das Meer, das nicht Dauniens Blutbad gefärbt? wo das Geſtade, das nicht von unſerm Blute troff? Doch, ausgelaſſene Muſe, bleibe bei Deinen Scherzen, und nicht abermals vergreife Dich am Gute des ceiſchen Klagegeſangs, ſinne mit mir in Dianens Grotte auf Weiſen, die leichtern Anſchlags den Seiten entklingen!
Ode 2.
Farblos iſt das Silber, wenn geizend die Erde es birgt, Crispus Salluſtius, der Du kein Freund des(eitlen) Bleches biſt, wenn nicht weiſer Gebrauch ihm Glanz verleiht. Leben wird Jahr⸗ hunderte lang Proculejus, dem ſein Vaterland gegen die Brüder ewiges Leben leiht; ihn überlebt ſein Ruhm und trägt ihn auf nimmer ermattendem Fittich dahin. Weiter wirſt Du herrſchen, wenn Du des Geiſtes Begehrlichkeit zügelſt, als wenn Du Libyen mit dem fernen Gades verbändeſt, und beide Punier, die allein als Sklaven dienten. Es wächſt, wenn die Gier ſie ſättigt, die ſchreckliche Waſſerſucht und ſtillt nicht den Durſt, wenn nicht der Krankheit Urſache aus den Adern entweicht und aus dem gebleichten Körper die waſſerſüchtige Schlaffheit. Den Phraates, auf Cyrus Thron von neuem erhoben, nimmt, mit dem Pöbel uneinig, die Tugend aus der Seligen Zahl und lehrt das Volk nicht ferner falſche Worte zu brauchen, indem es das Szepter und das ſichere Diadem und den dauernden Lorbeer einzig dem zuerkennt, der ungeblendeten Auges auf hochgetürmte Schätze blickt.


