Aufsatz 
De Horatii satirarum libri primi satira decima commentariolum : accedunt aliquot odae germanice versae / scripsit Carolus Cornelius
Entstehung
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XXVIII

Kapitole und dem Reiche den Untergang drohte mit dem luſtbefleckten Schwarm von Schandmännern; ſie, die taumelnd jede Hoffnung nährte, von ſüßem Glücke berauſcht; doch ſchwand ihr Wahnſinn, als kaum ein Schiff den Flammen entrann, und ihre Seele, von Mareotiker ſchwindelnd, füllte mit wahrem Schrecken Cäſar, wie ſie von Italien wegflog, hinter ihr drein mit den Rudern, wie der Habicht hinter den ſchüchternen Tauben oder der ſchnelle Jäger hinter dem Haſen in Hämoniens beſchneiten Gefilden, um in Ketten zu legen das unſelige Ungeheuer. Aber ſie, nach edlerem Tode verlangend, erbebte nicht weibiſch vor dem Schwert, noch ſuchte ſie mit ſchnellem Schiff verſteckte Geſtade auf; ja ſie wagte es, heiteren Blickes die geſunkene Königsburg zu ſchauen, ſie hatte den Mut, die grimmen Schlangen zu faſſen, um das dunkle Gift in den Körper einzuſaugen, von hoher Kühnheit erfüllt, mit Vorbedacht zu ſterben. Verſchmähte ſie's doch, das edeldenkende Weib, auf den drohenden Liburnerſchiffen ſich bar der Königswürde in ſtolzem Triumphe aufführen zu laſſen.

Ode 38.

Perſiſchen Aufwand mag ich nicht, Knabe; es mißfallen mir Kränze, mit Lindenbaſt durch⸗ wunden; laß ab zu ſuchen, wo etwa eine verſpätete Roſe noch weilt. Zur anſpruchsloſen Myrte ſuche nichts emſig hinzu, ſo will ich's; weder Dich, den Diener, ſchändet die Myrte, noch mich, wenn ich unter dichtem Rebendach trinke.