Aufsatz 
De Horatii satirarum libri primi satira decima commentariolum : accedunt aliquot odae germanice versae / scripsit Carolus Cornelius
Entstehung
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XXVII

Fluß, mit ruhigem Waſſer beſpült. Wem es das Schickſal verlieh(beſcherte), der mag mit dem Meſſer den kaleniſchen Weinſtock beſchneiden, mag aus goldenen Kelchen(Pokalen) der reiche Kaufmann den Wein leeren, den er für Syriens Ware getauſcht, er, ein Liebling der Götter; denn drei und viermal ſieht er jährlich ungefährdet des Atlantiſchen Oceans Fluten. Mich ſättigen Oliven, mich Endivien und leichte Malven. Laß mich, Latonens Sohn, das, was ich beſitze, in Geſundheit des Leibes und der Seele, dies meine Bitte! genießen, und laß mich mein Alter verleben in Ehren und im frohen Beſitz des Saitenſpieles!

Ode 32.

Man fordert mich. Wenn ich je mit dir im Schatten meine Muße vertändelte, wohlan, ſo ſinge ein römiſch Lied, das dieſes Jahr und noch manch anderes lebe, o Leier, zuerſt geſungen vom lesbiſchen Bürger, der, ein wilder Krieger, doch unter Waffengetös oder wenn er den irrenden Kiel am Meeresſtrande befeſtigt, den Liber ſang und die Muſen und Venus und den Knaben, ihr ſtets zur Seite, und den ſchönen Lycus mit den prächtigen Augen und dem ſchwarzen Lockenhaar. Du, meine Laute, Zierde des Phöbus, willkommen beim Mahle des allmächtigen Jupiter, o Du des Kummers ſüße Linderung, ſei mir allezeit hold, wenn ich mit Ehrfurcht Dich rufe.

Ode 34.

Während ich, ein karger und läſſiger Verehrer der Götter, ein Jünger der thörichten Weisheit, umherirrte, lenke ich jetzo notgedrungen die Segel rückwärts und kehre zur verlaſſenen Bahn zurück. Denn der Vater des Lichts, der ſonſt nur mit flammendem Blitz das Gewölk zerteilt, trieb über den heiteren Himmel die donnernden Roſſe und den geflügelten Wagen, der die fühlloſe Erde, die ſchweifenden Flüſſe, der den Styx und die ſchreckliche Stätte des nie geſchauten Tänarus und des Atlas Gipfel am Ende der Welt erſchüttert. Ein Gott vermag, was unten war, nach oben zu kehren, und ſchwächt den Glanz des einen, während er Dunkles ans Licht zieht; hier hat ſchwirrenden Flügelſchlags das räuberiſche Schickſal die Krone entriſſen, dort gefällt es ihm, ſie wieder aufzuſetzen.

Ode 35.

O GCöttin, die Du über das liebliche Antium herrſcheſt, mächtig aus tiefſtem Staube den Sterblichen zu heben oder in Leichenzüge die ſtolzen Triumphe zu wandeln: Dir naht ſich der dürftige Pflüger mit bekümmertem Flehen; Dir, des Meeres Gebieterin, wer mit bithyniſchem Kiel das karpathiſche Meer gegen ſich aufreizt, Dich fürchtet der rauhe Dacier, Dich der unſtete Scythe, die Städte und Völker und das mutige Latium, die Mütter der Fürſten des Auslands und die Tyrannen im Purpurgewande, Du möchteſt kecken Fußes die feſtgegründete Säule ſtürzen, es möchte das Volk zu den Waffen ſich rotten, die Zögernden zu den Waffen aufrufen und die Herrſchergewalt vernichten. Vor dir her geht immer das grauſe Verhängnis, das in eherner Hand Balkennägel und Keile trägt, dazu den ſchrecklichen Haken und geſchmolzenes Blei; Dich ehrt die Hoffnung und die ſeltene Treue, in weißes Gewand gehüllt, und verſagt Dir nicht das Geleite, wenn Du auch zürnend im Trauergewande des Mächtigen Haus verläſſeſt. Aber es weicht zurück der treuloſe Pöbel und die meineidige Buhlerin, es entfliehen die Freunde, wenn die Tonnen bis zur Hefe geleert ſind, nicht gewillt das gleiche Joch zu tragen. Erhalte den Cäſar, der ſich aufmacht gegen die Britannier, die äußerſten Völker des Erdballs, und die neue Schar der Jünglinge, ſchrecklich für des Oſtens Lande und das gerötete Meer. Hal! wir ſchämen uns der verbrecheriſchen Narben und der Brüder. Was haben wir verderbtes Gezücht geſchaut? Welchen Frevel haben wir unverſucht gelaſſen? Wovor hielt der Götter Furcht unſrer jungen Krieger Hand zurück? Welche Altäre haben ſie geſchont? O möchteſt Du mit neuem Ambos den ſtumpfgewordenen Stahl gegen Maſſageten und Araber ſchärfen!

Ode 37.

Jetzt gilt's zu trinken, jetzt mit leichtem Fuße die Erde zu ſtampfen; jetzt war es Zeit, ihr Zechgenoſſen, die Polſter der Götter mit ſaliariſchem Mahle zu ſchmücken. Vorher wär's Frevel geweſen, aus dem Keller der Ahnen den Cäküber zu holen, als noch die Königin in wahnſinnigem Haß dem