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Marius hatte Sulla, als er seinen Zug gegen das Schloss Jugurthas unternahm, als Propraetor bei dem Heere zurückgelassen. In seiner Abwesenheit kamen die Abgesandten des Bocchus, um mit Marius zu unterhandeln, und da sie diesen nicht trafen, wendeten sie sich an Sulla, der ihnen auf Marius zu warten befahl, circiter dies quadraginta ibidem opperiuntur. Nach seinem Zuge kommt Marius nach Cirta, wohl seinem Hauptquartiere, zurück und erhält die Meldung von der Ankunft der Abgesandten. Er lässt nun dieselben, sowie den Sulla und den Praetor L. Bellienus und omnis undique senatorii ordinis zu einem Kriegsrathe zusammen treten, um die Botschaft des Bocchus in Empfang zu nehmen.— Wo war nun damals Sulla? in Cirta, in Utica oder in Tucca? Oder war Marius selbst (nach der Lesart von Dietsch) nach Utica gezogen? Letzteres wohl sicher nicht, denn es ist darüber gar nichts erwähnt, im Gegentheil schliesst sich die Erzählung unmittelbar an postquam redit an, und der Weg von Cirta in Numidien bis nach Utica in der römischen Provinz Africa ist ziemlich weit. Dass aber Marius seine Winterquartiere in oder bei Utica genommen, ist, wenn auch Sallust den Ort derselben nicht genauer angiebt, doch wohl nicht anzunehmen.
Städte mit Namen Tucca gab es in Africa mehrere, und da Sulla selbst als Propraetor in Africa gewesen war, so wusste er auch sehr gut, dass der Leser bei Erwähnung einer zum ersten Male vorkommenden Stadt in Unkenntniss bleiben würde, welches Tucca von den verschiedenen ge- meint sei. Er hätte jedenfalls doch durch irgend einen Beisatz eine Erklärung zu dem Namen gegeben. Auch ist es leicht denkbar, dass ein Abschreiber für die so weit entfernt liegende Stadt Utica den Namen einer an der Mündung des Ampsaga-Flusses, also näher an Cirta liegenden Stadt einsetzte, da er sich die weite Entfernung des Sulla vom Kriegsschauplatze in der Abwesenheit des Feldherrn nicht wohl denken konnte.— Wir verwerfen also sowohl die Lesart ad Uticam als auch die ab Tucca. — Es bleibt nun noch übrig zu prüfen, ob die Worte ab Utica oder nur Utica hinter Sullam an der richtigen Stelle stehen oder vielleicht von einer anderen Stelle hierher gezogen worden sind.— Sulla durfte sich jedenfalls als Stellvertreter des Marius nicht so weit von dem Hauptquartiere entfernen vor Beendigung des Krieges, auch müssten bei der innigen Verbindung von illosque et Sullam die Worte ab Utica auf die Gesandten und Sulla bezogen werden. Dass aber die Gesandten, da sie auf Marius warteten, nach Utica sich begeben hätten, wird nirgends gesagt, im Gegentheil heisst es aus- drücklich: ibidem opperiuntur, was doch wohl auf den Ort geht, wo sie mit Sulla zusammen waren. Wohl aber konnte sich L. Bellienus, der vermuthlich damals die Provinz Africa verwaltete, dort in der Hauptstadt Utica aufhalten, und diesen rief Marius bei der so wichtigen Berathung über die Unterwerfung des Bocchus aus der Provinz herbei. Die Worte ab Utica konnten aber sehr leicht, wenn sie in der folgenden Zeile hinter praetorem standen, und der Blick des Abschreibers in den Zeilen irrte, in die darüberstehende Zeile durch Versehen eingesetzt werden. Mit Zurückweisung der übrigen Lesarten lesen wir daher: illosque et Sullam, itemque L. Bellienum praetorem Utica, praeterea.
Was schliesslich die Frage anbelangt, ob im Anfange des Satzes ubi oder postquam vorzu- ziehen sei, so würde wohl zwischen beiden Conjunctionen kein grosser Unterschied in Betreff des Satzverhältnisses sein. Wollte man ganz genau sein, so dürfte postquam vor ubi den Vorzug ver- dienen, da Marius nach seiner Rückkehr die Meldung erhielt und den Kriegsrath zusammen- berief, nicht aber bei seiner Rülckkehr. Der Gebrauch beider Conjunctionen ist bei Sallust so häufig, dass von einer Vorliebe für die eine oder andere nicht die Rede sein kann.
Es sei mir gestattet, noch einige Bemerkungen in Betreff des Gebrauches von postquam bei Sallust hier beizufügen.
Bei der Erzählung vergangener Ereignisse wird postquam mit dem Perf. hist. oder dem Praes. hist. verbunden, das die Handlung nur als vergangen darstellt, während wir im Deutschen in diesen Sätzen mit Rücksicht auf das genauere Zeitverhältniss derselben zum Hauptsatze das Plus- quamperfect anwenden. Im Hauptsatze steht dann meist das Perf. hist. oder ein anderes historisches


