Aufsatz 
Beiträge zur Erklärung des Sallust
Entstehung
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oder et ob ea scientes belli ganz zu streichen, lassen sich bei der Uebereinstimmung aller Hand- schriften nicht aufrecht halten, da man sich die Entstehung der verderbten Lesart doch gar nicht erklären könnte. Derselbe Grund spricht auch gegen die sonst nicht zu verwerfende Aenderung novi veteresque. Vielleicht lässt sich mit einer allerdings nicht ganz leichten Aenderung die alte Lesart beibehalten, wenn man anstatt et ob ea liest: eique jam, dessen Entstehung aus et ob ea wohl auch möglich wäre. Wir bekämen dann den Sinn: endlich bildeten die Römer, alte und junge Soldaten und zwar solche, die die Kriegführung schon kannten, wenn der Ort oder Zufall etliche zusammen- geführt hatte, Kreise u. s. w. Der Zusatz si quos conjunxerat wäre auch hier nöthig, da das ganze Heer durch den Ueberfall zerstreut und Römer und Feinde alle durch einander gemengt waren, so dass nirgends eine hinlänglich grosse Anzahl zusammen war, die mit Erfolg der feindlichen Reiterei Stand halten konnte, und da eine solche Vereinigung nur durch Zufall herbeigeführt werden konnte. Doch gestehe ich, dass auch dadurch das Auffallende der Stelle noch nicht vollständig gehoben wird, da die Lesart et ob ea doch die überlieferte ist. Der Fehler muss daher nothwendigerweise in novique stecken, und es fehlt jedenfalls ein Begriff, der mit veteres zusammengefasst das folgende et ob ea rechtfertigt. Ob man nun hier eine Lücke annehmen oder nach einer von Herrn Director Weidner vorgeschlagenen Conjectur navique statt novique lesen soll, d. h. alte und rührige, tüchtige Soldaten, die deshalb kriegserfahren waren, will ich nicht entscheiden.

XI. Jug. 102, 2. velle de se et de populi Romani commodo cum iis disserere.

Fast alle Handschriften haben de suo et de populi Romani commodo, nur einige haben de se. Bei jener Lesart bezichen die meisten Herausgeber suo auf den König Bocchus, der Subject von velle disserere ist, Kritz dagegen auf Marius. Dass letztere Erklärung hier nicht angeht, ist ziemlich klar, denn wenn Bocchus und Marius in Betreff eines Friedens mit einander unterhandeln, so handelt es sich doch wohl um das Interesse beider und nicht um das Interesse des Marius und des römischen Volkes, die für Bocchus nicht zu trennen sind. Das Interesse des Marius ist auch zugleich das des römischen Volkes. Mit suo könnte also nur Bocchus gemeint sein, worauf auch schon der lateinische Sprachgebrauch hinweist, indem mit Bezug auf Marius statt suo doch jedenfalls illius, wie gewöhnlich auf die angeredete Person bezogen, gesetzt werden müsste;

cf. Jug. 8,2. si permanere vellet in suis artibus, ultro illi et gloriam et regnum venturum: in directer Rede: wenn du deinem seitherigen Verhalten treu bleiben willst, so wird dir zu Theil werden. 51, 4. neque illis castra esse neque munimentum ullum auf die angeredeten römischen Soldaten bezogen= euch. 33, 4. tamen velle manifesta magis ex illo habere: ich will von dir noch deutlichere Be- weise haben und so noch an vielen anderen Stellen. Es fragt sich nun, wenn also de suo auf den König Bocchus zu beziehen ist, ob es passender ist de suo oder de se zu lesen.

Jugurtha und der mit ihm verbündete Bocchus sind von Marius geschlagen und ihre Truppen zerstreut worden, und Marius ist als Sieger in Cirta eingezogen. Bocchus, der schon vorher mehr- fache Unterhandlungen angeknüpft hatte, um mit den Römern Friede und Freundschaft zu schliessen, musste, da er sich zuletzt offen mit Jugurtha verbündet hatte und in der Schlacht mit diesem besiegt worden war, für sein zweideutiges Verhalten eine harte Behandlung von den Römern befürchten.