Aufsatz 
Beiträge zur Erklärung des Sallust
Entstehung
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bei diesem Adjectiv auffallenden Accusativ Numidas in den leicht erklärlichen Dativ Numidis zu ver- wandeln, da tutus sonst nie mit dem Accusativ vorkam. Wir übersetzen also ganz gut und leicht: die Numidier schützen in den Schlachten fast mehr die Füsse als die Waffen. Dass das Perfect hier gesetzt ist, wo man das Praesens erwarten sollte, ist nichts auffallendes, denn das Perfect steht im Sinne des griechischen Aorists in Sätzen, die auf der Erfahrung beruhen. In Sätzen allgemeinen Inhalts setzt der Grieche das Praesens, wenn sich der Gedanke auf dem Wege philosophischer Deduction als wahr ergibt, dagegen den Acrist, wenn er durch die Erfahrung als allgemein wahr erkannt wird. Derselbe Gebrauch beim Perfect findet sich im Lateinischen auch bei Dichtern,

cf. Virg. Georg. 4, 213. Rege incolumi mens omnibus una est;

Amisso rupere fidem constructaque mella. Diripuere ipsae et cratis solvere favorum,

wo der Sprachgebrauch dem Griechischen nachgebildet ist; und auch bei Sallust könnte man der- artige Beispiele finden, besonders da, wo durch Zusätze wie saepe, semper, multi, omnes diese Geltung des Perfects noch deutlicher gemacht wird:

cf. Cat. 51, 11. Non ita est; neque euiquam mortalium injuriae suae parvae videntur; multi eas

gravius aequo habuere.

11, 3. Avaritia pecuniae studium habet, quam nemo sapiens concupivit.

und andere mehr.

X.

Jug. 97, 5. denigue Romani veteres novique et ob ea sclentes belli, si quos locus aut casus conjunxerat, orbis facere atque ita ab omnibus partibus simul tecti et instructi hostium vim sustentabant.

Austoss erregt bei dieser Stelle hauptsächlich novique, welcher Begriff mit dem darauf folgenden et ob ea scientes belli nicht in Einklang gebracht werden kann; denn von jungen Soldaten kann nicht gesagt werden, dass sie gerade deshalb kriegserfahren seien. Da alle Handschriften aber übereinstimmend die Stelle so haben, so ist es sehr schwer, eine befriedigende Lösung zu finden. Wie die Worte zu verstehen seien, oder wie der Schwierigkeit abzuheffen sei, darüber ist schon viel ge- stritten worden.

Jugurtha, der sich mit dem Könige Bocchus vereinigt hatte, überfiel den Marius, als dieser mit seinem Heere in die Winterquartiere wegzog, unvermuthet und brachte dadurch das römische Heer in die grösste Verwirrung; weder die Tapferkeit noch die Waffen boten hinlänglichen Schutz, da die Feinde in der Uebermacht waren und von allen Seiten umringten. In dieser grossen Gefahr hielten nur einige Stand, die schon Kriegserfahrung besassen und sich in solchen Lagen schon öfter befunden hatten, die also wussten, auf welche Weise sie sich gegen Reiterangriffe zu schützen hätten.

Einige Herausgeber nahmen nun Anstand, zu veteres die Worte novique beizubehalten, weil auf diese die Worte et ob ea scientes belli nicht passen, und wollen, wie Kritz, Fabri und Jakobs, die Worte novique streichen, indem sie annehmen, dass der Abschreiber diese Worte noch aus der früheren Stelle Jug. 87,3, wo jedoch nevi veteresque stand, im Gedächtniss gehabt und deshalb auch hier gesetzt hätte. Möglich, doch nicht wahrscheinlich. Kortte behält novique bei und erklärt: denique si Romanos veteres novosque, qui ob id, quod conjungerentur cum veteribus, facile morem militiae discebant, casus conjunxerat, illi orbes facere. Auch dieses geht nicht an, da ob ea nicht gleich ob id, und scientes belli esse nicht gleichbedeutend ist mit bellum discere und daher mit ob ea scientes belli nicht ausgedrückt sein kann, dass durch die Vereinigung der novi mit den veteres jene scientes belli geworden wären. Die andern Versuche, die Stelle zu heilen, entweder novi nach belli zu setzen