Jug. 74, 3. nam ferme Numidas in omnibus proeliis magis pedes guam arma tutata sunt.
Obwohl viele und fast die besten Handschriften die Form tuta haben, so glaube ich doch, dass hier nur der Fehler eines Abschreibers vorliegt, durch welchen diese und die anderen Varianten Numidis anstatt Numidas und tutati entstanden sind. Bei Entscheidung dieser Frage kommt es daher zunächst darauf an, ob tuta oder tutata zu lesen ist, und dann ob jenes tuta als Adjectiv oder als Particip aufzufassen ist. Ist dieses entschieden, dann wird auch die Frage, ob Numidis oder Numidas, leicht zu erledigen sein. Denn die Lesart tutati ist wohl ganz zu verwerfen, da das zu pedes und arma gehörige gemeinsame Praedicat wie so oft im Neutr. plur. steht oder nur auf das letztere bezogen ist, wie es bei Vergleichungen oft geschieht.
cf. Cat. 25, 3. ei cariora semper omnia quam decus atque pudicitia fuit. Jug. 50, 6. sin opportunior fugae collis quam campi fuerant.
Wenn man mit Dietsch und Jordan, der dem von ihm hauptsächlich verglichenen cod. Par. (P.) folgt, Numidis— tuta sunt liest, eine Lesart, die auch Gerlach nicht ganz zurückweist, so muss tuta als Adjectiv aufgefasst werden, wie es auch Sallust an allen Stellen gebraucht.
cf. Cat. 33, 1. uti corpora nostra ab injuria tuta forent. Jug. 14, 12. ceterum ex omnibus maxime tutos esse. — 31, 14. ita quam quisque pessume fecit, tam maxume tutus est. — 14, 13. nos uti per otium tuti simus. und so noch an 14 anderen Stellen.
Dietsch erklärt nun tuta: quoniam quae tuta sunt, eis confidi potest, factum est, ut tuta dice- rentur, quae tutum praestent, also im Sinne von: sicherstellend. Wenn er sich aber zum Belege der Richtigkeit seiner Auffassung auf Caes. bell. Gall. 2, 28. bezieht, wo es heisst: cum victoribus nihil impeditum, victis nihil tutum arbitrarentur, so ist die Erklärung dieser Stelle doch wohl anders auf- zufassen, als er annimmt. Denn mit den Worten nihil tutum will Caesar nicht ausdrücken: da sie glaubten, es gäbe für die Besiegten nichts, was ihnen Sicherheit gewähre(also tutum im Sinne eines Particips Praes. Act.= nichts schiitzendes), sondern der Sinn der Stelle ist vielmehr: für die Besiegten bleibt nichts, was ihnen gesichert sei(also auch hier tutum im Sinne eines Part. Perf. Pass.= ge- schützt). Ebenso ist es mit Sall. Cat. 58, 9. si vincimus, omnia nobis tuta erunt. Dies ist nicht, wie Dietsch meint, omnia talia, quae nobis ne eripiantur, timendum non sit, ergo quae nos adjuvent, sondern Catilina will dort sagen: im Falle dass wir siegen, wird alles in unserem gesicherten Besitze sein.— In activem Sinne findet sich tutus sonst nicht, sondern immer nur in passivem, und so können wir auch hier tutus nicht in jenem Sinne nehmen. Damit fällt auch der bei tuta nur im Sinne eines Adjectivs mögliche Dativ Numidis weg.
Wollte man deshalb, wie es Jakobs und Kritz gethan, Numidis in Numidas verwandeln, also tuta als eine seltenere Form des Particips für tutata erklären, so steht dem jeder lateinische Gebrauch entgegen, indem von tueri die Participialform tuitus classisch nie, die Form tutus nur bei Frontinus Strategematon II. 12, 13. und bei Apulejus vorkommt, dagegen immer die Frequentativform tutatus, die sich auch bei Sallust noch öfter findet:
cf. Jug. 110, 6. fines meos tutatus Hm. — 85, 45. quae Jugurtham tutata sunt. — 52, 4. plerosque velocitas et regio hostibus ignara tutata sunt.
Die einzig richtige Lesart kann nur tutata sein, und es lässt sich ganz leicht erklären, wie die andere Lesart daraus entstanden ist. Denn die Gleichheit der Sylben in tutata konnte einen Ab- schreiber leicht die eine übersehen lassen, so dass er tuta schrieb. Und nun lag es sehr nahe, den


