Aufsatz 
Beiträge zur Erklärung des Sallust
Entstehung
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bei den Motiven der Parteien in dieser Periode selbst zu kennzeichnen. Wie leicht eine solche Aen- derung von per in post entstehen konnte, kann man sich erklären, wenn man an die Compendien denkt, die in den Handschriften für die zwei Präpositionen gebraucht worden sind und sich fast gleichen; denn per pflegte man durch p mit einem Strich darunter, post durch p mit einem Häkchen darüber zu bezeichnen, und eine Verwechslung beider ist deshalb leicht denkbar. Daher ist auch die Lesart, die Dietsch vorschlägt: post Sullae tempora(entstanden aus der Schreibweise post Sillae tem- pora) zurückzuweisen, da Sallust unmöglich bei Schilderung der Zeitverhältnisse nach Wiederherstellung des Tribunats zum Beweise seiner Behauptung sich auf jene frühere Periode beziehen kann.

Leider hat Sallust weder mit speciellen Thatsachen noch mit Namen einzelner Führer Belege für die in dieser Zeit eingerissene Verkommenheit gegeben, und auch sonst finden wir bei den uns erhaltenen Berichterstattern nichts genaueres darüber.

IV.

Cat. 39, 2. ei magistratus, provincias aliaque omnia tenere, iĩpsi innowii florentes sine metu aetatem agere ceterosque Judiciis terrere, quo plebem in magistratu placidius tractarent.

Nachdem dem Pompejus der Krieg gegen die Seeräuber und im folgenden Jahre der gegen Mithridates übertragen worden war, wurde die Macht der Volkspartei verringert, dagegen wuchs die Macht einiger Wenigen. Sallust denkt bei pauci an die Senatorén und speciell an ihre Führer, also die Oligarchen, wie auch an vielen andern Stellen:

cf. Cat. 20, 7. in paucorum potentium jus.

30, 4. calumnia paucorum.

Jug. 3, 4. potentiae paucorum.

30, 20. divina et humana omnia penes paucos erant.

41, 7. praedas bellicas imperatores cum paucis diripiebant. Diese Oligarchen nun hätten, sagt Sallust weiter, alle Macht in Händen gehabt, die Staatsämter, die Provinzen und alles andere; im Gefühle ihrer Macht hätten sie selbst innoxii ohne Furcht gelebt, da- gegen die Uebrigen, d. h. alle diejenigen, die nicht im Besitze der Macht doch Anspruch darauf machten, durch Furcht im Zaume gehalten, indem sie dieselben durch gerichtliche Verfolgungen schreck- ten, wenn sie ihnen entgegenzutreten wagten. Das Volk hatte seine Macht verloren und sollte auch die Lust verlieren, wieder nach Erlangung derselben zu streben; es sollte in friedlichem Geiste sich unter die Gewalt jener beugen, der Staat sollte in Frieden und Ruhe regiert werden.

Innoxii ist also hier in passivem Sinne zu verstehen= ohne Schaden zu erleiden. Bei Sallust kommt es zwar in dieser Bedeutung nicht vor, findet sich aber doch sonst öfter;

cf. Tacit. Hist. 4, 20. si nemo obsisteret, innoxium iter fore.

Curt. IX. 4, 11.(navigia) leviora quum et ipsa nequirent regi, in ripam tamen innoxia espulan sunt.

Lucan. 9, 892. gens unica terras

Incolit a saevo serpentum innoxia morsu.

Colum. 5, 9. ut sit innoxius ab injuria pecorum.

11, 10. sic condita faba a curculionibus erit innoxia. Die Erklärer gehen bei Beurtheilung der Stelle ceteros quo plebem in magistratu placidius trac- tarent sehr auseinander. Es kommt vor allem darauf an, wer mit dem Ausdruck ceteros gemeint ist, was als Subject zu tractarent zu denken, und wie placidius tractarent zu erklären ist. Einige ältere Erklärer, wie Ciacconius und Kortte, verstehen unter ceteros die tribuni plebis, die durch Anklagen davon abgeschreckt werden sollten, das Volk während ihres Tribunats(in magistratu) gagen die Adels- partei aufzureizen. Aber von diesen tribuni plebis ist in der ganzen vorhergehenden Erzählung keine