Aufsatz 
Beiträge zur Erklärung des Sallust
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

im Gegensatz zu offenen Schiffen; vehicula constrata mit Brettern überdeckte Wagen u. s. w. In der neuesten Zeit hat I. N. Ott(Neue Jahrb. f. Phil. 1876) die Richtigkeit der Lesart zu beweisen und den Streit darüber zu beenden geglaubt, indem er auf eine seither noch nicht angezogene Stelle bei Hieronymus 60, 18 Vall. hinweist, welche lautet: Xerxes rex potentissimus, qui subvortit montes, maria constravit. Durch dieses Zeugniss, das an Alter alle unsere Sallust-Handschriften weit übertrifft, soll der Beweis für constrata maria erbracht sein. Doch auch diese Stelle beweist für die unsrige gar nichts, indem das, was Xerxes gethan, und wofür die Worte subvortit montes, maria constravit gebraucht sind, doch wohl etwas ganz anderes ist, als was Sallust hier von der Masslosigkeit der Römer in ihren Bauten ausdrücken will. Xerxes hat den Athos durchstechen lassen, um seiner Flotte die gefährliche Fahrt um das Vorgebirge zu ersparen: was ganz gut durch subvortit montes ausgedrückt werden kann; und er hat über den Hellespont zwei Schiffbrücken bauen lassen, was, wie in jenem Aus- drucke bei Caesar: pontibus palude constrata, auch passend durch constravit maria mit einem etwas kühnen Ausdrucke bezeichnet ist. So ist auch hier, wie an den übrigen Stellen, consternere im eigent- lichen Sinne mit vollem Rechte gebraucht.

Wie vereinigt sich aber diese Bedeutung mit der von den Verfechtern von constrata gegebenen Erklärung der Stelle: Wo es Meere gab, da stiegen grossartige Bauten(wie Berge im Meere) auf; Berge, die man auf dem Festlande verschwinden machte, die schuf man sich auf dem Meere? Dass die Römer im Meere künstliche Inseln anlegten und darauf sich Paläste bauten, ist ja ganz richtig, aber dieser Sinn kann doch mit dem Zeitworte consternere nicht ausgedrückt werden, und keine einzige Stelle, wo sich consternere findet, lässt sich so erklären.

Betrachten wir nun die Lesart constructa etwas näher, so finden wir, dass diese für unsere Stelle einen guten und klaren Sinn gibt. Denn ein Gegensatz zu subvortere montes, d. h. Berge zer- stören, abtragen, kann doch leicht gefunden werden in einem Ausdrucke, der bedeutet: Meere schaffen, indem man entweder das Land ausgräbt und das Meer in die ausgegrabenen Stellen hineinfliessen lässt, oder indem man durch Dämme Stücke vom Meere abschneidet und so neue Meere schafft. Dass beides die Römer oft gethan, ist durch viele Stellen nachzuweisen:

cf. Varro de R. R. III, 17. maritimae piscinae aedificantur magno.

Val. Max. IX. 1, 1. C. Sergius Orata peculiaria sibi maria excogitavit, aestuariis(d. h. piscinis maritumis, quarum aqua continuo maris aestu reciprocaretur) intercipiendo fluctus, pisciumque diversos greges separatis molibus includendo, ut nulla tam saeva tempestas incideret, qua non Oratae mensae varietate ferculorum abundarent. u. s. w.

Damit ist auch zugleich der Einwand widerlegt, dass der Ausdruck maria für Fischteiche nicht ge- braucht werden könne. Von solchen Anlagen kann man aber doch den Ausdruck constrata nicht wohl anwenden, während constructa, da construere so viel bedeutet wie instituere, facere, ganz gut dieselben bezeichnet. ſ

Wenn nun schliesslich als Grund gegen die Annahme von constructa noch die Stelle bei Sallust, selbst Cat. 20, 11 angeführt wird: illis divitias superare, quas profundant in extruendo mari et mon- tibus coaequandis, womit er offenbar auf unsere Stelle zurückweist, und wenn behauptet wird, dass Sallust, der solche Wiederholungen liebt und sich meist im Ausdrucke treu bleibt, wohl durch coae- quandis montibus einen synonymen Ausdruck für subvorses montis gebraucht habe, aber mit extruendo mari doch nicht dasselbe sage, wie mit constructa maria, sondern dass dem extruere nur constrata entsprechen könne, so ist dies ein Irrthum, da, wie wir oben gezeigt haben, consternere immer nur im eigentlichen Sinne(überdecken) vorkommt und durchaus nicht gleichbedeutend mit extruere ist. Dagegen konnte Sallust in der Erinnerung an jene constructa maria bei der späteren Stelle ganz wohl mit extruendo mari darauf zurückweisen.