Aufsatz 
Der jetzige Stand der Heliandforschung / von A. Conradi
Entstehung
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kennt, daß es im Angelsächsischen aber die gewöhnliche Form ist. ¹- Den Ausführungen Wredes über die mik Formen konnte ich eben- falls nicht zustimmen, da die Erklärung Tümpels(Niederdeutsche Studien S. 131) viel einfacher und natürlicher ist, der aus der Seltenheit der mik Formdas südöstliche Westfalen und das Ge- biet zwischen Oberweser(einschließlich Korvey) und Mittelelbe, also Südostsachsen als Heimat der Dichtung ablehnen muß.

In neuester Zeit hat Collitz ²* die Frage nach der Heimat des Helianddichters wieder aufgegriffen. Während er anfangs mit Jellinghaus den Heliand in die Gegend von Deventer-Zutfen ver- legte, sucht er in seinem Nachtrage zum Dialekte des Heliand S. 91* ff. zu beweisen, daß im Heliand eine Dichtersprache vor- liege, die eine bestimmte örtliche Färbung entbehre. Sie sei durch eine Mischung aus dem Friesischen, Niederfränkischen und Alt- sächsischen entstanden. Er stützt seine Ansicht durch einen Ver- gleich der uns in den Essener Handschriften überlieferten altsäch- sischen Sprachdenkmäler(Beichtspiegel, Allerheiligen und Essener Heberolle) mit dem Heliand. Seine Beweisführung ist aber nicht stichhaltig. Zunächst sollen uo, ie des Cottonianus niederfränkische Lautgebung sein. Abgesehen davon, daß Braune bereits den säch- sischen Lautstand des Cottonianus nachgewiesen hat, genügt es, Collitz an seine eigenen Worte zu erinnern, um zu zeigen, daß uo, ie als dialektische Besonderheiten innerhalb des Altsächsischen, nicht aber als niederfränkische Jdiome zu deuten sind. S. 96* heißt es:Essen und Werden(?) liegen heute im Bereiche der westfä- lischen Mundarten, und es liegt meines Wissens kein Grund zu der Annahme vor, das Westfälische habe hier erst nachträglich Fuß gefaßt. Aber selbst wenn wir der älteren Essener Denkmäler zu- liebe annehmen wollten, es sei hier früher Niederfränkisch ge- sprochen worden, so wären damit die Schwierigkeiten keineswegs gehoben. Hiernach müßten doch uo, ie als niederfränkische Laut- gebung in erster Linie in den Essener und Werdener Originalquellen vorkommen. Diese haben aber, wie der Westen überhaupt, speziell aber Werden, immer d, é.** Es stehen sich also in diesem Punkte

1. Collitz a. u. O. S. 94*, Cosijn, Altwests. Grammatik II§ 71. 2. Collitz a. a. O. S. 68* ff. 3 3. Conradi a. a. O. S. 16 ff.