Aufsatz 
Der jetzige Stand der Heliandforschung / von A. Conradi
Entstehung
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doch sogar ihre Sprache gegen das Niederdeutsche eingetauscht.

Demgegenüber verlegt Wrede die Heimat des Heliand in den südöstlichen Winkel des sächsischen Sprachgebietes, in die Gegend von Merseburg.* Er behauptet entgegen den Ausführungen von Jostes über die nd-purg Orte, daß sich ihr Bezirkungefähr von Braunschweig-Magdeburg gegen Süden bis zur Unstrut und Saale ausdehnen(S. 334), dagegen seien im Norden die von Jostes nun z. B. angeführten Hamburg. Lüneburg überhaupt fast die einzigen ihrer Art. Daraufhin habe ich ² geltend gemacht, daß die-burg Orte nördlich einer Linie Magdeburg-Hildesheim häufiger sind, als Wrede zugibt. denn aus Spruner-Menke(Deutschlands Gaue III) habe ich nördlich der angegebenen Linie noch 15-burg Orte angeführt. Auch seinen Ausführungen über die Alliteration von g auf j konnte ich als einem Argument für den südostsächsischen Ursprung der Heliand- dichtung nicht zustimmen, da die spirantische Aussprache des g dem Osten des sächsischen Sprachgebietes eignet. Auch den Wortschatz zieht Wrede zur Stütze seiner Ansicht heran. Was seine Ver- gleichung des Heliand mit dem Sachsenspiegel angeht, so hat schon Roethe(Anzeiger 25. 390) dazu bemerkt, daß Wrede daraus schwer- lich ein schwerwiegendes Argument für seine Heliandheimat ge- winnen könne. Da der Wortschatz nie einen sicheren Beweis abgeben kann, so ist auch mit der drucno Grenze nicht viel anzu- fangen. Die weiteren sprachlichen Beweise hat bereits Collitz* widerlegt. Die Diphthonge uo. ie sollen nach der Saalegegend zeigen. Doch wird nichts gegen die Gleichsetzung von uo, ie mit dem uo, ie im Magdeburger Urkundenbuche angeführt, mithin kann Wrede auch hiermit nichts für seine engere Heliandheimat beweisen. Weiter wird darauf hingewiesen, daß im Heliand beim part. praet. das Präfix gi- herrsche, das den nördlichen nd. Mundarten nicht, eigne. Hier braucht aber nur darauf aufmerksam gemacht zu werden, daß das heutige Englische dieses Präfix im part. praet. auch nicht

1. Jostes, a. a. 0.§. 179 f.

2. Zeitschrift für Deutsches Altertum 43. 333 ff.

3. Conradi, die Heimat der altsächsischen Denkmäler in den Essener Handschriften und ihre Bedeutung für die Heimatbestimmung des Heliand Münster 1904 S. 35.

4. Collitz, Waldekisches Wörterbuch nebst Dialektproben, gesammelt von K. Bauer herausgegeben von Collitz, Norden und Leipzig 1902 S. 94*