— 9—
dieser Quelle, füllen damit die Töpfe, stellen sie in einen Ofen aus Steinen und machen darunter ein großes Feuer an, so wird es dick und trübe. Dann läßt man es, bis es kalt wird, und es wird festes weißes Salz. Auf diese Weise wird das weiße Salz in allen Ländern der Slaven(Deutschen) hergestellt.“ ISt diese Angabe auch über 100 Jahre jünger als der Heliand, so darf gleich- wohl daraus gefolgert werden, daß die Gewinnung des Seesalzes nicht überall in Sachsen so bekannt war, wie sie der Dichter des Heliand bei seinen Zuhörern voraussetzt. Noch auffallender ist folgende Stelle: v. 1818 ff: Wer Christi Lehre hört und nicht be- folgt, handelt gleich dem unklugen Manne:
Der an des Wassers Gestade
Auf Sand sein Haus bauen will,
Wo es der Westwind und der Wogen Strom. Der See Wellen zerschlagen.“
Bei Matthaeus lautet die entsprechende Stelle 7. 27: Et omnis qui audit verba mea haec et non facit ea. similis est viro stulto qui aedificavit domum suam supra arenam et descendit pluvia et venerunt flumina et flaverunt venti, et irruerunt in domum illam êet cecidit' Da der Dichter die pluvia' und flumina' nicht erwähnt, die„venti' aber zum Westwind macht, so kann er nur in einer Gegend gewohnt haben, wo Flüsse und Regengüsse den Häusern keinen großen Schaden zufügen konnten. Die Mittelläufe der Elbe und Weser können diese aber nicht gewesen sein, da hier des öfteren bedeutende Verheerungen durch mächtige Ueberschwem- mungen angerichtet worden sind.(Vgl. z. B. den Bericht der Qued- linburger Annalen zum Jahre 1022). In der Heimat des Heliand- dichters aber können nur die vom Westwind aufgeregten Meeres- wogen den Häusern schaden. Es muß also der Dichter und das Volk, für das sein Gedicht in erster Linie bestimmt war, an einer Küste gelebt haben, und diese kann nur der deutsche Teil des späteren Bistums Hamburg gewesen sein.„Hier haben wir auch holm, griot und Sandboden, hier in dem Heimatland der Angel- sachsen, zwischen Friesen und Norden eingeschlossen, begreift sich vollständig, die mit jenen 3 Dialekten so eng verwandte Sprache, denn im Osten und Nordosten haben nachweislich später starke prachliche Veränderungen stattgefunden— haben die Küstenfriesen


