— 8—
aus seiner Wiedergabe von zizania durch durd⸗Roggentrespe(bromus seccalinus) erkennen. Sollte diese Erklärung von Schiller-Lübben zu eng sein, so ist doch unter durd eine Grasart zu verstehen, die dem Seeländer Roggen die ärgste Feindin ist, sie erstickt nämlich den Roggen. Dementsprechend mußte auch das Gleichais umge- aändert werden: In der Bibel läßt der Hausvater das Unkraut nicht ausreißen. weil dabei der Weizen umkommt, im Heliand nicht. weil dadurch zu viel Korn zertreten würde. In der Bibel soll z. Zt. der Ernte das Unkraut aus dem Korn gelesen werden, im Heliand aber das Korn aus dem Unkraut. Weist schon dies nach der Nähe der See als Heimat des Dichters hin, so ganz sicher folgende Aenderung des biblischen Textes. Man könnte aller- dings einwenden, der Dichter habe sich die Kenntnis des Seelebens als scop auf seinen Wanderungen erworben und sie seinem Zuhörer- kreise vorgetragen, der ja gewöhnlich das für das Schönste ansieht, was ihm unbekannt ist. Diese Annahme ist völlig ausgeschlossen, denn aus der Art der Schilderung sehen wir, daß der Dichter seinen Zuhörern nicht etwas Fremdes erzählen will, sondern etwas Bekanntes, so daß die Kenntnis des Küstenlebens auch bei dem Kreise. für den sein Gedicht in erster Reihe bestimmt war, ange- nommen werden muß. Gehen wir zunächst zu dem Hauptbeweis gegen den westfälischen Ursprung der Helianddichtung, der Kenntuis von der Gewinnung des Seesalzes, über. Bei Matthäus 15. 13 heißt es: Quodsi sal evanuerit in quo salietur? Ad nihilum valet ultra nisi ut proiciatur foras et conculcetur ab hominibus. Der Dichter des Heliand sagt aber v 1370 v ff.:
„Der ist gleich dem Salz, das an des Sees Gestade
Weithin zerstreut liegt, denn wenig taugt es.
Der Fuß der Leute des Volkes zertritt es.
Wenn es darüber wandelt.“
Von großer Bedeutung ist, daß der Dichter hier Salz sofort als Seesalz auffaßt und des besseren Verständnisses wegen seine Zuhörer an die Art der Gewinnung erinnert. In Westlalen hin- gegen wurde das Salz durch Kochen gewonnen, was uns wenigstens durch ein bestimmtes Zeugnis bekannt ist. Ein arabischer Rei- sender berichtet nämlich über Soest:„Dort gibt es eine salzige Quelle, während es sonst durchaus kein Salz in dieser Gegend gibt. Wenn die Leute Salz brauchen, nehmen sie von dem Wasser


