Aufsatz 
Der jetzige Stand der Heliandforschung / von A. Conradi
Entstehung
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feste gewesen sein kann, wie das auch bei den Städtenamen im Heliand der Fall ist. Der Dichter kann also nur aus einer Gegend stammen, in der die Städtenamen häufig auf-burg endigten, und dies kann nur Ostfalen gewesen sein. Weiterhin bringt Jostes für seine Ansicht sehr schwerwiegende dialektische Besonderheiten vor. So weist er auf die Alliteration von g auf j hin, die uns in dem Gedichte auf Schritt und Tritt begegnet, ein JFdiom, das in Westfalen nie vorkommt. Erkennt man doch einen Westfalen sofort an der gutturalen Aussprache des anlautenden g, das in der Heimat des Helianddichters spirantisch ausgesprochen wurde. Letztere findet sich aber, wie aus dem Hildesheimer Urkundenbuche leicht ersichtlich ist, gerade in dieser Gegend. Weiterhin verweist Jostes auf den Wortschatz, der ebenfalls für den östlichen Teil Sachsens spricht, ferner auf die Bewahrung des ft, das im Westen bekannt- lich früh zu ht wurde. Auch das Auftreten des fon neben fan weist nach Osten, da im Westen in dieser Zeit nur fan vorkommt. Bedeutsam sind ferner die uo, ie im Cottonianus statt, 6. Auch diese Weiterentwicklung spricht entschieden gegen Westfalen, da sich hier d, é lange gehalten hat, während nach den Urkunden- büchern von Magdeburg und Hildesheim uo, ie die im Osten ge- wöhnlichen Formen sind.

Auf Grund einiger inneren Kriterien sucht Jostes das in Frage kommende Heimatgebiet des Helianddichters enger zu be- grenzen und entscheidet sich für Nordalbingien. Bedenken wir zunächst, daß der ganze Südosten Sachsens zu den ergiebigsten Gegenden Deutschlands mit schwerem Weizenboden gehört, daß im Heliand aber nur Sand und Gries erwähnt werden, so ist man schon aus diesem Grunde geneigt, die Heimat des Dichters in einem Strich Landes mit leichtem Boden zu suchen, also im nördlichen Teile Ostsachsens. Und dies um so mehr, wenn wir sehen, wie der Dichter seinen Zuhörern das biblische Gleichnis vom Weizen und Unkraut verständlich macht. Um dasselbe den Zuhörern an- schaulich zu machen, mußten die mittelalterlichen Uebersetzer für triticum und zizania das in ihrer Gegend gewöhnliche Brotkorn und Unkraut einsetzen, und so ist triticum für den einen hweti, für den andern korni-zizania Reden, Hederich, kurz das in seiner Heimat am üppigsten wuchernde Unkiaut. Der Helianddichter setzt für triticum korni ein und versteht hierunter Roggen, was wir klar