Aufsatz 
Der jetzige Stand der Heliandforschung / von A. Conradi
Entstehung
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handschriften in Ostfalen entstanden sind. Sehen wir nun,. welche Beweise Jostes für seine Annahme vorbringt, daß der Heliand selbst in Ostsachsen entsanden ist. 5 Von Vilmar ist bereits die Eigentümlichkeit des Dichters, den biblischen Städtenamen oft das deutsche-burg zuzufügen, be- rührt worden. Da sich dieses Kompositionsglied nicht bei allen Städtenamen findet, bei einigen steht, bei anderen fehlt, so folgert Jostes daraus mit Recht., daß burg für den Dichter und seine Landsleute den SinnStadt hatte(mit Ausnahme von burg castram und burg-mons), und daß die Verbindung des Städte- namens mit dem Kompositionsgliede keine feste war. Der Heliand- dichter kann also nur einer Gegend entstammen. die zahlreiche Städtenamen mit der Endung burg hat, da er ohne dies den bib- lischen Städtenamen gewiß nicht das Wort burg angehängt hätte. Westfalen hatte aber damals keine Stadt mit dieser Endung auf- zuweisen. Anders ist es mit dem Osten bestellt; hier haben wir: Hamburg. Magdeburg, Lüneburg. Merseburg u. a. m. Durch das Christentum drang diese Eigentümlichkeit aus Ostfalen in die sla- vischen Lande. Deutlich zeigt eine von Jostes erwähnte Urkunde Ottos II. vom 20. Mai 974 die Lockerheit derartiger Kompositionen, die die Bestätigung eines Tausches zwischen den Klöstern Hersfeld und Memleben enthält. Hier lesen wir: civitatem vero et castellarum in- fra istum terminum positarum nomina... dignum duximus iuserere: Alstedeburc, Gerburgaburc, Niwanburg, Burnstediburg, Helphedeburg, Scroppenlevaburg, Gucunburg, Cornfurdeburg, Smerningeburg, Wisin- burg, Scidinburg, Muchunlevaburg, Bozhoburg, Wirbineburg, Sweme- vurg, Merseburg, Hunlevaburg, Luideneburg. Nach Schmidt ¹: heißen die Orte: Allstedt, Korbesberg(?), Burg-Naumburg, Borstedt, Helfta, Schraplau, Kukenburg, Querfurt, Seeburg, Witzenburg, Burg-Schei- dungen. Mücheln. Gosek(). Burgwerben**, Sman, Merseburg Holleben, Lettin(2). Wir sehen, daß viele Namen das Kompo- sitionsglied burg nicht mehr haben, dab also die Verbindung keine

1 Schmidt, Urkundenbuch des Hochstifts Halberstadt No. 14(Public.

aus d. kgl. pr. Staatsarchive Bd. 17) Leipzig 1883. 4 2. Wirbineburg findet sich in dem Schmidt'schen Glossar nicht, es

dürfte nach Jostes mit dem sonst Wirbene genannten Orte identisch sein.