Aufsatz 
Der jetzige Stand der Heliandforschung / von A. Conradi
Entstehung
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der gleichfalls noch dem 9. Jahrhundert angehört, vereinigt. Der Kalender ist wenigstens von drei Schreibern angelegt, die ungefähr zu gleicher Zeit gelebt haben. Bedeutend jünger ist allein die Eintragung zumVI. non iul(Tod Heinrichs I.) Der erste Schreiber legte den ganzen ursprünglichen Kalender an. Er ist in Mainz entstan- den, und zwar im Kloster S. Alban, denn die dedicacio Sancti Albani und die passio S. Albani sind bedeutend größer geschrieben als alle übrigen Notizen. Daß' die Handschrift bis zu ihrer Ueber- bringung in die Pfälzer Bibliothek zu Heidelberg in ihrer Heimat geblieben ist, geht daraus hervor, daß sie noch im 15. Jahrhundert der Bibliothek von S. Martin angehörte und S. Alban und S. Martin im Mittelalter verbunden wurden. Zur Festsetzung des Alters des Kalenders weist Jostes auf folgende zwei Grenzpunkte hin: Zum XI. Kl. nov. findet sich die Eintragung des Festes S. Severi. Nun ist aber der Leib des hlg. Severus i. J. 836 nach Mainz überführt worden, folglich kann der Kalender erst nach diesem Jahre ge- schrieben sein. Andererseits findet sich noch nicht das i. J. 834 für die ganze Kirche eingeführte Fest Allerheiligen. Wenn nun auch derartige Verordnungen im Mittelalter nicht sofort ausgeführt wurden, so geht es doch nicht an, den Kalender zu weit ins 9. Jahrhundert zu setzen, da ein aus Hildesheim vor 880 stammender Kalender Allerheiligen bereits anführt und es nicht annehmbar. erscheint, daß die Suffragane das Fest vor den Metropoliten feierten. Es steht sogar der Annahme nichts im Wege, daß der zweito Schreiber die Zusätze ebenfalls zu einer Zeit eingetragen hat, in der Mainz das Fest Allerheiligen noch nicht eingeführt hatte, daß er also wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts den Kalender erweitert hat. Derselbe Schreiber hat auch zwei auf Magdeburg bezügliche Notizen gemacht. Er hat über 40 sämt- lich mit einem M bezeichnete Feste hinzugefügt; zweimal steht aber statt M Magadaburg bezw. Magab. Diese Nachtragungen be⸗ sagen, daß dem Mainzer Kalender ein Magdeburger Kalender bei- gefügt ist.

Die Frage, wie der Magdeburger Kalender in den Mainzer Kalender gekommen ist, beantwortet Jostes so: Die Handschrift ist, wie schon erwähnt, während des Mittelalters immer in Main⸗ geblieben, es kann also nur ein Magdeburger, der sich in S. Alban als Mönch oder auch studienhalber aufhielt, seiner Heimat gedenkend