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haltenen Vortrag:„Der Heliand und die niederländischen Volks- dialekte.“ Geschichtliche und sprachliche Untersuchungen zwingen ihn, die Dichtung in die Gegend Deventer-Zutfen zu verlegen. Die Kritik zeigte aber bald, daß Jellinghaus„die zuverlässige Ge- schichtsliteratur außer Acht gelassen und statt ihrer eine morsche Grundlage in der veralteten Arbeit Ebrards über die iroschottische Mönchskirche gesucht hat.“ ². Interessant sind einige seiner Be- obachtungen, so z. B. daß er auf den unwestfälischen Charakter des Wortschatze« im Heliand und die lebendige Anschauung der See im Gedichte hinwies.
Die Auffindung der vatikanischen Fragmente durch Zange- meister führte Jostes zu seinen einschneidenden Untersuchungen über den Heliand, in denen er mit den bisherigen Ansichten brach und zuerst für Ostsachsen und speziell für Nordalbingien als die Heimat des Heliand eintrat. 5: Diesen Ausführungen wollen wir daher etwas genauer folgen. Sein Aufsatz„Saxonica“ zerfällt, ab- gesehen von dem Exkurse über kleinere altsächsische Sprachdenk- mäler, in 2 Teile: einen negativen und einen positiven. Im ersten Kapitel werden die für Westfalen vorgebrachten Gründe widerlegt, während das zweite die Beweise für den ostsächsischen bezw. nordalbingischen Ursprung der Dichtung enthält. Diese sind teils äußerer, teils innerer Natur. Zu den äußeren Merkmalen gehört alles, was sich aus den Handschriften über ihre Herkunft ermitteln läßt. Wenn diese Kriterien schon an und für sich große Beweiskraft besitzen, so erst recht in diesem Falle, da wir für die meisten Gegenden des sächsischen Sprachgebietes keine sicher lokalisierten Denkmäler aus jener Zeit besitzen und wir daher bei Heranziehung der sprachlichen Besonderheiten im Heliand bei Ver- gleichung ſast ausschließlich auf die in Urkunden vorkommenden Personen- und Ortsnamen angewiesen sind. Doch nun zu den Schlüssen, die Jostes aus den Handschriften für seine Heliandheimat gezogen hat. Mit den vatikanischen Fragmenten ist ein Kalender,
1. Abgedruckt im Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprach- forschung 1889 S. 61 f. f.
2. Historisches Jahrbuch 767 f. f.
3. Zeitschrift für deutsches Altertum 40, 129 f. 1.


