Aufsatz 
Der jetzige Stand der Heliandforschung / von A. Conradi
Entstehung
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Heyne ¹* glaubt den Monacensis wegen seiner Übereinstim- mung mit dem Dialekte der Heberolle von Freckenhorst nach Mün- ster versetzen zu müssen. Wenn diese Ansicht allgemein hätte ge- teilt werden sollen, so hätte Heyue an erster Stelle den Beweis hiefern müssen, daß die Fr. eckenhorster Heberolle den münster- ländischen Dialekt repräsentiere. Dies hat er jedoch unterlassen, und der Beweis dürfte auch nicht zu führen sein, da in derselben ein Bastarddialekt vorliegt. Der Cottonianus ist nach Heyne eine Übersetzung in das Altnied erfränkische, und da lag es wohl am nächsten. an die reiche Abtei Werden zu denken, die ja auf der sächsisch-niederfränkischen Grenze gelegen war. Braune ² hat zwar gezeigt, daß die Sprache des Cottonianus sächsisch ist, er hält aber dennoch an Werden als der Heimat des Cottonianus fest und hat nicht versucht, eine sächsische Mundart festzustellen, die am engsten mit der Sprache des Cottonianus verwandt ist. Ausführ- licher sucht Kögel** zu beweisen, daß die Dichtung selbst in Werden entstanden sei. Doch auch seine Ausführungen fanden wegen der un- sicheren Beweislührung keinen ungeteilten Beifall. Gestützt auf den Akkusativ des persönlichen Pronomensmik glaubt Kauffmann**. den Cottonianus nach dem östlichen Westfalen, nach Korvey, ver- legen zu müssen. Auch dieser Ansicht ist nicht schlechthin zuzu- stimmen, da einerseits der Beweis nicht erbracht ist, daß die übrigen Denkmäler, in denenmik belegt ist(z. B. die Werden- Düsseldorfer Prudentius Clossen) ebenfalls im östlichen Westfalen entstanden seien, andererseits die Tatsache nicht, beachtet worden ist, daß demmik-Gebiete im Ostenmi fremd ist, wie denn auch dasmi-Gebiet im Westen keinmik hat, der Cottonianus aber beide Formen aufweist. In ein neues Stadium trat die He- liandfrage durch den von Jellinghaus auf der Jahresversammlung des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung in Osnabrück ge-

1. In der Vorrede zu seiner Heliandausgabe und in der Zeitschrift füͤr Deutsche Philologie I, 288.

2. Paul und Braune, Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur I, 11.

3. Kögel, Geschichte der deutschen Literatur I, 283 und Ergänzungs- heft S. 22.

4. Germania 37, 368 und Zs. f. d. Ph. 32, 5