Aufsatz 
Der jetzige Stand der Heliandforschung / von A. Conradi
Entstehung
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Die älteste deutsche Messiade, von ihrem ersten Herausgeber J. A. SchmellerHeliand genannt, ist in 2 Handschriften auf uns gekommen. Die Cotton'sche Handschrift(C) befindet sich im Briti- schen Museum zu London. Sie ist von einer Hand angefertigt; die Schrift ist rein und deutlich; Correkturen finden sich nur wenige, und wo sich solche finden, rühren sie zum Teil von einer zweiten Hand her. Außerdem sind dort Zusätze von einer dritten Hand. Was das Alter der Handschrift C angeht, so können wir mit Bestimmt- heit sagen, daß C jünger ist als die zweite Handschrift, der Mo- nacensis(M). Der Monacensis, aus dem 9. Jahrhundert stammend, wird jetzt in der Hof- und Staatsbibliothek zu München aufbewahrt. Er hat viel gelitten, ungefähr des Textes ist verloren gegangen. Großen Wert haben die von Zangemeister gefundenen vatikanischen Fragmente(V), da ihr Entstehungsort festgestellt werden konnte. Ein Bruchstück der Dichtung findet sich ferner in dem Prager Blatt(P). Bald nach dem Bekanntwerden der altsächsischen Evangelienharmonie wurden die Fragen nach dem Alter, den Quellen, der Heimat und dem Verfasser des Gedichtes aufgeworfen. Während die beiden ersten Fragen im wesentlichen einheitlich ge- löst wurden und sie nunmehr als erledigt gelten können, hat bei Erörterung der beiden letzten nach der Heimat und dem Ver- fasser des Gedichtes der literarische Kampf eigentlich nie ge- ruht. Diese Fragen sind in der jüngsten Zeit verschiedentlich be- handelt und beantwortet worden. Verfolgen wir deshalb in den wesentlichen Punkten den Gang in der Heliandforschung hinsicht- lich der Heimat und dem Stande des Dichters.