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und verſtändlich ſind. Wir nehmen ein Maaß und meſſen die Thatſachen damit, und dieſes Maaß iſt von uns gemacht, nicht von der Natur dargeboten. Wir behaupten 3. B., daß ein ſich ſelbſt überlaſſener Körper ſich mit unveränderter Geſchwindigkeit fortbewegen wird; nicht weil unſere Sinne uns je einen Körper gezeigt hätten, der dies thäte, ſondern weil wir finden, daß alle wirklichen Fälle verſtändlich und erklärbar werden durch die Vorſtellung von Kräften, welche Veränderung und Bewegung bewirken und von umgebenden Körpern ausgeübt werden. Ebenſo ſehen wir Körper auf einander ſtoßen, und ſo ſich bewegen und anhalten, ſich einander beſchleunigen und verzögern; aber in allem dieſem bemerken wir mit unſern Sinnen nicht jene abſtracte Quantität„Bewegungsgröße“, welche immer von dem einen Körper verloren wird, wie ſie der andere gewinnt. Dieſe„Bewegungsgröße“ iſt eine Schöpfung des Geiſtes, zu den Thatſachen hinzugebracht, um ihre ſcheinbare Verwirrung in Ordnung, ihren Zufall in Gewißheit, ihre Mannigfaltigkeit in Einfachheit zu verwandeln.
Daher iſt in jedem Inductionsſchluß eine Vorſtellung zu den Thatſachen hinzugefügt: Some Conception is superinduced upon tbe Facts, und wir dürfen dies als die eigentliche Bedeutung des Ausdrucks Induction betrachten. Allerdings iſt das Wort nicht urſprünglich in dieſer Bedeutung gebraucht worden, denn der eben hervorgehobene Zug iſt allgemein überſehen worden. Doch das läßt ſich leicht erklären. Obgleich in jedem Inductionsſchluß ein Act der Erfindung erforderlich iſt, wird dieſer Act doch bald vergeſſen. Obgleich wir Thatſachen dadurch verbinden, daß wir eine neue Vor⸗ ſtellung noch zu ihnen hinzufügen, wird dieſe Vorſtellung doch, nachdem ſie einmal eingeführt und angewendet iſt, bald als untrennbar mit den Thatſachen verbunden und nothwendig in ihnen enthalten angeſehen. Haben die Menſchen einmal in ihrem Geiſt Erſcheinungen mittelst einer Vorſtellung verbunden, ſo können ſie dieſelbe nicht mehr leicht in den loſen, unzuſammenhängenden Zuſtand bringen, in welchem ſie waren, ehe ſie verbunden wurden. Sind die Perlen einmal an einander gereiht, ſo ſcheinen ſie durch ihre eigene Natur eine Kette zu bilden. Die Induction hat ihnen eine Einheit gegeben, die wir kaum wieder aufgelöſt denken können. Wir denken uns z. B. die Erde rund, die Erde und die Planeten um die Sonne kreiſend, und durch eine Centralkraft nach ihr gezogen; wir können kaum verſtehen, wie es den Griechen und Copernicus und Newton ſo viel Mühe und Anſtren⸗ gung koſten konnte, zu einer Anſicht zu gelangen, die uns ſo vertraut iſt. Es ſind nicht mehr Vor⸗ ſtellungen, die wir mit hartem Kampf erfaſſen und feſt halten; es ſind die einfachſten Arten die Thatſachen vorzuſtellen, es ſind wirklich Thatſachen. Wir geben zu, daß wir jenen Entdeckern ver⸗ pflichtet ſind, aber wir fühlen es kaum, denn in welcher andern Art(ſo fragen wir in unſerm Geiſt) könnten wir uns die Thatſachen vorſtellen?
Deshalb wird dieſer Schritt, die Erfindung einer neuen Vorſtellung, in jedem inductiven Schluß ſo allgemein überſehen, daß er von früheren Philoſophen kaum bemerkt worden iſt. Selbſt Ariſtoteles hat den Gegenſtand behandelt, als ob es ſich nicht um Erfindung, ſondern um Beweis handle, nicht um Stoff, ſondern um Form, als ob die Hauptſache wäre, nicht was wir behaupten, ſondern wie wir es behaupten.
Hiergegen bemerkt Mill:„Die Vorſtellung einer Ellipſe muß ſich dem Geiſte Kepler's dargeboten haben, ehe er die Planetenbahnen mit ihnen indentificiren konnte. Nach Dr. Whewell war die Vor⸗ ſtellung etwas den Thatſachen Hinzugefügtes; er drückt ſich ſo aus, als ob Kepler durch die Art und Weiſe, wie er ſie ſich vorſtellte, etwas in die Thatſachen hineingelegt habe. Dies war nicht der Fall; die Ellipſe war in den Thatſachen, ehe ſie Kepler erkannte, ſo wie die Inſel eine Inſel war, ehe ſie umſegelt worden war; was ſich Kepler vorſtellte, legte er nicht in die Thatſachen, ſondern er ſah es in ihnen. Eine Vorſtellung begreift ein ihr entſprechendes Vorgeſtelltes ein, und obgleich die Vor⸗ ſtellung nicht in den Thatſachen, ſondern in unſerm Geiſte iſt, ſo muß ſie, wenn ſie ein Wiſſen


