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hängig iſt, ſelbſt bei dieſem Minimum der Anſprüche an das, was verſprochen war, läßt uns die Induction im Stich.
Ich beweiſe zuerſt dieſe Thatſachen und wende mich dann zur Erklärung.
Wenn irgend ein wiſſenſchaftliches Verfahren allgemein auf den Namen der Induction Anſpruch erheben darf, ſo iſt dies Kepler's Beſtimmung der Planetenbahnen. So ſollte man denken, aber Mill beſtreitet es. Denn was thut Kepler anders, als daß er die verſchiedenen beobachteten Punkte der Bahn, welche der Planet Mars durchläuft, mit einander vereinigte und zuſah, welche Curven ſie bilden würden? Iſt dies aber Induction?„Wenn ein Schiffer, mitten auf dem Ocean ſegelnd, ein Land entdeckt, ſo kann er nach einer Beobachtung nicht ſagen, ob es ein Feſtland oder eine Inſel iſt; wenn er aber der Küſte entlang fährt und nach einigen Tagen findet, daß er daſſelbe umſchifft hat, ſo nennt er es nun eine Inſel. Er beſtimmte dieſe Thatſache durch eine Reihe von beſonderen Beobachtungen, und wählte dann einen allgemeinen Ausdruck, der in zwei oder drei Worten alles umfaßt, was er beobachtet hatte. Mehr hat auch Kepler nicht gethan; alles, was in ſeinem Verfahren Charakteriſtiſches lag, war ſo wenig inductiv, als das Verfahren des Schiffers. Nur in gewiſſer Hinſicht vollführte Kepler eine wirkliche Induction, indem er nämlich ſchloß, daß Mars ſich fortwährend in der Ellipſe bewege, und ferner, indem er ſchloß, daß der Ort des Planeten während der Zeit, welche zwiſchen zwei Beobachtungen verſtrich, die dazwiſchen liegenden Punkte der Curve decken mußte.“ Aber dieſe Folgerungen waren kein Theil von Kepler's philoſophiſcher Operation, da ſie gemacht waren, lange bevor derſelbe geboren war. Den Aſtronomen war es lange bekannt, daß die Planeten periodiſch zu denſelben Orten zurückkehren. Nachdem dieſes beſtimmt war, blieb Kepler keine Induction zu machen übrig, und er machte auch keine weitere Induction; er wendete blos ſeine neue Vorſtellung auf die gefolgerten Thatſachen an, wie er ſie auf die beobachteten anwandte.
Auch Whewell ſtimmt mit der gewöhnlichen Auffaſſung nicht ganz überein:„Es iſt kein angemeſſenes Beiſpiel der Induction zu ſagen, Merkur beſchreibt eine Ellipſe, ebenſo Venus, ebenſo die Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus; folglich beſchreiben alle Planeten Ellipſen. So ſtellt man den Beweis dar, wenn der Satz einmal getroffen iſt, aber die Induction beſteht in dem Treffen einer vorher nicht augenſcheinlichen Vorſtellung. Als Kepler, nachdem er verſucht hatte, die beobachteten Orte des Planeten Mars auf viele andere Arten zu verbinden, zuletzt fand, daß die Vorſtellung einer Ellipſe ſie alle einſchlöſſe, erhielt er eine Wahrheit durch Induction; denn dieſer Schluß war nicht deutlich in den Erſcheinungen eingeſchloſſen und war auf dieſe Thatſache vorher nicht an⸗ gewendet worden.“
Auch Lange kommt auf dieſes Beiſpiel zu reden, um Liebig zu widerlegen, welcher der Bakoniſchen Ueberſchätzung des Experiments zu energiſch gegenübergetreten war und geſagt hatte:
„Baco legt in der Forſchung dem Experimente einen hohen Werth bei; er weiß aber von deſſen Bedeutung nichts; er hält es für ein mechaniſches Werkzeug, welches, in Bewegung geſetzt, das Werk aus ſich ſelbſt heraus macht; aber in der Naturwiſſenſchaft iſt alle Forſchung deductiv oder aprioriſch; das Experiment iſt nur Hülfsmittel für den Denkproceß, ähnlich wie die Rechnung; der Gedanke muß ihm in allen Fällen und mit Nothwendigkeit vorausgehen, wenn es irgend eine Bedeutung haben ſoll“....
„Eine empiriſche Naturforſchung in dem gewöhnlichen Sinn exiſtirt gar nicht. Ein Experiment, dem nicht eine Theorie, d. h. eine Idee vorhergeht, verhält ſich zur Naturforſchung wie das Raſſeln mit einer Kinderklapper zur Muſik.“
Dieſen ſtarken Worten tritt Lange mit Kepler's Beiſpiel gegenüber, fällt aber dabei ſelbſt in
einen Irrthum.(S. 352.) Muſterſchule. 3


