Aufsatz 
Syllogismus und Induktion
Entstehung
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Deshalb kann man hoffen, daß die Natur in ihrem Buche noch vieles Vortreffliche verborgen halte, was mit dem bisher Erfundenen keine Verwandtſchaft und Aehnlichkeit hat, ſondern weit ab von den Wegen der Einbildungskraft liegt und noch nicht erfunden worden iſt. Unzweifelhaft wird es im Fortgang und Verlauf der Jahrhunderte zum Vorſchein kommen, ebenſo wie es mit dem Früheren auch geſchehen iſt; aber auf dem von mir dargelegten Wege wird dies ſchneller und entſchiedener geſchehen und es kann damit auf einmal erfaßt und vorausgenommen werden.

Man fühlt dieſer und ähnlichen Stellen an, von welchem Geiſte ſie getragen ſind. Sie wirken zwar auch durch die ſchöne Sprache und den fließenden Styl; ſie ſind aus einem Werk, das zwölfmal umgeſchrieben worden iſt; allein über dieſen Vorzügen ſteht noch die Tiefe des Gefühls, die Gluth der Begeiſterung. So ſpricht nur die Hoffnung.

Zwar mußte es Männern der Wiſſenſchaft ſchon damals auffallen, daß dieſe wundervolle Methode, die den ſchwächſten Kopf dem geiſtreichſten gleich machen und auf Erfindungen förmlich ſtoßen ſoll, nicht einmal Baco ſelbſt dazu brachte, ich will nicht ſagen, etwas zu erfinden oder zu entdecken, denn er hat auch nicht das Mindeſte ſelbſt erfunden oder entdeckt, ſondern das, was große Männer ſchon entdeckt hatten, wie die Bewegung der Erde, die Erklärung von Ebbe und Fluth auch nur anzuer⸗ kennen, daß ſie ihn nicht abhielt, Copernicus und Galilei, Gilbert und Kepler zu bekämpfen.

Schon damals mußte es Naturforſchern ſonderbar vorkommen, wie Baco im Beſitz einer ſolchen Methode ſchreiben konnte(Neues Org. II, 12):Der gebrannte Kalk ſcheint bei Benetzung mit Waſſer heiß zu werden, entweder durch die Verbindung von Wärme, die vorher zerſtreut war, oder durch den Reiz und die Anregung, welche der Feuergeiſt durch das Waſſer erhält, wobei eine Art Conflict und Gegendruck entſteht; und ſo unklare Begriffe über ein Factum zu Tag zu fördern, das jetzt die Wiſſenſchaft einfach damit erklärt, es erfolge beim Löſchen des Kalkes eine chemiſche Verbindung des Kalkes mit dem Waſſer, wobei das Waſſer zu einem feſten Körper, zu Kalkpulver, und deshalb die in ſeinem flüſſigen Zuſtand in ihm enthaltene latente Wärme frei und fühlbar werde.

Aber heute, wo die Zaubermacht der Induction(ſo ſpricht ſogar Apelt), Jahrhunderte lang Zeit gehabt hat, ſich zu offenbaren, wo ein neuer Umſchwung ſich vorbereitet und große Naturforſcher erklären, ſie ſähen die Zukunft der Wiſſenſchaft wieder in größerer Pflege der Deduction, wo Liebig die Unterſuchungen Baco's analyſirte und zeigte, warum ſie zu nichts führen konnten; heute, wo die Rückſtrömung einzuſetzen ſcheint, mag es an der Zeit ſein, nicht etwa in ähnlicher Weiſe gegen die Induction ungerecht zu ſein, wie es ihre Lobredner gegen den Syllogismus waren, aber doch auf ein Factum aufmerkſam zu machen, das in der Theorie des Syllogismus immer unerhört geweſen wäre.

Die glänzendſten Schriftſteller, die eminenteſten Gelehrten haben über Induction geſchrieben; aber nicht einmal über die einfachſten, bekannteſten und wichtigſten Fälle ſind ſie einig, ob ſie unter Induction gehören oder nicht; Methoden, wie die Wiſſenſchaften erweitert werden können, ſind von Jedem angegeben worden, von Manchen ſogar viele; aber keiner bis auf Mill, welcher einige Methoden Herſchel's in ſeine vier Methoden zuſammendrängt, nimmt die Methoden ſeines Vorgängers an oder glaubt etwas von ihnen erwarten zu können. Von der erfinderiſchen Kraft der Induction hat ſich bei Baco's Nachfolgern ſo wenig gezeigt als bei Baco ſelbſt; keiner hat trotz aller Methoden etwas erfunden oder entdeckt. Selbſt wenn wir die Aufgabe, etwas zu finden, noch ſo leicht machen, wenn wir nicht verlangen, es ſolle etwas ganz Neues ans Licht gezogen werden, wenn wir alſo auf das verſprochene Erweitern der Wiſſenſchaft ganz verzichten, und nur verlangen, daß eine ſchon bekannte Wahrheit aus andern ſchon bekannten Wahrheiten, z. B. ein mathematiſcher Satz aus andern mathematiſchen Sätzen in einer Weiſe abgeleitet werde, die von glücklichen Einfällen unab⸗