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leiſten können, die Erweiterung der Wiſſenſchaft und die Ausdehnung der Macht des Menſchen über die Natur. Das neue Mittel, von dem man ſich ſo Glänzendes verſprach, war die Induction.
Große Entdeckungen und Erfindungen hatten die Phantaſie in Thätigkeit geſetzt. Sie waren nicht auf dem bisherigen Wege der Wiſſenſchaft gemacht worden; folglich mußte der bisherige Weg der Wiſſenſchaft verlaſſen werden. Sie waren zufällig gemacht worden, was ließe ſich folglich er⸗ warten, wenn man das neue Mittel anwendete und methodiſch ſuchte; und Baco, Lordkanzler von England, verkündet(Neues Org. I, 61):„Meine Weiſe, die Wiſſenſchaften aufzuſuchen, iſt ſo be⸗ ſchaffen, daß der Schärfe und Stärke des Geiſtes nicht viel übrig gelaſſen wird; vielmehr ſtellt ſie die Geiſter und Anlagen einander eher gleich. Denn ſo wie zur Ziehung einer geraden Linie oder Beſchreibung eines vollkommenen Kreiſes mit der bloßen Hand viel Sicherheit und Uebung gehört, aber wenig oder gar keine, wenn das Lineal oder der Zirkel dazu benutzt wird, ſo verhält es ſich auch mit meiner Verfahrungsweiſe.“
Das Beiſpiel iſt vortrefflich gewählt. Wie Zirkel und Lineal die Hand leiten, ſo daß ſelbſt ein Anfänger den größten Maler in Sicherheit der geraden Linien und der Kreiſe übertreffen kann, ſo ſoll die neue Methode den Geiſt leiten und Erfindungen ſollen dann auf einmal erfaßt und voraus genommen werden, die ohne ſie erſt im Verlauf der Jahrhunderte zum Vorſchein kämen. Sie wird ihn lehren, daß„vieles, was ſich aus den Quellen der Dinge ſchöpfen läßt, nicht in den bekannten Bächen fließt. Hätte z. B. Jemand vor Erfindung der Feuerwaffen ſie nur nach ihren Wirkungen beſchrieben und geſagt, man habe eine Erfindung gemacht, durch welche die größten Mauern und Wälle aus weiter Entfernung erſchüttert und niedergeworfen werden könnten, ſo würde man über die Gewalt der vorhandenen Maſchinen und Vorrichtungen mannigfach nachgedacht haben, um ſie durch Gewichte und Räder, oder durch Vermehrung der Widderſtöße und Schläge zu verſtärken; aber Nie⸗ mand würde auf einen feurigen Dampf, der ſich plötzlich und gewaltſam ausdehnt und aufbläht, in ſeiner Phantaſie gerathen ſein, vielmehr würde man dergleichen gänzlich verworfen haben, weil man nie ein Beiſpiel davon geſehen habe, und weil Erdbeben und Blitze wegen der Größe dieſer Natur⸗ vorgänge von den Menſchen nicht nachgemacht werden können.
Hätte in ähnlicher Weiſe Jemand vor Entdeckung der Seide geſagt, man habe eine Art Fäden entdeckt, die zu Kleidern und Hausrath gebraucht werden könnten und die leinenen und wollenen Fäden in Feinheit und Feſtigkeit, ſowie in Glanz und Weichheit bei Weitem überträfen, ſo würde man gleich an irgend eine Pflanzenfaſer oder an das feine Haar eines Thieres oder an die Federn und den Flaum von Vögeln gedacht haben; aber auf das Gewebe eines kleinen Wurms, welches alljährlich in ſolcher Menge neu gebildet wird, wäre man nicht gekommen; und hätte Jemand ein Wort von ſolchem Wurme fallen laſſen, ſo würde er als ein Träumer verſpottet worden ſein, weil er von neuen Werken der Spinnen rede.
Hätte ebenſo Jemand vor Erfindung des Compaſſes erzählt: es ſei ein Inſtrument erfunden worden, durch welches die Hauptpunkte des Himmels erkannt und unterſchieden werden könnten, ſo würde man der Verfertigung der feinſten aſtronomiſchen Inſtrumente nachgegangen ſein und in der Hitze der Phantaſie Vieles und Mancherlei erörtert haben; aber man würde es nicht geglaubt haben, daß ſich etwas auffinden laſſe, deſſen Bewegung mit der des Himmels ſo genau ſtimme und doch nicht zum Himmel gehöre, ſondern blos aus einem ſteinernen und metalliſchen Stoff beſtehe.
Dennoch iſt dies und Anderes, was ſo lange Zeit den Menſchen verborgen war, nicht durch die Philoſophie und die Künſte der Vernunft, ſondern durch Zufall und gelegentlich entdeckt worden, und es gehört zu dem, was, wie erwähnt, von dem bisher Bekannten völlig verſchieden war und ihm ſo fern ſtand, daß es mittels bloßer Begriffe niemals hätte erreicht werden können.


