Aufsatz 
Syllogismus und Induktion
Entstehung
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Der Ausdruck sentir erinnert an Condillac, unter deſſen Einfluß unſer Schriftſteller unver⸗ kennbar ſteht. Warum das, was hier als ſo einfach geſchildert wird, doch Tauſenden nicht gelingt, wird nicht geſagt. Nach einem zuſammenfaſſenden, verwerfenden Urtheil über den griechiſchen Philoſophen:

Auf dieſer falſchen Bahn hat Ariſtoteles die Wiſſenſchaft der Logik nothwendig verkannt und nur eine vollkommen nutzloſe und weſſentlich mangelhafte Kunſt ſchaffen können.

folgt dann das Lob Baco's:

Baco iſt gekommen, er hat erklärt, daß man gerade die Wahrheit der allgemeinen Principien prüfen muß, daß ſie bewieſen werden kann und bewieſen werden muß, daß ſie auf den einzelnen Thatſachen ruht ꝛc.

Allein auch dieſer genügt nicht.

S. 132.Er kannte nicht hinlänglich das, was ich die Wiſſenſchaft der Logik nenne, um mit Erfolg auf die Einzelheiten der Kunſt der Logik einzugehen, ſowohl derjenigen, welche er ſchaffen wollte, als derjenigen, deren Fehler und ſchlimme Wirkungen er fühlte(sentait). Er war nicht im Stande, zu zeigen, worin der Beweis beſteht, und daß, wenn er in einer Schlußkette vorkommt, dies nicht kraft des Syllogismus der Fall iſt. Auch hat er nie die ſyllogiſtiſche Kunſt an und für ſich an⸗ gegriffen. Er hat nie zu ſagen gewagt, daß ſie in ihrem Princip falſch wäre.

Er genügt nicht, und warum nicht? Weil er den Syllogismus nicht kräftig genug ange⸗ griffen hat. Er iſt nicht weit genug gegangen; er mußte die ſyllogiſtiſche Lehre vollſtändig vernichten (anéantir).

Derjenige Schriftſteller, deſſen Angriffe auf den Syllogismus am bekannteſten geworden ſind, iſt unſtreitig Mill. Sein Werk über deductive und inductive Logik iſt trotz ſeines großen Umfangs in 8 Auflagen erſchienen, ein Erfolg, deſſen ſich wohl kein anderes Werk über Logik rühmen könnte. In Deutſchland wurde es durch Liebig berühmt, welcher in ſeiner organiſchen Chemie ſagt:In einem neu hinzugekommenen Abſchnitte hat er(Liebig) den Verſuch gemacht, das gegenſeitige Verhältniß der Chemie und Phyſik zur Phyſiologie und Pathologie näher zu erörtern. Derſelbe kann hierbei nicht verſchweigen, wie groß der Nutzen geweſen iſt, den ihm für dieſen Zweck das Studium von John Stuart Mill's A System of Logic, ratiocinative and inductive, being a connected view of the principles of evidence and the methods of scientific investigation gewährt hat, ja er glaubt, daß ihm kein anderes Verdienſt hierbei zukommt, als daß er einzelne von dieſem eminenten Philoſophen aufgeſtellte Grundſätze der Naturforſchung weiter ausgeführt und auf einige ſpecielle Vorgänge angewandt hat.

Mill's Angriffe auf den Syllogismus, mit denen wir es hier zunächſt allein zu thun haben, füllen mehrere Capitel, laſſen ſich aber in zwei Hauptpunkte zuſammenfaſſen: das Fundament, auf dem derſelbe nach der gewöhnlichen Anſicht ruhe, gehöre einer veralteten Metaphyſik an, und er ſelbſt ſei nicht die gewöhnliche Form unſeres Schließens.

Ueber den erſten Punkt ſagt Mill:

So lange die ſogenannten allgemeinen Dinge als eine beſondere Art von Subſtanzen betrachtet wurden, die eine objective Exiſtenz beſitzen, hatte das dictum de omni et nullo eine wichtige Be⸗ deutung. Daß man Alles, was von den allgemeinen Dingen ausgeſagt werden kann, auch von den in ihnen enthaltenen verſchiedenen individuellen Dingen ausſagen kann, war damals kein identiſches Urtheil, ſondern die Angabe eines fundamentalen Geſetzes des Univerſums. Die Behauptung, daß die Eigenſchaften des Menſchen die Eigenſchaften aller Menſchen ſeien, war ein Satz, der eine wirkliche