Aufsatz 
Einleitung zur Geschichte der vier Grafen von Nassau auf dem Erzstuhle von Mainz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

ward Otto's Nachfolger, Heinrich(1328 1377) zum Gegner des Kaiſers. Mit den Naſſauer Grafen lebte er dagegen ſeit 1334 in dem beſten Einverſtändniß, und er ſoll die Wahl Gerlach's zur erzbiſchöflichen Würde von Mainz mitbewirkt haben); dieſer fand wenigſtens an Heſſen einen treuen Verbündeten.

Mit keinem Nachbar aber ſtanden unſere Grafen, wenigſtens ſeitdem ſie in der Konigeſundra angeſeſſen waren, in freundſchaftlicherem Verhältniß, als zu dem Erzſtifte Mainz. Wie ſie viel⸗ fachen Einfluß auf die Gebiete dieſer Kirche, auf das Domkapitel, dem unſer Grafenhaus im Mittelalter 12 Mitglieder gab*²), und die Bürgerſchaft von Mainz ausübten, ſo ward dieſe Verbindung oft die Veranlaſſung zur Vermehrung ihrer Beſitzungen und Berechtigungen, und ſo ihres Anſehens und ihrer Macht. Sie beſaßen viele Lehen von Mainz, wie die Vogtei zu Lahnſtein und den Wildbann im Rheingau, wodurch ſie auf der rechten Seite, wie wir jetzt ſagen würden, die Oberjägermeiſter des Erzſtifts waren: eine Berechtigung, die ſie, im eignen Revier reich an Jagden, als Afterlehen an die Rheingrafen übertrugen.Und der S. Martins⸗ mantel, ſagt Bodmann, breitete ſich über einen gar anſehulichen Theil der Grafſchaft Naſſau⸗ Wiesbaden aus. Die meiſten der darin gelegenen Burgen waren urſprünglich Mainziſches Eigen⸗ thum, oder wenigſtens auf ſolchem Grund und Boden erbaut; viele gingen durch Lehen⸗ und Pfandſchaftsweiſe(z. B. Sonnenberg, Adolfseck, Frauenſtein), andere Landestheile durch Ab⸗ tretungen unzähliger Art, auf dieſes höchſt ehrwürdige Grafenhaus über.Die Grafen, fährt derſelbe weiter unten fort,pflogen mit den Vorſtehern unſerer primatiſchen Erzkirche immer das beſte Einverſtändniß, und wahrlich ſie thaten wohl daran. Auch den wechſelſeitigen Ländern floß hieraus Heil und Segen. Faſt war man in beyden Ländern wie zu Hauſe; die alten Erzbiſchöfe imponirten nicht, und umgekehrt fanden die Grafen keine Urſache zur Neckerey des Nachbarn; man kaufte ſich rechts und links ein; Eiferſucht, Mißgunſt, heimliche Länder⸗ und Herrſchafts⸗Caperey waren von beyderſeitigem Regierungs⸗Plane entfernt, und Fürſten und Völker befolgten traulich neben der Politik des ehrlichen Mannes, überall das geprieſene: Leben und leben laſſen. Ganz entgegengeſetzt war das Verhältniß von Mainz zu den Pfalz⸗ grafen. Entſtand auch einmal ein kleiner Proceß mit unſern Grafen, wie es bei den durch die wechſelnden Erwerbungen und Abtretungen ſchwankenden Grenzen leicht geſchehen konnte, ſo ward er gewöhnlich bald wieder beigelegt.

Nur durch die Oppoſition des Erzbiſchofs Gerhard II. gegen K. Adolf und das Ueberge⸗ wicht der Luxemburger erlitt das ſo im Laufe der Zeit geſtaltete nachbarliche Verhältniß auf längere Zeit eine arge Störung. Der Schlag, den unſer Haus durch Adolf's Tod traf, war hart und ſchmerzlich, aber es beſaß in Heinrich, Johann und Emich von der Ottoniſchen Linie und in des Königs Sohn Gerlach Männer voll Klugheit, Muth und Beharrlichkeit, welche das Anſehen ihres Geſchlechtes im Reiche und insbeſondere am Mittelrhein wieder herzuſtellen ſich berufen fühlten. Auch unter den weiblichen Gliedern der Familie haben damals mehrere, wie die 3 Aebtiſſinen von Klarenthal: Richarde, Adelheid und Agnes, nebſt den beiden Meiſterinen in Altenberg, Katharina und Gertrudis, durch innige Frömmigkeit und hohe Geſinnung dem Hauſe einen glänzenden Ehrenkranz geflochten. Die unruhigen Kämpfe des politiſchen Lebens aber ertrug die Pfalzgräfin Mechtild mit bewunderungswerther Ausdauer und Hingebung für die Ihrigen. Ihr Gemahl, der Pfalzgr. Rudolf, ſöhnte ſich kurz nach der Schlacht am Haſen⸗ bühl mit Albrecht aus und wohnte deſſen zweiter Wahl und Krönung zu Aachen bei. Als er

¹) Rommel's Heſſ. Geſch. 2, 103. ²) Ioann. Scr. R. M. II, 218.*³) Rheing. Alterth, I. 35 u. 70.