Aufsatz 
Einleitung zur Geschichte der vier Grafen von Nassau auf dem Erzstuhle von Mainz
Entstehung
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es damals auf der Burg unſerer Grafen bereits Hausämter gab, wie an den Höfen der Fürſten. Da Nuprecht in den deutſchen Orden trat, ſo vereinigte Heinrich, der den Beinamen des Reichen erhielt, das ganze naſſauiſche Erbe, das im Norden an das unter dem Erzbiſchof von Köln ſtehende Herzogthum Weſtphalen, im Oſten an die Landgrafſchaft Heſſen, im Suͤden an das Erzſtift Mainz und im Weſten an das von Trier grenzte. Anſehnlich war auch die Zahl ſeiner Vaſallen: die Rheingrafen, die Herren von Eppſtein, Itter, Münzenberg u. a. erkannten als ſolche ſeinen Lehnhof an. Dabei brachten manchen Vortheil die damals ſchon oder bald darauf angeknüpften verwandſchaftlichen Bande mit den Grafen von Katzenellenbogen und Diez, den Herren von Eppſtein, Iſenburg und Limburg, deren Beſitzungen ganz oder wenigſtens theilweiſe innerhalb der Grenzen der Naſſauiſchen Landen lagen. Zeuge der Macht, wie des frommen Sinnes ſind die vielen Stiftungen, namentlich die Schenkungen an den deutſchen Orden, welche Heinrich während ſeines thatenreichen Lebens machte. Ihm folgten ſeine Cöͤhne Walram und Otto, die am 16. Dezember 1255 auf der Burg Naſſau deu bekannten Vertrag ſchloſſen, wodurch ſie ihr Land und ihre Beſitzungen theilten. Die Lahn bildete dabei die Scheide⸗ linie. Otto, dem als dem jüngeren nach altem Herkommen die Wahl zuſtand, erhielt die nördlich von dem Fluſſe gelegenen Gebiete mit den Städten Siegen, Dillenburg und Herborn; Walram die ſüdlichen mit Weilburg, Idſtein und Wiesbaden. Gemeinſchaftlich behielten ſie die Burg Naſſau, die Grafſchaft auf dem Einrich nebſt allen Berechtigungen und Beſitzungen, die zur Burg Naſſau gehörten, ſowie die Höfe zu Becheln und Sulzbach, das Einlöſungsrecht der ver⸗ ſetzten Vogtei zu Koblenz und die von Köln zur Verbeſſerung der Lehen zu zahlende Geld⸗ ſumme; endlich, was in der Theilungsurkunde nicht ſteht, die Eſterau mit Lurenburg und die Lehen im Heſſiſchen.

So ſchied ſich unſer Grafenhaus in die Ottoniſche und Walramiſche Linie. Otto's Regierung war voller Kämpfe um ſeine landesherrlichen Rechte mit den Grafen von Sayn, den Herrn von Greifenſtein, von Weſterburg, den Adeligen von Dernbach und dem deutſchen Orden; um Reichsangelegenheiten ſcheint er ſich nicht bekümmert zu haben. Von ſeinen ſechs Kindern regierten Heinrich, Emich und Johann gemeinſam bis 1303, wo ſie zu einer Theilung ſchritten: Heinrich ward der Gründer der alten Dillenburgiſchen, und Emich der alten Hadamariſchen Linie; Johann, unvermählt, fiel als Feldhauptmann des Erzbiſchofs Mathias von Mainz gegen Heſſen 1328 in der Schlacht bei Wetzlar.

Natürlicher Weiſe waren dieſe Theilungen für die Machtſtellung des Hauſes von keinem Gewinn, und deſſen ungeachtet blieb es bei den ſtattgehabten nicht. Nach Heinrich's von Dillen⸗ burg Tod kam es zu einer neuen: Otto II. ſetzte die Dillenburgiſche Linie fort und ſein Bruder Heinrich ward der Stifter der Naſſau⸗Beilſteiniſchen Nebenlinie.

Auch Walram's Regierung ging ſtill vorüber. Aus ſeiner Ehe mit Adelheid, Tochter Diether's II. von Katzenellenbogen hatte er außer einer Tochter Richarde, die 1311 als Aebtiſſin in Klarenthal, einer Stiftung König Adolf's, ſtarb, zwei Söhne, Diether, der von 1300 1307 Erzbiſchof von Trier war, und Adolf, den römiſchen König. Adolf's verunglückter Verſuch, dem königlichen Namen durch die Gründung einer Hausmacht im Oſten eine feſte Unterlage zu verſchaffen, iſt bekannt. Er war nach Naſſauer Art viel zu ſehr Kriegsheld als gewandter Diplomat, um das gegen ihn angezettelte Intriguennetz zerreiſſen zu können, und beſaß nicht die ruhige Beſonnenheit ſeines großen Vorgängers, um ſeine Plane ohne Ueberſtürzung reifen zu laſſen. Je nach dem Partei⸗ ſtandpunkt waren ſchon damals, wie jetzt, die Urtheile über ihn verſchieden. Wo ſeine Soͤldner hauſten, wie im Thüringiſchen, oder wo ſeine Gegner unbeſtritten walteten, wußte man ihn nur