Aufsatz 
Einleitung zur Geschichte der vier Grafen von Nassau auf dem Erzstuhle von Mainz
Entstehung
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und Altſachſen durch Wohlſtand blühten), herrſchte in Mainz zwiſchen dem alten Rath und dem neuen, die ſich gegenſeitig die Schuld der Zerrüttung des ſtädtiſchen Haushaltes aufbürdeten, Haß und Mißgunſt. In dieſem ohnmächtigen Zuſtand blieb die Stadt bis zum Untergang ihrer Freiheit unter Adolf II. 1462.

Dagegen tauchten die Streitigkeiten zwiſchen den Bürgern und dem Klerus immer von Neuem wieder auf. Die Einnahmen der Kanoniker beſtanden nämlich, der damaligen Natural⸗ wirthſchaft entſprechend, hauptſächlich in Getreide und Wein, von dem dann ein Theil zur Beſtreitung anderer Lebensbedürfniſſe verkauft werden mußte. Hierbei aber fühlte ſich die Bür⸗ gerſchaft durch die Steuerfreiheit des Klerus verletzt und ſuchte denſelben dem Ungelt, das um die Koſten für ſtädtiſche Bedürfniſſe zu decken eingeführt worden war, zu unterwerfen.*) Deſſen weigerten ſich die Geiſtlichen entſchieden, obgleich die Billigkeit unbezweifelt war, daß die ſteuer⸗ freien Einwohner zu dem Schutze der Stadt etwas beitrügen, unter dem ſie ſelbſt mit ihren Gütern ſicher wohnten. Sie mußten ſich jedoch bald eine Beſchränkung ihrer Steuerfreiheit gefallen laſſen, nachdem ſie die Gewähr erhalten, daß ſie nicht willkürlich von der Stadtbehörde zur Steuerpflicht zugezogen würden.

Endlich blieb der Ständekampf nicht ohne Rückwirkung auf das Verhältniß der Stadt zu den Erzbiſchöfen, die bei dem allgemeinen Streben der Fürſten nach Erweiterung und Befeſtigung der Territorialgewalt oft Verſuche machten, die Stadt in größere Abhängigkeit zu bringen. Heinrich von Virneburg war freilich zu ſchwach, um der Stadt etwas anhaben zu können. Es kam am 22. Juli 1341 durch Vermittlung der Grafen Gerlach von Naſſau, Ruprecht von Virne⸗ burg, des Herrn Gottfried von Eppſtein und der Städte Straßburg, Worms und Speier zur Sühne mit dem Erzbiſchof und dem Klerus, welche beide Parteien wieder auf einen leidlichen Fuß mit einander brachte. Die Sache wegen der Wiederherſtellung der kirchlichen Gebäulich⸗ keiten blieb liegen, da fie der bald beginnende Kampf zwiſchen Heinrich von Virneburg und Gerlach von Naſſau auf geraume Zeit vergeſſen machte.

III.

Die Grafen von Naſſau im Anfange des vierzehnten Jahrhunderts, ihr Verhältniß zu den benachbarten Landesherrn und zu dem damaligen großen Kampfe im Neiche.

Nicht lange nach dem Bau der Burg Naſſau(um 1101) treten die Grafen von Luxen⸗ burg, ſeit 1159 von Naſſau, deren älteſte Beſitzungen im Niederlahngau lagen, unter den Großen des Mittelrheins, vorzüglich im Rathe der benachbarten Erzbiſchöfe und in ihrem und der Kaiſer Gefolge, auf den Römer⸗ und Kreuzzügen, auf den Reichstagen und in Schlachten als einflußreiche und thatkräftige Männer auf. Ich erinnere nur an jenen Helden Ruprecht, der an der Seite Friedrich Barbaroſſas in Italien focht, mit ihm nach Aſien zog, an der Stiftung des deutſchen Ordens Antheil nahm und als Kreuzfahrer ſeine glänzende Laufbahn ſchloß. Seinem Vetter Walram, hoch angeſehen bei dem Erzbiſchofe Konrad von Mainz, dem bedeutendſten Reichsfürſten ſeiner Zeit, gelang es, die Güter des Hauſes durch den Erwerb von Weilburg mit dem dazu gehörenden Diſtrikt als Vogt der Wormſer Kirche zu vermehren, und ſeine Söhne Heinrich und Ruprecht erſcheinen zuerſt als angeſeſſen in der Königeſundra. So wuchs das Haus, wie an Ehren, ſo an Macht, welche letztere beſonders der Umſtand beurkundet, daß

¹) Barthold, Geſch. d. d. St. III, 276.*) Mone, Zeitſchr. VI, S. 1 ff. 3