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von Heſſen bei, ſchützte und beſſerte das Eigenthum der ihm anbefohlenen Kirche. Die Bärger von Mainz jedoch, trotzdem, daß er ihnen große Verſprechungen machte, ſchloſſen ihm ihre Thore: ſie fürchteten die Macht des luxemburgiſchen Hauſes, welche die gemeinheitliche Verfaſſung von Trier gebrochen und die Stiftsvaſallen unter ſtrengen Gehorſam gebeugt hatte. Der auf ihre Gnnſt angewieſene Heinrich vom Virneburg ſagte ihnen beſſer zu. Balduin rückte mit Heeres⸗ macht heran und begann die in der Nähe der Hauptſtadt ſeit mehr als 70 Jahre in Schutt liegende Burg Weißenau wieder herzuſtellen. Das verhinderten mit Gewalt die Mainzer, brachten aber, wie wir weiter unten ſehen werden, als ſie in ihrer Aufgeregtheit das Zerſtörungswerk auch an Klöſtern und Kirchen fortſetzten, ihre Stadt an den Rand des Verderbens. Die Spaltung in ihrer Kirche dauerte fort bis gegen das Ende des Jahres 1336, wo Balduin laut Schreiben vom 12 November¹) dem Papſte Benedict XII. die Regierung der Mainzer Kirche übergibt und im Anfang des nächſten Jahres zu Bacharach vor dem dorthin berufenen Domkapitel förm⸗ lich niederlegt. Letzteres kannte jetzt, freilich gezwungen, den vom Papſte ernannten Erzbiſchof Heinrich an, dem nun auch auf päpſtliche Verfügung die Schlöſſer, Städte und Dörfer des Stifts übergeben wurden
Sofort verließ dieſer, den P. Benedict noch kurz vorher als virum utique de multis gratis obsequiis ecclesiae romanae per eum prestitis, ac aliis virtutibus multipliciter commendatum ²) bezeichnet hatte, die Sache des Papſtes und ſchloß ein enges Bündniß mit Ludwig, der ihm alle mögliche Hilfe in Ausſicht ſtellte. ³) Dafür wollte denn auch Heinrich ſich erkenntlich zeigen und veranſtaltete im März 1338 die oben erwähnte Verſammlung der Biſchöfe ſeiner Provinz zu Speier*) und entwickelte in den Reichsverhandlungen zu Frankfurt, Renſe und Bacharach im September 1344 einen großen Eifer, um die Verwerfung der von dem päpſtlichen Stuhle vorgeſchlagenen Vergleichungspunkte durchzuſetzen. Allein dieſe fortdauernde, blinde Parteinahme für Ludwig, deſſen Sache bereits verloren war, brachte ihn zum Sturze. Schon im Jahre 1338
der Geſandtſchaft Ludwigs neuerdings gehabte Verhandlung für einen Ungetreuen, einen Auf⸗ rührer und Excommunicirten, der zum Verderben der Mainzer Kirche ſeinen Eid gebrochen und die Treue verletzt habe.) Nach fruchtloſen Ermahnungen ward er vor die Kurie geladen, ſus⸗ pendirt und endlich, nachdem er durch wiederholte Friſtgeſuche vergebens Zeit zu gewinnen geſucht hatte, wegen„rebellio horrida“ ſeiner Würde beraubt, und Gerlach von Naſſau durch päpſtliche Proviſion an ſeine Stelle geſetzt.
Zur Beurtheilung der Stellung und Wirkſamkeit der Erzbiſchöfe von Mainz in jener Zeit iſt ihr Verhältniß zur Hauptſtadt von beſonderer Wichtigkeit. Daher halten wir es unſerm Zwecke entſprechend, die damaligen ſtädtiſchen Zuſtände, wie ſie Gerlach bei Uebernahme des Erzſtifts vorfand, in aller Kürze darzulegen.
Das goldne Mainz, in der Römerzeit ſchon hochwichtig durch ſeine Lage, verdankte ſeine Größe dem kirchlichen und politiſchen Vorrange ſeiner Erzbiſchöfe. Dieſe behielt es, bis in's 13. Jahrhundert, wo Köln unter der Regierung des großen Engelbert an ſeine Stelle trat. Es war die bevölkertſte und reichſte Stadt des Reiches.*) Was immerhin die Erzbiſchöfe für
²) Guden. III, 298.*²) Guden. III, 297. ³) Ebendaſ. S. 305.*) Vergl. Binterim. Pragm. Geſch. d. d. Conc. VI, 54 ff. ⁵) Raynald Ann. ad. a. 1338. III. 9) Lamb. Hersf. ad a. 1074(Pertz VII, 215): Colo- nia post Mogontiam caput et princeps gallicarum urbium. Böhmer, Font. III, 274.„Moguntia sedes et in
suffraganeis gloriosa et in principibus est nobilissima et in hominibus et rebus ditissima et in potestate et ditione amplissima.“


