Aufsatz 
Einleitung zur Geschichte der vier Grafen von Nassau auf dem Erzstuhle von Mainz
Entstehung
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Es ſteigerte ſich die Bedeutung des Erzkanzlers, als im dreizehnten Jahrhundert die Terri⸗ torialgewalt feſter begründet wurde, und das Recht, den König zu wählen, in die Hände von ſieben Fürſten gelangte. Ruhte überhaupt ſchon von Anfang an der Schwerpunkt des Reiches am Mittelrhein, ſo ging die Politik ſeit jener Zeit von Mainz aus; vor Allem lag die Beſetzung des Thrones faſt ganz in der Hand des Mainzer Erzbiſchofs. Blicken wir nur hin auf die Geſchichte der erſten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts!

Nachdem im vorhergehenden faſt ununterbrochen Glieder des Dynaſtengeſchlechtes der Epp⸗ ſteiner auf dem Erzſtuhle gewaltig in die Geſchicke des Reichs eingegriffen hatten, ward nach dem Tode des letzten derſelben 1306 Peter Aspelt von Trier, einſt Graf Heinrichs von Luxemburg, dann König Rudolfs Leibarzt, ſeit 1296 Biſchof von Baſel, und ſchon früher böh⸗ miſcher Kanzler zum Erzbiſchof von Mainz gewählt. Von vornherein heftiger Gegner des Hauſes Habsburg), ſchien er ſich als Lebensaufgabe geſtellt zu haben, die Macht der Luxem⸗ burger zzu fördern und ihnen eine hervorragende Stellung unter den fürſtlichen Geſchlechtern des Reichs zu verſchaffen, was ihm bei ſeinem großen Talente in diplomatiſchen Verhandlungen und ſeinem conſequenten Handeln den unter ſich eiferſüchtigen und mißtrauiſchen weltlichen Fürſten gegenüber außerordentlich gelang. Durch ſeine Empfehlung erhielt der erſt 22 Jahre alte Graf Balduin, Bruder Heinrichs von Luxemburg, das Erzſtift Trier ²2). Mit dieſem vereint ſtand er an der Spitze der Oppoſition, die dem Köoͤnig Albrecht viel zu ſchaffen machte, und nach deſſen gewaltſamen Tode betrieb er die Wahl Heinrichs von Luxemburg zum römiſchen Könige auf der Verſammlung der Kurfürſten zu Renſe: ein Ort, der jetzt zum erſten Mal als zu der⸗ gleichen beſtimmt vorkommt. Als der neue Koͤnig Böhmen für ſeinen Sohn Johann gewann, war es Peter, der den unmündigen König in Prag krönte und für ihn die Regentſchaft klug und kräftig eine Zeit lang führte. Ueberall war ſein Walten, wie glanzvoll, ſo tief eingreifend in alle Verhältniſſe des ſtaatlichen und kirchlichen Lebens. Ein beſonderes Verdienſt erwarb er ſich um ſein Erzſtift, dem er, um die Worte des rheiniſchen Antiquarius zu gebrauchen, zuerſt eine regelmäßige Form aufdrückte und für es ein Verwaltungsſyſtem erdachte, das bis in die Mitte des 17. Jahrhunders unverändert ſich erhielt. Doch dieſe Verdienſte um Luxemburg und Mainz werden durch ſeine mit Hartnäckigkeit durchgeführten politiſchen Beſtrebungen ſehr ver⸗ dunkelt. Er iſt als der eigentliche Königsmacher Ludwigs von Baiern zu betrachten, der daher auch nach ſeiner Wahl von der Mainzer Kirche ſagen konnte:per quam et nos, in persona venerabilis Petri archiepiscopi M., principis nostri carissimi, ad regale fastigium promoti sumus.*²) Wie hoch dabei Peter zugleich ſeine Unterſtützung anſchlug, geht beſonders aus den Verſprechungen hervor, wozu früher Heinrich von Luxemburg, ſowie aus den Geheimartikeln, wozu ſich Ludwig vor der Wahl verpflichten mußte.

So wirkte er nach allen Seiten, und damit die Sache der luxemburgiſchen Partei auch nach ſeinem Tode im Erzſtifte aufrecht erhalten würde, hatte er ihr ſowohl im Kapitel als im Erzſtifte einen großen Anhang zu verſchaffen gewußt. Kaum war er daher geſtorben(1320 ¼, ſo wählte das Domkapitel den Erzbiſchof Balduin von Trier, wobei zugleich die Abſicht mitge⸗ wirkt haben mag, an dieſem thatkräftigen Fürſten ſich einen Beſchützer und Vertheidiger ſeiner Rechtſame in jenen kriegeriſchen Zeitläuften zu erwerben. Allein der Papſt verſagte die Geneh⸗ migung und verlieh das Erzbisthum dem durch Tugend und Gelehrſamkeit ausgezeichneten

*) Verdächtig war allen Oeſtreichernder Trugner, wie Ottokar's Reimchronik ihn nennt,der untreu Wolf; behend und ſlecht. ²) Vergl. Dominicus im Cobl. Progr. 1859. ³) Guden. III, S. 104.*) Ebendaſ. S. 97.