Aufsatz 
Einleitung zur Geschichte der vier Grafen von Nassau auf dem Erzstuhle von Mainz
Entstehung
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Noth, wo die Schrecken der Natur(Heuſchrecken) mit dem verwilderten Geſchlechte*) im Bunde zu ſein ſchienen, wiederholte Verſuche, eine Ausſöhnung zwiſchen Ludwig und der Curie einzu⸗ leiten. So wandte ſich noch 1338 eine Verſammlung von Biſchöfen, wobei auch weltliche Herren zugegen waren, in einem gemeinſchaftlichen Schreiben an den friedliebenden Papſt Benedict XII. wegen der Losſprechung des Königs, und in demſelben Jahre ſchloſſen mehrere Fürſten den über Gebühr berübmt gewordenen Renſer Kurverein zur Aufrechthaltung der Ehre, der Rechte, der Freiheit und des Herkommens des Reichs im Allgemeinen und ihrer fürſtlichen Ehre an der Kur insbeſondere. Allein die Wichtigkeit dieſes Vereins ſchwindet, wenn man erwägt, daß von den neun Theilnehmern fünf zum oberbaieriſchen Hauſe gehörten, und daß grade der mächtigſte Kurfürſt fehlte: König Johann von Böhmen. ²) Dieſer unterhielt äußerlich lange ein freundliches Verhältniß zu Ludwig und ſcheint ſelbſt anfangs Schritte gethan zu haben, um den Papſt beſänftigen zu helfen: wie überhaupt damals das Sprichwort ging, daß ohne Gottes und des böhmiſchen Königs Hilfe niemand etwas auszurichten vermöge; allein er wollte bei dem ausgebrochenen Kampfe zwiſchen Frankreich und England mit dem ſo unbeſtändigen Kaiſer in keine Solidarität gegen Frankreich und den Papſt treten. ²) Die unerhörte Ruͤckſichtsloſigkeit in den Tyroler Händeln machte ihn endlich zum heftigſten Gegner Ludwigs. Da aus gleicher Urſache auch Balduin von Trier, der bis dahin ſo oft die häufigen zwiſchen den Häuſern Luxem⸗ burg und Wittelsbach entſtandenen Zwiſte auszugleichen beſtrebt geweſen war, ſich offen Ludwig entgegen ſtellte, ſo war deſſen Sache vollſtändig verloren. Seine Verſuchen, die zwiſchen König Johann von Böhmen und deſſen Sohne Karl ausgebrochene Uneinigkeit zu benützen, waren umſonſt. Den Luxemburgern ſchloſſen ſich bald Erzbiſchof Walram von Coln und der Kurfürſt Rudolf von Sachſen an, wenn letzterer auch noch eine Zeit lang ſchwankte. Pfalzgraf Ruprecht der ältere grollte gleichfalls dem Kaiſer und dem Mainzer Erzbiſchof Heinrich theils wegen des angeſtrittenen Städtchens Weinheim und anderer Ortſchaften, Zölle u. dgl., theils deßhalb, weil Ludwig nach dem Tode Heinrichs II. von Niederbaiern die Pflegſchaft über dieſes Land in eigenthümlichen Beſitz verwandelt hatte, ohne die Anſprüche ſeiner Brndersſöhne, der Rhein⸗ pfalzgrafen, zu berückſichtigen.*) Nur des Grollenden Bruder Rudolf, wie ſeinen Neffen Ruprecht den jüngeren wußte Ludwig noch bei gutem Willen zu erhalten. Ein Hauptgegner deſſelben war am Rheine der Biſchof Berthold von Straßburg(von 1328 1353), der gleich ſeinem Bruder Mathias, von 1321 1328 Erzbiſchof von Mainz, feſt zur Gegenpartei hielt*), während Biſchof Gerhard von Speier Freund Ludwigs war. Als deſſen bedeutendſter Verbündete in Süd⸗ deutſchland iſt Graf Ulrich von Würtemberg anzuſehen, ſowie auch deſſen Sohne Eberhard der Rauſchebart und Ulrich zum Baiern ſtanden. Auf Seite des päpſtlichen Stuhles finden wir ferner die Erzbiſchöfe von Bremen, Magdeburg) und Salzburg, ſo daß alſo von deu Erz⸗ biſchöſen des Reiches nur Heinrich von Mainz die Sache des verunglückten Kaiſers vertheidigte. Da jenſeits des Thüringerwaldes, mit Ausnahme der Mark Brandenburg, Fürſten und Städte ohne allen Antheil an den Reichsangelegenheiten blieben, und die Oeſtreicher ſich auf ſich be⸗

¹) Vgl. Joh. Vitodur.(Ausg. v. Wyß), S. 135 ff. ²³)Wie wenig ernſt, ſagt Böhmer(Reg. L. v. B. S. 241) es aber den erzbiſchöfen von Cöln und Trier ſo wie dem herzog Rudolf von Sachſen(alſo alleu nicht zum kaiſerlichen Hauſe gehörenden theilnehmern außer dem erzbiſchof von Mainz) mit demjenigen war, was man gewöhn⸗ lich als inhalt und zweck des vereins darſtellt, das zeigt acht jahre ſpäter ihre erwählung Carls IV. ³) Palacky, Geſch. B. II, S. 193 u. 236.*) Joh. Vict. b. Böhmer Fontes I, S. 437. ³) Ein ehrendes Denkmal hat dieſen beiden ausgezeichneten Kirchenfürſten der rheiniſche Antiquarius geſetzt, II, Bd. 9, S. 263 296.) Otto, Landgraf von Heſſen, deſſen Geſchlecht wegen alter Zerwürfuiſſe mit Mainz päpſtlich geſinnt war.