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hätte ſein ſollen, das eine ſeine Stütze in England, das andere in Frankreich ſuchte, während zugleich jene maßloſen Verſchleuderungen des Reichsguts und der königlichen Gerechrſame an die Fürſten begannen, welche der Krone die für ihr Anſehen nothwendige Unterlage entzogen. Zwar wäre unter Friedrich II. eine Wiederherſtellung der königlichen Macht, wenn auch nicht ohne Kampf moglich geweſen; allein dieſer Kaiſer erfüllte nicht die Pflichten, die er mit der deutſchen und der römiſchen Krone übernommen hatte. Die deutſche Kraft ſollte nur ſeinen per⸗ ſonlichen Zwecken dienen. Italien, zu dem er ſich durch Geburt und Erziehung hingezogen fühlte, in dem er drei Viertel ſeiner vierzigjährigen Regierungszeit zubrachte, ſollte der Mittelpunkt ſeines Reiches, Deutſchland ein Nebenland werden. Damit verzichtete er auf die Wiederbegrün⸗ dung des deutſchen Reiches, und, um die Fürſten für die Scheinregierung ſſeiner unmündigen Söhne zu gewinnen, ſich ihrer Hilfe in ſeinen italieniſchen Kriegen gleichſam zu erkaufen: kurz um von Deutſchland aus durch nichts in der Erreichung der Plane, die er in Italien zu ver⸗ wirklichen ſtrebte, gehindert zu ſein, gab er ihnen, nachdem das Reichsgut größtentheils ver⸗ ſchleudert war, nun auch die Rechte der Krone hin. Durch ſeine großen Privilegien(1220 für die geiſtlichen, 1232 für dieſe ſowie für die weltlichen Fürſten) war die Landeshoheit vollendet, und das Reich zum Bundesſtaat herabgedrückt, in welchem noch im Laufe des dreizehnten Jahr⸗ hunderts das Collegium der ſieben ausſchließlichen Kurfürſten und die ganz willkuͤrliche Königs⸗ wahl zur Ausbildung gelangte. Doch nicht blos zu Deutſchland kam Friedrich II. durch ſeine orientaliſch⸗gewaltſame und mehr auf egoiſtiſche Zwecke gerichtete Politik in eine unnatürliche Stellung, ſondern er ließ ſich auch mit der unbezwinglichen Macht der Kirche, der er Alles verdankte, in einen Titanenkampf ein, in welchem ſich zuletzt der päpſtlichen Curie die Ueber⸗ zeugung aufdringen mußte, daß mit einem Manne, deſſen Hauptmittel Liſt und Heuchelei⁴) waren, kein dauernder Friede zu ſchließen ſei, und daß ſie bei dem Kampf um ihre Freiheit Alles aufzubieten habe, um ſich eines ſolchen Drängers zu entledigen. Friedrichs Stern ſank ſchnell unter. Das Papſtthum ging ſiegreich aus dieſem Rieſenkampf hervor; allein es erlitt zugleich einen ſchweren Schlag. Seiner weltlichen Stütze, die ihm das Reich ſeit Jahrhunderten gewährt, beraubt, gerieth es bald in die ſchmachvolle„babyloniſche“ Gefangenſchaft von Avignon, welche ſeine durch die Leitung der Kirche über den ſelbſtſüchtigen Beſtrebungen Einzelner erhabenen Stellung ſchwächte und es der Macht beraubte, in die politiſchen Angelegenheiten Europas ſchiedsrichterlich einzugreifen.
In Deutſchland trat die ſchreckliche Zeit des Interregnums ein, welches den einer einheit⸗ lichen kräftigen Regierung entwöhnten Reichsvaſallen die Mittel gewährte, ihre Territorien zu erweitern und ihre Rechte zu vermehren. Das Haus⸗ und Parteiintereſſe überwog das Wohl des Ganzen. Ja große Theile des Reiches nahmen an deſſen Angelegenheiten faſt keinen, oder nur einen vorübergehenden Antheil, wie beſonders der ganze Nordoſten, in welchem Fürſten und Städte zu ſehr in ihre organiſatoriſche Thätigkeit verſtrickt waren. Wie ein Trümmerhaufen von mehr als zweihundert, theils geiſtlichen, theils weltlichen reichsunmittelbaren Gebieten bedeckte der alte Bau die deutſchen Lande. Eine neue Zeit war für unfer Volk angebrochen. Von keiner ſtarken Centralgewalt mehr beherrſcht, geriethen die Stände, Herrn und Städte in ennen erbitterten Kampf mit einander: Fehden folgten auf Fehden; es war die Blüthezeit des Fauſtrechts. Der Prineipienkampf zwiſchen den fürſtlichen und republikaniſchen Elementen kam zuerſt in den großen Biſchofsſtädten zum Ausbruch. Dieſe waren im Anfange des dreizehnten
¹) Böhmer, Reg. 1189— 1254. S. XL.


