Aufsatz 
Der Kampf des Erzbischofs Gerlach von Nassau mit Heinrich von Virneburg um das Erzstift Mainz.
(Fortsetz. d. Progr. v. 1861.)
Entstehung
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Urkunde hinzufügt: Pontificatus nostri anno primo, glaube ich vermuthen zu dürfen, daß er damals in Avignon die biſchöfliche Weihe empfangen habe ¹). Von P. Klemens war bei ſeinen durch Nepotismus und Gewinnſucht verderbten Regierungsmaximen weder thatkräftige Unterſtützung, noch gütliche Ausgleichung des langen Haders zu erwarten. Daher mußte auch der Verſuch Heinrich's von V., für ſich, Kuno von F. und ſeine Anhänger, die Gnade des Papſtes und Wiederherſtellung des früheren Standes zu erlangen, ein vergeblicher bleiben; er läßt uns aber einen Einblick in die Verlegenheiten der gegneriſchen Partei thun ²). Erſt als im folgenden Jabre nach dem Tode Klemens V., Innocenz VI., ein Mann von ſtrengen Sitten und ach⸗ tungswerther Geſinnung den päpſtlichen Thron beſtieg, trat eine heilſame Aenderung in der Regierung der Kirche ein. Die unter ſeinem Vorgänger allzuhäufig vorgekommenen Reſervationen und Kommenden ſtellte er abden Prälaten ſchärfte er die Reſidenzpflicht ein, gelehrte und fromme Männer erhob er und richtete ſeine Aufmerkſamkeit auf eine Reformation der römiſchen Kurie, wobei er an ſich ſelbſt den Anfang machte und ſeinen Haushalt auf das Nothdürftigſte beſchränkte. In Bezug auf die Mainzer Diöceſe traf er die nothwendige Verfügung, daß ferner⸗ hin keine Proriſion durch päpſtliche Briefe geſchehen ſolle, ohne daß der Erzbiſchof zum Voll⸗ ſtrecker der Proviſion beſtimmt würde.(15. Dez. D. Perusii)*). Ein Jahr ſpäter, 13. Febr. 1353 befiehlt er dem Erzbiſchof, das Feſt der Lanze und der Schlaͤſſel in ſeiner Diöceſe ein⸗ zuführen.

Nach ſeiner Rückkehr von dem päpſtlichen Hofe inkorporirte Gerlach am 16. Dez. ſeinem Domkapitel die Pfarreien Waldbechelnheim und Biſchofsheim an der Tauber*). Sonſt findet man auf langere Zeit keine urkundliche Ueberlieferung von ihm; an der ſeitherigen Lage des Erzſtiftes änderte ſich noch nichts; Gerlach mußte vielfach noch ſeine Zuflucht zu ſeinen Brüdern nehmen. Von dieſen bekennt Johann am 24. Nov. 1352, daß nach ſeinem Tode Gerlach Meren⸗ berg und Gleiberg haben ſoll,zu allen ſynen nöden daruz und dryn zu behelffen als lange bit daz er in ſyne Styffte kummt oder da müde rechtunge gewinnet, und wanne daz Geſchüt, ſo ſal myn obgenanter Here von M. Merenberg und Glipperg Gerlache mynes Bruders Adolffes Sone antwerten und yngeben bit alle dem daz darzu geboret). Am 19. März 1353 beſtätigte Gerlach das von ſeinem Vater und ſeinen beiden Brüdern mit Guthrißung des deutſchen Ordens und der Aebtiſſin zu Tiefenthal, den Patronen der Pfarrkirche zu Wiesbaden, daſelbſt errichtete Hospital und verlieh allen, welche der Anſtalt ein Almoſen in chriſtlicher Abſicht beiſteuerten, einen vierzigtägigen Ablaß*). Um dieſelbe Zeit hatte Gr. Johann eine Fehde mit dem Gr. Gerhard VII. von Dietz, woraus ſich erklärt, daß letzterer mit der Partei Kuno's in Ver⸗ bindung trat, nachdem er vorher auf der anderen Seite geſtanden hatte.*). Am 8. Sept. dieſes Jahres errichtete Kuno als Vormünder des Stifts mit dem Grafen von Diez wegen deſſen Anſprüchen, und zwar der 20 Fuder Weingeldes zu Lahnſtein und der Vogtei zu Bingen, die er wegen des oberſten Schenkenamtes haben ſollte, einen Vergleich dahin, daß ihm 600 Gold⸗ gulden verſchrieben, und dafür 60 fl. auf den Zoll zu Lahnſtein angewieſen werden, welche er zu dem Schenkenamt vom Stift zu Lehen nehmen ſoll).

Doch von der Burg Mereuberg machte Gerlach nicht lange Gebrauch. Als Karl IV. 1353 an den Rhein kam, findet ſich jener an deſſen Hoflager, das 14 Tage zu Hagenau war. Hier

1) Wuerdtw. N. S. VI, 348. 2) Reg. Doic. VIII, 247. 3) Reg. Boica VIII. 4) Gunther Cod. d. Kh.-M. III, praef. XIV& Reg. B. VIII. 5) Schunk, Beitr. I, 325. 6) Wuerdtw. Dioec. Mog. II, 134. 7) Arnoldt, Or. Naſſ. Geſch. II, 83. 8) Heuſſer, Mainz. Erblandhofämter Anh. 15, N. 12. 4