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im vorigen Jahre gehaltenen Inbilänms— war reich an Landfriedensbündniſſen. So ſchloß kurz vorher Erzb. Balduin ein Bündniß mit Meinz, deſſen Ziele zehn Meilen von Heimbach in beide Stifte reichten. Auch ſchloß Balduin in denſelben Tagen auf 3 Jahre ein Bündniß mit den naſſauiſchen Grafen, den Brüdern Adolf und Johann, Johann, Herr zu Hadamar und Heinrich von Beilſtein. Der von Hadamar hatte in dieſem Jahre Unglück in ſeiner Fehde mit dem damals reichen und mächtigen Geſchlechte der von Hatzfeld, das gleichfalls auf Seite Kuno's ſtand. Denn am 24. Mai 1349 trat Gottfried von Hatzfeld in deſſen Dienſte wider K. Karl, Gerlach von Naſſau, den Landgraf von Heſſen und den Biſchof von Münſter ¹). Die Limburger Cbronik ²) erzählt die Fehde kurz ſo: Anno 1351 hatte die Statt zu Limpurgk ein verbündnuß und eintrechtigkeit gethan mit Graf Johan von Naſſauw vnd Herrn zu Hadmar. Ind hatten die feind, mit namen die von Hatzfelt, den Grafen geſchädigt, vnd waren die vo Limburgk mit Ihm jagende, vnd wurden ſich mit den feinden raufen bey Lauwenburgk, vnd der vorgenante Graf wurde gefangen, mit viel ſeinen dienern. Vnd deren von Limpurg blieben alda auch vier todt, die mechtigſten in der Statt vnd viel gefangen. Vnd geſchach das auf den Trag exaltat. S. Crucis.“
Gerlach weilte, wenigſtens eine Zeit lang in Mainz. Am 6. April hielt er, nachdem er in der Faſtenzeit einem Furſtenkongreß zu Frankfurt beigewohnt ²³), eine Kapitelsverſammlung in ſeiner Wohnung über den von dem jedesmaligen Domprobſte zu leiſtenden Eid, deſſen Formel dem vom Pabſte deſignirten Wilh. Pinſchon, welcher der unmittelbare Nachfolger des Kardinals Joh. de Columna genannt wird, überſandt wurde: eine Urkunde, die deßhalb von beſonderem Intereſſe iſt, weil ſich daraus ergibt, daß Gerlach damals noch die Einkünfte der Domdechanei bezog*). Von hier begab er ſich, wahrſcheinlich in Folge einer Einladung, zum Könige, an deſſen Hoflager zu Pirna ſich eine große Anzahl von Fürſten einfand. Wichtige Geſchäfte wurden hier erledigt. Unter andern ſchloß Karl mit dem Pfalzgrafen Rudolf eine Erbeinigung, und Herzog Heinrich zu Glogau und Sagan empfing hier die Belehnung mit einem böhmiſchen Lehen an der Weichſel. Gerlach und die anderen Kurfürſten ſtellten Urkunden daruber aus, daß der frühere Herzog Heinrich von Schleſien ſein Herzogthum von Kaiſer Ludwig zu Frankfurt zu Lehen genommen haben ⁵). Tags darauf, den 13. Sept., begab ſich die ganze Geſellſchaft nach Dresden, von wo Gerlach bald nach Mainz zurückgekehrt ſein muß. Denn am 16. des⸗ ſelben Monats inkorporirt er mit Zuſtimmung des Probſtes und der Archidiakons der Metro⸗ politankirche dieſer die Pfarrei Sulburg wegen der Verſchlechterung der Pfründen*). Kurz darauf reiſte Gerlach zum Papſte nach Avignon. Urkundlich war er hier den 16. Nov., an welchem Tage er die Schenkung des Domprobſtes Pinſchon beſtätigte, laut welcher dieſer dem Kapitel, nachdem er ſich damit ausgeſöhnt, 7 zur Domprobſtei gehörigen Pfarreien mit allen Einkünften und Gerechtſamen verlich, damit dieſelben gleichmäßig unter alle Stiftsglieder als täg⸗ liche Deſerviten vertheilt würden*). Man ſieht, der Franzoſe mußte um hohen Preiß die Gunſt des Kapitels erkaufen, ſo ſehr auch perſönliche Eigenſchaften ihn auszeichnen mochten. Leider wiſſen wir nichts von den Zwecken, die Gerlach nach Avignon zogen: gewiß hat er nicht blos, wie Johannis ſagt*), dem Papſte ſeine Aufwartung machen wollen, obgleich es von jeher Gebrauch war, daß die Biſchöfe nach ihrer Erhebung die Reiſe ad limina S. Petri zu machen hatten. Aus dem Umſtand jedoch, daß der Erzbiſchof im folgenden Jahre dem Datum einer
1) Reg. Boica VIII.— 2) S. 427.— 3) Trith. Ann. Hirs. II, 218— 4) Wuerdtw. S. D. I, 256.— 5) Pelzel I, Urk. S. 178.— 6) Reg. Boica VIII.— 7) Reg. Boica VIII.— 8) I, 669.


