29
ſeiten todt. Vnd der Landgr. behielt das Land mit groſen ehren.“ Um dieſelbe Zeit gerieth Otto von Solms, Gegner der Naſſauer und Heſſen, in die Hände der Bürger von Wetzlar und mußte ſich mit ſchwerem Gelde löſen.*)
Jene Niederlage Heinrich's vor Gudensberg war ein harter Schlag für ſeine Stellung; merkwürdiger Weiſe laſſen die heſſiſchen Chroniſten ihn bereits in dieſem Jabre ſterben*). Auch ſeine Anhänger müſſen ſchwierig geworden ſein, denn am 23. Jan. 1351 verlangte Philipp von Iſenburg ſein Dienſtgeld, widrigenfalls er ſich mit Pfründen erholen wolle. ³)
In demſelben Monate— feria II a. Purif. V. M. ſchloß Gerlach einen bedeutſamen Vertrag mit dem Pfalzgrafen Rudolf, dem Schwiegerater des Königs, der ihn zum Reichsverweſer im Elſaß und am Rhein beſtellt hatte, über die von ihnen im Reiche zu befolgenden Politik. Darin ſagen ſie: Wers ſache, daz daz Romſche Riche virvele, adir andirs in keinrehande wyſe ledich worden an dem Alredurchluchtigeſtin Furſtin und Herrin, Hern Karls, unſir lieben gne⸗ digen Herrin; daz Unſir eyner an kohne) den andern keynen Koning an ſin ſtat keſin ſol oder weln: und daz wir ſullen— eintrechlig werdin, wa iz noct geſchiet, bedir ſite uff Eynen, der dem Riche und dem Lande nutzlich ſy. Ane allerley argeliſt.— Wers auch ſache, daz unſir einer adir der andir einen Kurfurſtin an ſich zuche adir gewonne, der ſie viel adir wenich, daz ſal eyme wol zu nutze komen als dem andern*).“
Der Zweck dieſes Vertrags war gewiß kein anderer, als vorkommenden Falls einen ſicheren Verbündeten zu haben, mit deſſen Hilfe man vor Allem den Störungen des Landfriedens be⸗ gegnen könnte. Grade während der 3 vorhergegangenen Jahre hatte in den Rheinlanden das Fauſtrecht ſchrecklich gewirthſchaftet. Daher bewogen auch die Städte Mainz, Worms, Speier und Straßburg und die Pfalzgrafen Rudolf und Ruprecht den König, einen neuen Landfrieden aufzurichten. Darin wurde, wie früher, das Land von einer halben Meile oberhalb Straßburg bis nach Bingen und zu beiden Rheinſeiten auf 3 Meilen als Begrenzung deſſelben angenommen. In dieſer Grenze ſollen alle Zölle auf dem Waſſer und dem Lande abgeſchafft werden, außer den gewöhnlichen Geleitszöllen des Biſchofs von Speier, der Markgrafen von Baden, der Grafen von Naſſau und den, welche von Alters hergekommen ſeien. In dieſen Landfriedenszielen ſoll jeder, er ſei geiſtlich oder weltlich, er reite, fahre oder gehe, gegen Brand, Raub, Gefangen⸗ ſchaft oder Gewalt geſchützt ſein, wenn er zu dem Landfrieden gehöre. Wer in dieſen Land⸗ friedenszielen geſeſſen, er ſei Herr, Ritter oder Knecht, der ſoll zwiſchen bier und Jakobstag, den 25. Juli, dieſen Landfrieden beſchwören, und zwar die Herren und ihre Amtleute in ihrem Namen vor den Neunern, die Ritter oder Knechte vor den vorgemeldeten Herren oder vor den Städten oder vor den dazu beſtimmten Amtleuten. Mit dem Rathe dieſer Fürſten und Städte ſei man übereingekommen, daß der König einen, die beiden Pfalzgrafen einen, Kuno von Falken⸗ ſtein einen, der Erzbiſchof Gerlach und Biſchof Gerhard von Speier einen, endlich jede der 4 Städte einen ehrbaren Mann wähle, welchen der Ritter Konrad von Erbach als neunter Mann beigegeben werden ſolle. Dieſe hätten auf ihren Eid den Armen wie den Reichen gleiches Urtheil zu ſprechen. Alle Jahre ſollten ſie an den 4 Fronfaſten zu Speier zuſammen kommen, oder auch öfter, wie es nöthig wäre ³). In der Beſetzung des Neunergerichts zeigte ſich die Geltung Kuno’s, während von Heinrich nicht die Rede iſt. Das Jahr 1351— ohne Zweifel Folge des
1) Rommel, beſſ. Geſch. II, 141.— 2) Kuchenbecker, Anal. Coll. III, 20 u. Coll. V, 196.— 3) Scd unk, Beitr. II, 491.— 4) Guden III, 356.— 5) Lehmann, Speicr. Chronik, 707.


