Aufsatz 
Der Kampf des Erzbischofs Gerlach von Nassau mit Heinrich von Virneburg um das Erzstift Mainz.
(Fortsetz. d. Progr. v. 1861.)
Entstehung
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grade dieſes Ereigniß war die Veranlaſſung, daß jetzt der Mann an die Spitze der Gegenpartei trat, welcher als der gefürchtetſte Kriegsheld der Zeit galt, Kuno von Falkenſtein. Von ſeiner Wirkſamkeit entwirft Scholl in den Binger⸗Annalen folgendes Bild:Er ſtand Erz⸗ biſchof Henrico ſo ſtark bey, daß er alle heftig verfolgte, ſo dem Gerlaco gehorſam waren; alles Gefäll und Einkommen der Geiſtlichen, die nicht ſeiner Partei waren, zog er alles ein und nahms zu ſeinen Handen, alſo daß er in einem Jahr, 1353, 4000 Fuder Wein und auff die 40000 Malter Frucht zuſammenbrachte; die des Pabſt Gebott wider Henricum, den ab⸗ geſetzten Biſchoff, gehorſam waren, verjagt er alle, zum Theil ließ er ſie ertrencken oder ſonſt tödten. Er zerriß die päpſtlichen Brieff, er richtet einen neuen Zoll zu Oppenbeim auff, welche Statt Oppenheim ſambt allem Zugehör dem Stift Maintz vor 9000 Mark verpfand war, er kaufft den Mönchhoff am Mayn, und bauet ein Schloß dahin, er löſet auch vill verſetzte Güter, alſo bekam er einen großen Zulauff, weilen er ſeinem Herrn Henrico und Ludovico dem Kayſer, welche beyde im Bann waren, ſo beſtändig anhing, und ſich gegen den Pabſt ſo ge⸗ waltig aufflaimt, darum er dann vor einen gewaldigen Helden gehalten wurde. Es hatt ihm aber Heurich von Virnenburg etliche des Stiffts Schlößer und Städt eingeben. ²)

In dieſer dem Albertus von Straßburg nachgebildeten Schilderung hat Scholl die letzten Worte ſeines Gewährsmann, da ſie auf ſeinen Helden ein eigenthümliches Licht werfen, zu überſetzen unterlaſſen. Albert bemerkt nämlich am Schluſſe:Kuno hatte ſehr kluge und feſte Männer, denen er die Leitung von Allem anvertraute, waͤhrend er ſelbſt an Jagden und Ver⸗ gnügungen Theil nahm ²). Lange weigerten ſich die Naſſauer trotz vieler Aufforderungen von Seiten des neuen Stiftspflegers, den Gefangenen freizulaſſen, und als nun Kuno vernahm, daß Graf Johann damit umgehe, ihm daſſelbe Loos zu bereiten, ſo uͤberfiel er mit Uebermacht die Grafſchaft ſeiner Gegner und verbrannte mehr als 70 naſſauiſche Doͤrfer*). Zugleich wurde das Gebiet unſerer Grafen von Seiten der Wetterauiſchen Städte befehdet, und Graf Adolf hatte das Unglück vor der Burg Friedberg gefangen genommen zu werden, und mußte ſich durch Erbauung eines Thurmes an dieſer Feſte freikaufen ⁵⁴).

Dieſe Unglücksfälle ſtimmten zum Nachgeben, und Kirkel wurde unter der Bedingung frei gegeben, entweder 8000 fl. zu zahlen, oder ſich wieder als Gefangener zu ſtellen*). Auch er mußte ſogleich die Gewalt des neuen Verweſers empfinden; denn als er wieder Antheil an der Verwaltung verlangte, wies ihn Kuno zurück, aus Furcht jener habe den Naſſauern bei ſeiner Freilaſſung einige mainziſche Plätze auszuliefern verſprochen. Außerdem geriethen ſie noch wegen der Koſten und Schäden, die Kirkel als Verweſer gehabt haben wollte, in offene Feindſeligkeit.

Während dieſer Fehden war Gerlach in der Umgebung des Königs, der, obgleich er es an Gnadenſpenden nicht fehlen ließ, von den Bürgern der rheiniſchen Städte mit getheiltem Sinne und zweideutigem Gehorſam aufgenommen wurde: hier hatte die baieriſche Partei noch viele Anhänger und ſuchte ihn an Zuſagen und Verſprechungen zu überbieten. Als in den erſten Tagen des Jahres zu Speier unter andern Proceſſen auch der gegen den abgeſetzten

Eberhard von Katzenellenbogen, und am 18. Januar ladet Konrad von Spiegelberg, Sekretär Heinrich's den Kantor Reinbard von Sponheim zur Wahl eines neuen Proviſor ein.(Vergl. Schunk, Cod. dipl. p. 280.) Dagegen Alb. Arg. und nach ihm Joannis laſſen ihn erſt im Februar gefangen genommen werden: Alb. Arg. p. 145& Joann. I, 662. 1) Ann. Bing. v. J. Scholl, herausgeg. v. Sander. 2) Alb. Arg. p. 160& 161 3) Ibid.

p. 145. 4) Moders, Nachr. v. Friedb. I, 136. 5) Alb. Arg. p. 145. 3

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