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Erzbiſchof vorgenommen werden ſollte, entſtanden heftige Bewegungen, weßhalb ſich Karl IV. nach Worms und von da nach Mainz begab, wo er ehrenvoll empfangen wurde*). Vor ſeinem Einzuge jedoch hatte er das Verſprechen gegeben, weder den Erzbiſchof Gerlach ein⸗ zufübren, noch die päpſtlichen Schreiben gegen Heinrich verkündigen zu laſſen. Der ängſtlich vorſichtige König, kein Freund kräftigen Handelns, wollte eben überall, zumal bei ſeinem erſten Auftreten in der wichtigſten Stadt der Rheinlande, der er ſchon vor ſeiner Ankunft zur Hebung ihrer finanziellen Verlegenheit eine Gunſtbezeugung gewährt hatte ²³), jeden Streit vermeiden; einem ſolchen ſelbſt auf eine nicht rühmliche Weiſe aus dem Wege zu gehen, lag ganz in ſeinem Charakter. In Mainz wirkte nicht Oppoſitionsgeiſt gegen Gerlach, ſondern theils Furcht vor Kuno's Gewaltſchritten, theils die oben angegebene Abſicht, abzuwarten, bis man eines gehörigen Gewinnes ſicher ſei. Hierher kam auch Balduin, um mit dem Könige zu be⸗ rathſchlagen, was gegen die wittelsbachiſche Partei, an deren Spitze die verwittwete Kaiſerin Margaretha einen großen Eifer bewies, zu thun ſei. Denn hier vernahm Karl, daß am 7. Januar Bevollmächtigte Heinrich's von Virneburg, des Pfalzgrafen Ruprecht des älteren, des Markgrafen Ludwig von Brandenburg und des Herzogs Erich von Sachſen⸗Lauenburg ³) zu Oberlahnſtein ſich verſammelt hatten, um einen anderen König zu wählen: eine Wahl alſo, bei der kein Kurfürſt in eigner Perſon zu erſcheinen ſich getraute. Sie beſchloſſen, dem Könige Eduard von England die Krone anzutragen, der jedoch bereits nach der Schlacht bei Crecy Karl IV. als römiſchen König anerkannt hatte. Letzterer ſchickte daher ſogleich einen Geſandten nach England, um die Annahme der Wahl zu widerrathen, und da auch das Parlament ſich für die Ablehnung entſchied, ſo erſchien bald ein engliſcher Geſandte bei Karl, um mit ihm ein Freundſchaftsbündniß abzuſchließen.
Nachdem nun der König etwa 14 Tage in Mainz verweilt und ſeinen Großoheim, den Erzbiſchof von Trier, zu ſeinem Statthalter im Reich mit unbeſchränkter Vollmacht beſtellt hatte, trat er die Rückreiſe nach Prag an. In ſeiner Begleitung befand ſich außer andern Großen auch der Erzbiſchof Gerlach: Beweis genug, wie ſchlimm für dieſen am Rhein noch die Sachen ſtanden. Der Aufenthalt in Prag blieb jedoch für ihn ſicherlich nicht ohne großen Nutzen. Einmal genoß er hier den Umgang eines der hervorragendſten Kirchenfürſten der Zeit, des Erzbiſchofs Arneſt; ſodann war er Zeuge der großartigen Schöpfungen Karl’s, wo⸗ durch dieſer nicht mit Unrecht von den Böhmen mit dem Beinamen des Großen geehrt wurde. Karl begann nämlich in dieſem Frühjahre die Erweiterung ſeiner Hauptſtadt, die Grundſtein⸗ legung des Karlſtein, die Verbeſſerung des Ackerbaues; ſein wichtigſtes Werk war aber jeden⸗ falls die Gründung der Univerſität. Dabei vergaß Gerlach ſeines Erzſtiftes nicht. Auf ſeine Bitte beſtätigte der König der Mainzer Kirche alle ihre Privilegien, ausgenommen Alles, was das Erzſtift Prag und das Bisthum Olmütz betreffen konnte*). Von hier ernannte Gerlach die Kanoniker Hermann und Wilhelm von Saulheim zu Kommiſſären, um die Wahl des Abtes von S. Alban zu unterſuchen und nach Befund zu beſtätigen. Es war nänlich nach dem Tode des Abtes Giſelbert der Kuſtos des Kloſters, Arnold, gewählt worden, der ſich um Beſtätigung an Gerlach gewandt hatte. Die Sache wurde im Hofe des Kanonikus Wilhelm von Saulheim verhandelt, wobei gegen die Wahl nichts von den Anweſenden vor⸗
1) Pelzel, Geſch. Karl's IV, I, 193 u. 194.— 2) Dat. Schorendorf, am 6. Dez. die Urk. b. Schaab, Rhein. Stdeb. II, 190— 3) Daß Erich und ſein gleichnamiger Sohn ſich auf Seite der Wittelsbacher ſchlugen, darin lag der Grund, daß Sachſen⸗Lauenburg die Kur verlor.— 4) Reg. Boic. t. VIII.


