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hin, die Todten zu beſtatten 2) Wie nun der Menſch gewohnlich, wenn er in Unglück geräth, die Schuld nicht in ſich ſucht, ſondern in Anderen findet, ſo wandte ſich auch der zur Wuth geſteigerte Schmerz gegen die Juden und beſchuldigte ſie der Brunnenvergifrung, welche um ſo mehr geglaubt und verbreitet wurde, als auf jenen wegen anderer Urſachen der Haß der Menge ruhte. Nicht war es religiöſer Fanatismus, wie er ſich zur Zeit des erſten Kreuzzugs unter dem ungebildeten Pöbel kund gegeben hatte, ſondern es war ein Stück ſocialer Revolution, welche hauptſächlich in folgenden Verhältniſſen ihren Grund hatte. Die Juden waren die Herren des Geldes; ſie nebſt den fremden Wechslern, den Lombarden und Kauwerzen trieben allein Geſchäfte damit. Daher ſeufzte das Volk in den Stödten bei dem allgemeinen Gel mangel unter der Laſt der Judenſchulden und der hohen, unerſchwinglichen Zinſen. Jene finanzielle Bedeutung benutzten vielfach die Juden auf maßloſe Weiſe auch eine politiſche zu erringen; ſie bilden nicht blos religiöſe, ſondern auch politiſche Gemeinden: zu Mainz ſtand an ihrer Spitze ein Biſchof und mehrere Rathsherrn als verantwortliche Behörde. Am weiteſten hatten ſie es damals in Köln gebracht, wo Chriſten, ſelbſt geiſtliche und weltliche Richter, vor dem Rabiner und der Synagoge Recht nehmen mußten. Ferner hatte ſich in den Städten in Folge der herrſchenden Hungersnoth eine Maſſe armer Leute vom Lande als Taglöhner und Hinterſaſſen angeſammelt, die ſich leicht zu Gewaltthätigkeiten hinreißen und von den vielen, welche durch Ermordung der Gläubiger ſich von ihren Schulden befreien wollten, gebrauchen ließ. Durch ihren Geldverkehr übten die Juden auf das ſtädtiſche Weſen einen außerordentlichen Einfluß; auf ſie ſchob man die Urſache des drückenden Pauperismus, weßhalb ſich die Ver⸗ folgungsſucht auf Perſonen und Cüter zugleich richtete. Da ſie ihren Wohnſitz oft wechſelten, ſo trat ſchon bei ihrem Wegziehen an manchen Orten ein empfindlicher Geldmangel ein, dem bei den unſichern Verkehrsmittel jener Zeit nicht leicht abzuhelfen war. Nimmt man dazu, daß die Juden in ihrem Glücke— was der Sterbliche ſo ſchwer erträgt!— gar oft den Chriſten mit Härte, ja in religiöſer Hinſicht mit Hohn und Spott begegneten, weßhalb ſie z. B. am Charfreitag in ihren Häuſern ſich halten mußten, ſo ergibt ſich leicht, daß jene Nachreden von Brunnenvergiſtung, Bezaubern der Luft, Ermordung von Chriſtenkindern nur den Vorwand bildeten, ſich der Geldnoth zu wehren*). Tauſende von Juden ſtarben in den Jahren 1347 — 49 des Feuertodes; Tauſende, von Schrecken und Angſt in Verzweiflung gebracht, zündeten ihre Wohnungen ſelbſt an und überließen ſich mit ihren Familien und ihrer Habe der Wuth der Flammen. Am heftigſten raſete die Menge in den freien Städten, wie in Worms, Speier, Oppenheim und Mainz. In dieſer Stadt ſollen an 12,000 getödtet worden ſein ³). Nur wenige Fürſten, wie dem Herzog Albrecht von Oeſtreich, dem Pfalzgrafen Ruprecht und dem Papſte in Avignon, die namentlich genannt worden, gelang es, die Unglücklichen in ihren Gebieten zu ſchützen. Wie es insbeſondere in Mainz zuging, erzählen kurz die Chroniſten Heinrich Rebdorf, Joh. Naukler und Peter Herb. Der erſte ſagt:„In dieſem Jahre(1348) entſtand in allen
1) Limburger Chronik, S. 422. Die Gesta Trev. II, p. 263: Isto etiam anno Deus genus humanum tri- plici plaga flagellavit: ita quod plus quam medietas hominum cessit ab humanis. primo percussit ipsum epi- demia, cui gibbus crevit quacunque corporis parte; et omnes anbelitum ejus capientes celerius interierunt. secundo hemeroida, tertio sacro igne. Dazu die Bemerkung der Herausgeber.— 2) Vergl. über dieſen ganzen Gegenſtand die vortrefflichen Abhandlungen Mone's in ſeiner Zeitſchr. Bd. VIII, S. 257„über das Finanzweſen vom 13— 16 Jahrh.; Bd. IX, S. 257„über die Juden vom 13— 16 Jahrh.“, wo ſich die näheren Nachweiſen finden— 3) Alb. Arg. p. 147— 149.


