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zog er durch Schwaben an den Rhein. In Kolmar treffen wir in ſeinem Gefolge den Gr. Otto von Naſſau⸗Dillenburg, dem er 3000 Pf. H. anweiſt auf die Gülde zu Wetzlar, und an dem⸗ ſelben Tage entbietet er dem Schultheiß, dem Bürgermeiſter und den Bürgern dieſer Stadt, daß ſie dem Gr. Johann von Naſſau 400 und dem Gr. Otto 320 fl. jährlich von der gewöhn⸗ lichen Steuer geben ſollen ¹).
Um dieſe Zeit machte der Stiftspfleger Konrad von Kirkel den Verſuch, zwiſchen dem K. Karl IV., dem Erzbiſchof Gerlach, dem Heinrich von Virneburg, dem Kurfürſten von Trier und den Reichsſtädten in der Wetterau einen gütlichen Austrag zu Stande zu bringen. Nach ſeinem Vorſchlage ſollte Gerlach nach dem Tode Heinrich's in den Beſitz des erzbiſchöflichen Stuhles gelangen. Darauf konnte dieſer ſchon aus Rückſicht auf den päpſtlichen Stuhl nicht eingehen, und er begab ſich im Vertrauen auf die Unterſtützung des Königs zu dieſem nach Straßburg*), worauf ſeine Gegner mit den übrigen Gliedern der Wittelsbachiſchen Partei den Plan faßten, einen Gegenkönig aufzuſtellen. Von Gerlach wiſſen wir aus dem Ende des Jahres 1347 nur noch, daß er am 22. November die Bürger von Augsburg aufforderte, dem König Karl gehorſam und unterthänig zu ſein um gemeinen Nutz und Frieden des Landes willen ³).
II. Die Uath der Zeit, Fortſetzung des Kampfes bis zur Anerkennung Gerlach's durch dir Stadt Mainz.
Im Mainzer Dome hatte man nach altem Brauche wegen der ſchweren Bedrängniſſe der Zeit ein mit einer Stola umwundenes Kreuz aufgeſtellt, und von demſelben wurde täglich von dem Klerus das Media vita und der Pſalm Deus laudem meam(108) geſungen. Nach dem Tode Ludwigs, als Karl IV. mit vielen Fürſten in Mainz war, wurde es in ihrer Gegenwart auf feierliche Weiſe unter Abſingung des Te Deum laudamus weggenommen*). Doch weder des gebannten Kaiſers Tod, der wohl den langen, erbitterten Streit mit dem Papſte beendigte, noch die Wegnahme des Kreuzes bannten die Leiden des Volkes, über das in den drei nächſten Jahren neue furchtbare Strafgerichte des Himmels hereinbrachen, welche alle Banden der bürger⸗ lichen und ſittlichen Ordnung löſten und die Leidenſchaften entfeſſelten. Die ganze Zeit befand ſich in einer merkwürdigen phyfiſchen und moraliſchen Kriſis, die mit Beginn des Jahres 1348 zu gewaltigem Ausbruch kam. Hatten ſchon vorher der Zwieſpalt im Reiche und in der Kirche, das theilweiſe Aufhören des Gottesdienſtes, die fortwährenden Fehden, die damit verbundenen Räubereien und Verwüſtungen des Landes, die Unſicherheit der Wege, die Stockungen des Ver⸗ kehrs und Handels die Gemüther in anhaltende Aufregung und Verwirrung geſetzt, ſo brachten jetzt Nißwachs, Ueberſchwemmungen, Stürme, Erdbeben und Hungersnoth die Menſchen in Angſt und Elend, welches auf das höchſte ſtieg, als eine furchtbare Seuche, der ſchwarze Tod, nachdem ſie die blühendſten Länder des Südens in Leichenfelder verwandelt hatte, den Weg über die Alpen und den Rhein fand, um auch in den deutſchen Landen zu wüthen, und die Menſchen in den Abgrund der Verzweiflung und des Jammers ſtürzte. Mehr als die Hälfte der Menſchen ſoll der Seuche in Europa erlegen ſein; die Lebenden reichten oft nicht
1) utmenſtein, G. v. Welar I, 633 u. 634.— 2) Alb. Arg. p. 142.— 3) Reg. Boica VIII. 4) Noannis I. c. I, p. 661.


