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dem während ſeines Aufenthaltes zu Boppard jene Grafen unverhofft den Fehdebrief zugeſandt hatten, ſah ſich genöthigt, mit K. Ludwig und ſeinen nahen Feinden eine Urſage(Waffenſtill⸗ ſtand) abzuſchließen, ohne damit freilich den Baiern wiederum als König anzuerkennen. Zu⸗ gleich traf er auch eine Einigung mit Heinrich von Virneburg auf die Dauer des von dem Kaiſer und dem Erzbiſchof verabredeten Vertrags ²). Der blutige Schlag, den die Seinen er⸗ litten,— 172 Mann waren gefallen— und die herrſchende Hungersnoth zwangen den ſonſt ſo unerſchrockenen Fürſten, die Waffen einige Zeit ruhen zu laſſen.
Eine Aenderung in der äußeren Lage der Dinge brachte der plötzliche Tod Ludwigs, als eben Karl IV. nach ſeiner feierlichen Krönung zum böhmiſchen Könige ſich anſchickte, einen ent⸗ ſcheidenden Feldzug nach Baiern zu unternehmen. In dem plötzlichen Tode des unglücklichen Kaiſers ſah Karl und ſeine Zeitgenoſſen eine höhere Fügung, eine augenfällige Strafe Gottes. „Davon“, ſagt Heinrich Rebdorf,„war die Urſache, daß Ludwig einige Jahre vor ſeinem Ende Beamte und Richter anſtellte, welche Tyrannen und Unterdrücker der Armen waren und das Recht nicht handhabten. Denn er erlaubte auf ſeinen Heereszügen Land und Leute zu plündern und fiel wie auch ſeine Söhne den Kirchen und Stiftern zur Laſt.“ ²) Gewiß eine ſtürmiſche, unheil⸗ volle Zeit hatte die Nation unter ihm durchlebt; es war aber keine Leidensperiode, die zu beſſeren Zuſtänden die Bahn brach, ſondern zu noch ſchlimmeren Dingen führen ſollte. Daß daran Schuld waren die Unbeſtändigkeit und Zweideutigkeit des Herrſchers, ſeine Vernachläſſigung der Rechts⸗ pflege, ſein unaufhörliches Beſtreben, ſeine Hausmacht durch Ländererwerbungen zu verſtärken, ſeine fortwährenden Zwiſtigkeiten mit ſeinen Verwandten, ſein Hinwegſetzen über göttliche und menſchliche Einrichtungen und Geſetze, wodurch er der Kirche und den Fürſten einen unbeſtreit⸗ baren Rechtstitel gegeben hat, ihn zu bannen und zu entſetzen, wer mag das leugnen? Voll⸗ ſtändig waren des Reiches Ordnungen geſtört, nur Privatintereſſen lenkten die Geiſter: was konnte alſo für den neuen König, deſſen Regierung im Verhältniß zu der ſeitherigen eine con⸗ ſervative genannt werden kann, anders übrig bleiben, als zunächſt für ſein Erbkönigreich zu ſorgen, das wenigſtens eine feſte Macht bot, des Kaiſerthums äußeren Glanz wiederherzuſtellen, womit das damalige Geſchlecht ſich um ſo eher befriedigt fühlte, als überhaupt die äußerliche Richtung ſowohl im ſocialen als im kirchlichen Leben die vorherrſchende war. Gerne erging ſich der Geiſt des Jahrhunderts im Fabelhaften und Seltſamen; man denke nur an die prunk⸗ vollen Feſte zu Prag und an andern Orten, an die alles Maß überſchreitende Schwärmerei auf dem religiöſen Gebiet, an Karl's IV. merkwürdige Sucht, überall im Reiche Reliquien zu ſammeln, ja zu erpreſſen, um damit die Prager Kirche zu bereichern, an die eingeriſſene Pracht⸗ liebe in Kleidung: kurz alles wahrhafte Weſen im öffentlichen Leben des Volkes begann zu verſchwinden. Mit dem Tode Ludwigs hofften zwar Viele, denen das Wohl des Ganzen noch am Herzen lag, die Wiederkehr eines beſſeren Zuſtandes für Kirche und Reich und begrüßten Karl IV. als David, der an Saul's Stelle die Geſchicke des Volkes lenken werde).
Derſelbe verweilte vom 31. Okt. bis 3. Dez. zu Nüruberg, wohin der Adel in großer Zahl zu ihm eilte, um Gnaden zu erbitten. Hier verſprach er dem Grafen Johann von Naſſau eine Summe von 400 fl. als Entſchädigung für den in ſeinem Dienſte gemachten Koſtenaufwand und beſtätigte der Gräfin Jutta, Wittwe des Grafen Gerhard VI. von Diez und Tochter Emich's von Ha⸗ damar ihre auf Reichslehen angewieſene Morgengabe und Wittumsgefälle*). Von Nürnberg
1) Günther, Cod. Rheno-Mos. III) 508& 513.— 2) Henr. Rebd. ad h. a.— 3) Böhmer, Fontes I, 471.— 4) Arnoldi II, 80 und I, 100.
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