12
und Heſſen am 26. April 1347 wegen der von letzterem eingenommenen Feſte, die künftig jedem Theil zur Hälfte zuſtehen ſoll*). Und am 1. Mai kam es durch dieſelben Mittelsperſonen zu einem zweiten Vertrag, bei welchem der Erzbiſchof an Heſſen die Lehen gab, die dieſes von dem Erzſtift hatte, namentlich das Marſchallamt und das Gericht zu Meiden ²). Mit Balduin von Trier hatte er ſchon 1346 ein Bündniß abgeſchloſſen.
Dieſes ſind die wichtigſten Bundesgenoſſen Gerlach's, die mit vereinten Kräften gewiß leicht den Krieg hätten zu Ende führen könnten. Daß es dazu nicht kam, daran war hauptſächlich der Umſtand ſchuld, daß Gerlach noch nicht die Mittel beſaß, ſeine Freunde zu belohnen, und er ſie auf die Zukunft vertröſten mußte. Das moraliſche Uebergewicht half wenig gegen die materielle Uebermacht der Gegner. Dieſe waren Herren der feſten Plätze und Schlöſſer, vorzüglich aber der Zölle am Rhein, wodurch ſie im Stande waren, ihre Truppen zu bezahlen und Helfer unter der raubgierigen Ritterſchaft zu werben. War die Zahl ihrer Anhänger unter der Geiſtlichkeit, die vor allen Dingen die Aufhebung des Interdiktes wünſſchen mußte, ſicherlich nicht groß, ſo wog die geringe Zahl die Schlauheit und tollkühne Tapferkeit eines Konrad von Kirkel und Kuno von Falkenſtein völlig auf. Letzterem allein verdankte es Heinrich, der ſich meiſt in ſeiner befeſtigten Burg zu Eltville hielt, daß ſein Name noch mehrere Jahre in Geltung blieb. Gerlach verweilte im Anfang des J. 1347 wohl meiſt auf der väterlichen Burg zu Idſtein. Wir kennen zwei Schreiben deſſelben, die von hier datirt ſind. In dem einen vom 3. April bittet er in Folge der von Karl IV. erhaltenen Er⸗ mächtigung das Kloſter zu Reinhardsbrunn, einem gewiſſen Heinrich Gottſchalk von Erfurt eine Pfründe mit oder ohne cura zu übertragen; in dem zweiten, Samſtag vor Invocgavit, bittet er, den Bruder Heinrich Faber, Conventual des Kl. S. Peter zu Hersfeld als Bruder in Reinhardsbrunn aufzunehmen ³). Auch finden wir ihn um dieſe Zeit auf der Burg Naſſau, von wo er(ipsa die Corporis Christi), ſeine preces primarias an das Kloſter in Schmerlenbach richtete ⁴).
Unterdeſſen begann der Kampf. Leider wiſſen wir davon ſehr wenig; ja das, was von den Naſſauern geſchah, können wir nur aus der Verlegenheit Heinrich's abnehmen, der zu Ludwig nach München reiſte, um Hilfe zu bekommen. So erzählt Tritheim und fügt hinzu, Ludwig habe Geſandte nach Frankfurt geſandt, um dort mit den Mainzer Stiftsherrn eine Verſtän⸗ digung zu Stande zu bringen, was mißglückt ſei ³). Ludwig begab ſich um dieſe Zeit nach Wien, um den Herzog Albrecht für ſich zu gewinnen. Hierher ſchrieb Heinrich an ihn und bat abermals um Hilfe. Der Kaiſer antwortet ihm, er habe den Pflegern des Erzſtiftes geſchrieben, die Vormundſchaft nicht aufzuſagen, und dem Kapitel, ſie nicht anzunehmen, indem er ſelbſt kommen wolle, um die Klagen der Pfleger zu verhören. Zugleich verſpricht er ihm die Ehre ſeines Stiftes gegen den Markgrafen von Meißen und den Landgrafen von Heſſen getreulich zu beſorgen, und„waz brechen du habeſt“, fährt er fort,„von des von Nazzaw wegen und in andern ſachen, die wellen wir dir nach deinem Rat, gern und nach aller unſer macht wenden, und furchomen, wan wir anders mer an dir funden haben, dann willig und getruve dienſt ³)“. Muß ſo, nach der Verlegenheit Heinrich's zu urtheilen, die Sachlage für die Naſſauer günſtig erſcheinen, ſo war die Niederlage, welche die Koblenzer bei Grenſau von Reinhard von Weſter⸗ burg und Philipp von Iſenburg erlitten, auch für ſie von großem Nachtheil*). Denn Balduin,
1) Wenck III, Urkdv. S. 204.— ²) Guden III, 339.— 3) Möller, Geſch. d. Kl. Reinhardsbr S. 115. — 4) Wuerdtw. S. D. II, 26, und dazu III, 6.— 5) Annal. Hirsaug. II, 200.— 6) Wuerdtw., S. D. V,
291. Dazu Böhmer, R. L. 291 und über das Datum Damberger Synchron. Geſch. XIV, 872.— 7) Limburger Chronik(Ausg. v. Roſſel) S. 419.
A


