Aufsatz 
Der Kampf des Erzbischofs Gerlach von Nassau mit Heinrich von Virneburg um das Erzstift Mainz.
(Fortsetz. d. Progr. v. 1861.)
Entstehung
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Emich und Gerlach von Naſſau.¹) Bald ſchloſſen ſich dieſem Stifte die anderen an und bildeten mit dem Domkapitel eine Union am 21. Febr. 1348 ²). Damit hatte die Sache Gerlach's in der Stadt viel gewonnen, und es konnte ihr nicht hinderlich ſein, als einige Zeit nachher Hein⸗ rich von Bingen, Kan. zu S. Peter und Jakob von Bingen, Kan. ad gradus zu Mainz, am 22. Juni ſich mit der Partei des abgeſetzten Heinrich verbandenwider aller menlich geiſtlich oder werntlich hohe odern nider, Niemans vzgenommen, als lang als wir leben und ſunderlich vmb den Crieg, der vferſtanden iſt zwiſchen dem Heinrich Ertzeb. vf eine Site, und Hrn. Ger⸗ lache von Naſſauwe, der ſich vf die andere Siten, vmb das Bisthum zu Mentze ſchribet und nennet ein Ertzebiſchof zu Mentze. Auch ſullen wir, ſagen ſie am Ende,mit allem Fliſze und moge dar zu helfen und raden, daz die Vnie zu brochen und zurſtoret werde, di di Stifte halten ane Willen derre Herrn von dem Dume.*²) Die Geiſtlichkeit im Heſſiſchen und Thü⸗ ringiſchen nahm gleich anfangs Partei für Gerlach; ſo vor allen die von Erfurt, von Jechberg und Nordhauſen, von deren Anhänglichkeit wir beſondere Zeugniſſe haben*). Andere hielten aus Furcht vor der Unterdrückung der Gegenpartei mit ihrer Unterwerfung) zurück, wie man aus dem Schreiben des Dekans Heinrich von Arnfeld und 7 Pfarrer vom 20 Januar 1349 erſieht, worin dieſe darauf hinweiſen, daß ſie ſchon vorher den Befehlen des von Gerlach ein⸗ geſetzten Gerichtes Folge geleiſtet, aber auch nirgends ſicher ſeien gegen die Angriffe der Gegner und deßhalb um Schutz bitten ¹⁴).

Die Stadt Mainz hielt ſich eine Zeit lang neutral und wußte, wie früher dieſen Streit um den erzbiſchöflichen Stuhl zu ihrem Vortheil auszubeuten; bald jedoch neigten ſich die Bürger auf Seite Gerlach's und erkannten ihn an. Daſſelbe thaten die von Erfurt, ſowie die von Bingen, welche gleich den Rheingauern mehr zur naſſauiſchen Partei hielten, aber nichts gegen den Virneburger zu unternehmen wagten aus Furcht vor der demſelben ergebenen Burgmannſchaft der Feſte Klopp ¹).

Beide Theile rüſteten ſich zum Kampfe, ſchloſſen Bündniſſe ab und ließen ſich von Gliedern des niederen Adels Dienſte für Geld verſchreiben. Für die Sache Gerlach's erhoben ſich zu⸗ nächſt ſeine beid en Brüder Adolf und Johann, mit denen beſondere Verträge abgeſchloſſen wurden, nachdem er am Dienſtag nach Pfingſten 1347 Verzicht auf alle Erbſchaft gethan hatte*). Am 13. Juli deſſelben Jahres erklärt nämlich der Erzbiſchof, daß er ſeinen Brüdernumb ſolichen dienſt und hulfe, die ſie uns dun ſollent bit libe bit gude bit lande bit luden unde bit iren ſloſſen nach aller irer muge, ane argenliſt, uns zu unſne ſtiffte zu Mentze zu helfende und zu bringene gelobt hat 24,000 kl. Gulden von Florenz,der wir ſie bezalen ſollen gutlich und gentzlich wanne wir unſern ſtifft in gewienen ane geuerde. Da die Haupteinnahme des Erz⸗ ſtifts die Zölle waren, ſo ſetzte Gerlach hinzu:ſobalde wir unſern ſtifft in gewinnen und geweldig werden unſerre zolle, ſo ſullen wir ſie ſetzen zu Erenfels in vier Turnoſe, drinne ſollen ſie getruwec⸗ lich ſitzen, biz ſie die vorgen. ſumme geldes uf gehebent gentzlich*). Zugleich ſtellte er für ihre Söhne ergiebige Pfründen in Ausſicht und bedung für ſich den freien Gebrauch der Burg Naſſau aus, ſo lange er ſeinen Sitz nicht in Mainz nehmen könnte. An demſelben Tage erklärte er, daß er ſeine beiden Brüderfunden hat, in Gewalt vnde Gewer ſitzen zu Lanſteyn one Anſprache aller rechte Gewon⸗

1) Joannis l. c. II, 605 f. 2) Reg. Boic. t. VIII. 3) Schunk, Cod. dipl. p. 283. 4) Guden Hist. Erf. in Joannis R. M. S. t. n. 172 ff. Wuerdtw. Dipl. Mog. t. I, p. 141.- 5) Terruit plures, ſagt Raynald, c. 17, Henrici tyrannis, ne ad Ecclesiae castra impietatem execraturi reverterentur. 6) Schunk Beitr. II, S. 327. 7) Bodmann a. a. O., S. 62. 8) Hagelgans, Naſſ Geſchlechtstafel, S. 22, 9) Wuerdtw. N. S. VI, 297; Joannis I, 667.